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Mönchengladbach
Jugendsinfonieorchester knöpft sich Brahms vor

Mönchengladbach. Zuvor dirigierte der 17-jährige Leon Frantzen, der ebenso junge Felix Brucklacher begeisterte als Solist. Von Gert Holtmeyer

Der Zug der Zeit, meinte Musikschul- und Jugendsinfonieorchesterleiter Christian Malescov, bringe es mit sich, dass in der Orchesterarbeit die Klassik allmählich in den Hintergrund gedrängt würde. Und nicht nur das. Auch beim klassisch-romantischen Repertoire erhielten kurze und leicht eingängige Werke allmählich Vorrang vor der großen Sinfonik. Um so mehr freue er sich, dass die Jugendlichen selbst mit der Bitte an ihn herangetreten seien, einmal eine ganze Sinfonie einzustudieren. Malescov erfüllte den Wunsch nur allzu gern.

Zunächst aber überließ er den Taktstock dem 17-jährigen Leon Frantzen. Der ist im niederländischen Weert geboren, lebt seit seinem sechsten Lebensjahr in Verona und ist zurzeit als Austauschschüler in Mönchengladbach. Schon seit seinem zehnten Lebensjahr hat er sich in den Kopf gesetzt, Dirigent zu werden. Als "Mars, The Bringer of War" aufs Programm gesetzt wurde, war er nicht zu halten und bat Malescov, ihm das Dirigieren zu überlassen. Es verwundert nicht, dass die Zustimmung nicht gleich kam, Malescov überzeugte sich natürlich erst mal von Leons Fähigkeiten. Das Ergebnis war positiv. Die Komposition des schwedisch-britischen Komponisten Gustav Holst ist 1914 entstanden und wurde anschließend zur Blaupause für Filmmusik der Marke "Star-Wars". Sie war gut einstudiert, wurde sicher dirigiert und erklang kraftvoll-voluminös.

Nach dem jugendlichen Dirigenten zeichnete sich ein jugendlicher Solist aus. Es verwundert nicht, dass der 1999 geborene Felix Brucklacher, Oberstufenschüler des Gymnasiums Korschenbroich, 2015 bei "Jugend musiziert" den ersten Preis gewann. Mit welcher technischen, tonlichen und musikalischen Souveränität er Rossinis "Andante und Variationen für Klarinette und Orchester" zur Aufführung brachte, war bewundernswert. Ebenfalls gekonnt und zugleich erheiternd war seine Zugabe. Von Christian Malescov am Klavier begleitet, spielte er noch Jazz-Variationen über Paganinis 24. Caprice. Sie stammen aus der Feder Benny Goodmans.

Der dicke sinfonische Brocken, den sich die Musikschüler zu spielen gewünscht hatten, war Brahms' vierte Sinfonie. Die ist nun wirklich nicht leicht zu spielen. Da ist es klar, dass auch ein so vorzügliches Jugendorchester wie das der städtischen Musikschule gelegentlich an seine Grenzen stößt. Aber die liegen hier ja auch sehr hoch, und das Ergebnis der intensiven Probearbeitungen ist aller Ehren Wert. Das war auch die Meinung des Publikums, das die Leistungen aller Beteiligten - der jungen Musiker, des Orchesterleiters und seiner Helfer bei den Einzelproben - mit herzlichem Beifall anerkannte.

Quelle: RP
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