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Mönchengladbach
Sommermusik: Start mit Klassik und Irish Dance

Mönchengladbach. In der märchenhaften Kulisse von Schloss Rheydt ist die Sommermusik fulminant gestartet. Bis Sonntag gibt es jeden Abend Highlights. Von Inge Schnettler

Die Pfauen gerieten geradezu außer Rand und Band. Mit ihrem mehr oder weniger melodischen, in jedem Fall aber durchdringenden Geschrei begleiteten und kommentierten sie das rhythmische Solo des irischen Trommlers, der mit der National Dance Company of Ireland zum Gastspiel auf der Sommermusik-Bühne am Schloss Rheydt gekommen war. In inniger Umarmung mit seiner Bodhrán - tanzend, trippelnd, in sich versunken, ekstatisch - entlockte er dem Instrument leise Klänge, laute Töne, aufreibende Rhythmen, wimmernde Vibrationen. Geige, Gitarre, Banjo, Flöten und die Quetschkommode seiner Musik-Kollegen zauberten im Nu irisches Pub-Feeling auf die wunderschön illuminierte Turnierwiese zwischen Vorburg und Herrenhaus. Die irische Dance Company war mitsamt Solo-Sängern und der Band angereist, um den Zuschauern von ihrer überschäumenden Freude an Musik, Gesang und Bewegung, aber auch von ihrer tiefgründenden Traurigkeit zu berichten. Der Funke sprang gleich über.

Auf der schillernd illuminierten Bühne bewegten sich die Tänzerinnen und Tänzer in der ganz und gar ureigenen Art, die ihr Land hervorgebracht hat. Der Oberkörper bleibt dabei nahezu unbewegt, die Beine und Füße wirbeln in unfassbar rasanter Abfolge, so dass die mit den so genannten Tips und Heels versehenen Schuhe fesselnde Rhythmen, aber auch regelrechte Melodien aus dem Bühnenboden herausmusizieren. Die Band im Bühnenhintergrund heizte den Tänzern ein, die in traumsicherer Synchronität und mit scheinbarer Leichtigkeit über die Bühne wirbelten, sich immer wieder neu formierten und mit fantastischen Choreographien verblüfften. Die leisere Variante, der Tanz in den weichen Schuhen, verleitete zum Träumen. Leicht wie Federn schienen die Tänzer tatsächlich zu schweben. Der effektvoll eingesetzte Bühnennebel trug sie wie auf Wolken. Atemberaubend schön, anmutig, märchenhaft.

Die Sänger erzählten Geschichten aus der Heimat - Molly Malone, sie gehörte natürlich dazu. Aber auch vom Hunger sangen sie, vom Schmerz, von den Tränen und der Hoffnung. "That isle of hunger, isle of pain, isle you'll never see again. But the isle of hope is always on your mind" sangen die Tenöre. Das Lied ging unter die Haut. Das Leid der Iren rührt an, die Entbehrungen, denen das Volk ausgesetzt war, die vielen Iren, die ihr Land verlassen mussten in der Hoffnung, irgendwann einmal wieder zurückkehren zu können.

Günter vom Dorp, der die Sommermusik zum neunten Mal auf die Beine stellte, hat von seiner Begeisterung für diese besonders schöne Art des Open-Air im Laufe der Jahre nichts verloren. "Ich glaube, ich bin der Dance Company gehörig auf die Nerven gegangen, aber ich wollte sie unbedingt hier haben", sagte er. Seinem persönlichen Engagement ist es zu verdanken, dass das Festival Jahr für Jahr mit einem abwechslungsreichen Programm viele Stammgäste und immer wieder neue Zuschauer ins Schloss Rheydt lockt. Den Auftakt hatten am Freitagabend die Niederrheinischen Sinfoniker mit italienischem Flair gemacht (s. Bericht unten). "Das war La Dolce Vita pur", schwärmte Günter vom Dorp. Die irischen Tänzer und Musiker vollendeten ihre Bühnenshow vor einem begeisterten Publikum. Und als der magische Trommler seine Bodhrán noch einmal zum Klingen brachte, muckten auch die Pfauen wieder auf. Diesen irischen Abend werden auch sie nie vergessen.

Quelle: RP
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