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Mönchengladbach
Museum Abteiberg präsentiert futuristische Künstlerin

Mönchengladbach. Ab 13. November zeigt das Hollein-Haus Arbeiten der Belgierin Anne-Mie van Kerckhoven. Von Dirk Richerdt

Der weibliche Körper steht im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens. Dabei bedient sich die im Dezember 1951 in Antwerpen geborene Künstlerin Anne-Mie van Kerckhoven vorzugsweise des Mediums Zeichnung. Grafik war auch bereits Schwerpunkt ihres Studiums an der Akademie der Schönen Künste in ihrer Heimatstadt Antwerpen gewesen. "Ich zeichne jeden Tag", hat van Kerckhoven einmal öffentlich zu Protokoll gegeben. Das zeichnerische Element findet auch Eingang in ihre Arbeiten der Genres Film und Videokunst.

Am Sonntag, 13. November, 12 Uhr, wird im Museum Abteiberg die Gladbacher Debütausstellung der 64-jährigen belgischen Künstlerin eröffnet. "Anne-Mie van Kerckhoven realisiert im Museum Abteiberg eine Ausstellung mit eigenen Wänden und Bildhängestrukturen, die in voraussichtlich zwölf Kapiteln (Ausdrucksebenen) Werke aus allen Werkphasen zeigt", schreibt Museumsdirektorin Susanne Titz. Die Präsentation der in Fachkreisen als feministische Futuristin eingeordneten Künstlerin werde ganz neue Arbeiten mit solchen aus den Anfängen ihres Schaffens in den 1970er-Jahren verbinden, ergänzt Museumspädagoge Uwe Riedel. Dabei wird Anne-Mie van Kerckhoven Malerei, Zeichnung, Collage, Materialien wie Plastik, Folien, Kopiertechnik und Computer-Animation zusammenbringen.

Inhaltlich geht es der Antwerpenerin, die einen weiteren Wohnsitz in Berlin hat, um eine abstrakte Installation des Denkens, gespiegelt in Raumgestaltung. Das menschliche Gehirn hat ihr zufolge "absurde Widersprüche verinnerlicht". Ursachen dieser mentalen Invasion sind für van Kerckhoven Phänomene wie technische Manipulationen bei der Filmmontage. Was sich tagtäglich bei den TV-Nachrichten zeige. Van Kerckhoven sieht darin "Indoktrinationen durch Bilder, die künstliche Collagen sind". Auf das Ego des modernen Menschen wirken stark prägend Medien, die allgegenwärtige Digitalisierung, aber auch Vorstellungen von künstlicher Intelligenz ein, glaubt die Philosophin unter den zeitgenössischen Künstlerinnen. Dabei greift sie gern Elemente von Gegenkultur wie Punk, Feminismus und Anti-Akademismus auf. In ihrem Essay "Das Abstrakte ist keine sexuelle Stimulanz" schrieb sie bereits 1995: "Zu dieser Zeit las ich gleichzeitig de Sade und Wittgenstein in Kombination mit Wissenschaftsmagazinen. (. . .) Und mein eigenes Gehirn wurde zum Gegenstand meiner Kunst. Die Impulse, die mich dazu brachten, Dinge zu tun, rückten ins Zentrum meines Interesses. Einfluss, Bestimmung, Schicksal, das Soziale, die Moral - alles, was das Handeln der Leute antreibt, wurde zu meiner Inspiration. Als Gegengewicht zu den Bildern begann ich damit, Bilder aus den Massenmedien zu verwenden. Ich sammelte jedes Magazin, das ich mir leisten konnte, und nutzte die ganze ,Oberflächlichkeit' dazu, um unter der Oberfläche nach Strukturen, Sparten und Systemen zu suchen."

Die Ausstellung "What would I do in Orbit?" (Was würde ich im Weltraum anfangen?") wird vom Museum Abteiberg in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Hannover und dem Museum HKA in Antwerpen realisiert. Anne-Mie van Kerckhoven wird im Museum zusammen mit dem Performance-Künstler Danny Devos und ihrer eigenen Performance-Band "Club Moral" ein Konzert aufführen. Es gibt Vorträge und ein Künstlergespräch.

Quelle: RP
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