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Mönchengladbach
Mit dem Gablé-Bus ins 16. Jahrhundert

Mönchengladbach. Bei einer komfortablen Busfahrt vorbei an Minto und Geroweiher stellte die Autorin Rebecca Gablé ihren aktuellen Roman "Der Palast der Meere" vor. Hörbuchsprecherin Nicole Engeln war als Vorleserin und Moderatorin mit an Bord. Von Angela Wilms-Adrians

Für Gablé und Engeln wurde die fahrende Lesung zum literarischen Triathlon. Denn dreimal startete der Bus in den auffallenden Farben des Buchcovers mit immer neuen Literaturfreunden. Der Auftakt zur ersten Fahrt war zwar ein wenig hektisch, da wegen der Baustelle in der Lambertsstraße der angegebene Treffpunkt nicht eingehalten werden konnte und die Literaturfreunde stattdessen zur Bismarckstraße eilen mussten. Doch kaum hatte Nicole Engeln mit der ersten Leseprobe begonnen, hätte ein jeder die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Gebannt folgten die vorwiegend weiblichen Gäste dem ersten Teil, der verrät, wie sich das Leben an Waringham durch die Politik der Königin Maria Stuart verändert hat. An der Ampel zur Aachener Straße hörten sie zum Beispiel, dass diese Protestanten verbrennen ließ. Unter dem wolkenverhangenen Himmel über Mönchengladbach fühlten sich die Zuhörer in die Hitze der Sierra Leone ein, wohin das abenteuerliche Leben den Jungen Isaac unter anderem führt.

"Der Palast der Meere" ist der fünfte Band in der fortlaufend erzählten Reihe zur Waringham-Saga, die der Autorin mit ihrem ersten historischen Roman "Das Lächeln der Fortuna" den Durchbruch bescherte. Das fünfte Buch um die fiktive Familie rankt sich um den Konflikt zwischen der protestantischen Königin Elisabeth I und der katholischen Schottin Mary Stuart. Als Spionin der Krone gerät Eleanor of Waringham in den Strudel der Ereignisse. Derweil soll ihr 15-jähriger Bruder Isaac das Erbe des Hauses Waringham antreten. Doch der flieht, schleicht sich als blinder Passagier auf ein Schiff, wird von dem Kapitän und Freibeuter John Hawkins auf Teneriffa als Sklave verkauft. Jede Menge Spannung ist also garantiert, und auch dieses Mal ist das fiktive Geschehen eng mit der Historie verknüpft. Echte Waringham-Fans werden zudem Personen aus früheren Romanen wiedererkennen.

Der Erfolg sei ein "Riesengeschenk" für sie, gestand Gablé auf die erneute Platzierung in den Bestsellerlisten angesprochen. Da Issac zum Seefahrer wird, habe sie sich in die Recherche zum Thema der englischen Seefahrt "hineinwühlen" müssen. Für die Termini sei es nicht immer leicht gewesen, die deutschen Entsprechungen zu finden. "Zum Glück ist mein Mann passionierter Segler, und wir sind dann zusammen gesegelt, wenn auch natürlich nicht mit den Entbehrungen des 16. Jahrhunderts", erzählte die Autorin. Sie gestand auch, dass die Materialsammlung über die beiden Frauen Elisabeth I und Maria Stuart viele "Pusteblumenerlebnisse" bereitgehalten hätten. An Maria Stuart habe sie "verblüfft", dass diese trotz schlechter Voraussetzungen zunächst "mit traumwandlerischer Sicherheit" alles richtig gemacht habe, um dann ab dem fünften Jahr auf dem Thron einen Fehler nach dem anderen zu begehen. An deren Gegenpol habe sie erschüttert, dass die erfolgreiche Elisabeth eine so zerrissene Frau mit Panikattacken gewesen sei. Gefragt, mit welcher Person des Romans sie am liebsten den Abend in einer Weinschenke verbringen wolle, antwortete Gablé: "Mit Shakespeare, der hat auch ein paar kleine Auftritte. Ein Treffen mit einem so großen Literaten wäre sicherlich sehr lehrreich".

Quelle: RP
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