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René Schnitzler
"Es ist weniger Träumerei, als man vermutet"

Mönchengladbach. Der Spielertrainer des Rheydter Spielverein spricht über die Situation und die ehrgeizigen Ambitionen des A-Kreisligisten.

Herr Schnitzler, der Rheydter SV hat mit dem 2:2 im A-Liga-Topspiel gegen Giesenkirchen den letzten theoretischen Hoffnungszipfel in Sachen Bezirksliga-Aufstieg verspielt. Ändert das grundsätzlich die Pläne des "Spö"?

Schnitzler Nein, auf keinen Fall. Die Chance war ja ohnehin nur winzig, es noch zu schaffen. Und wir haben auch in dem Spiel gesehen, dass Giesenkirchen zu stabil für diese A-Liga ist.

Im Winter hat der RSV groß eingekauft. Spieler wie Ferdi Berberoglu, der von Odenkirchen geholt wurde, kommen aus der Landesliga. Das gibt weiterhin die Richtung vor?

Schnitzler Definitiv. Wir haben jetzt doch einen Vorteil: Wir können uns während der Rückrunde mal richtig einspielen. Genau das war unser Plan. Darum habe ich mich auch dafür stark gemacht, dass wir Christian Pöstges installieren. Er ist für mich im hiesigen Amateurfußball der Mann mit den besten Kontakten, denke ich. Das zeigen auch die Transfers, die alle er eingefädelt hat, natürlich in Absprache mit mir. Jetzt soll das Team wachsen. Wir sind aus der Landesliga abgestiegen, es kamen 18 neue Spieler, dann sind wir aus der Bezirksliga abgestiegen und wieder kamen 18 neue Spieler. Da ist es dann schwierig, etwas aufzubauen. Man sieht es Giesenkirchen: Das ist eine gewachsene Mannschaft, auf und neben dem Rasen. Das ist wichtig, wenn man über sich hinauswachsen will. Und das brauchen wir. Wir sind da auf einem guten Weg und wollen ihn fortführen.

Gilt das für den gesamten Verein? Der "Spö" war die zweite Kraft im Gladbacher Fußball, dann gab es viele Jahre lang immer wieder Führungswechsel im Verein, neue Trainer, neue Spieler, Abstiege. Ist der RSV dabei, sich zu stabilisieren und hat das Zeug, um den Weg nach oben anzutreten?

Schnitzler Da bin ich mir sicher. Gegen Giesenkirchen waren 400 Zuschauer im Stadion, das ist doch klasse. Außerdem muss man sich mal anschauen, wer jetzt zu uns kommt. Spieler Ferdi Berberoglu, Tobi Kremer, Simon Sommer und die anderen wären vor Jahren nie zum RSV gekommen. Auch die Rahmen-Bedingungen sind andere: Wir haben jetzt ein Catering beim Spiel, die Kabinen sind neu - all das zeigt, dass etwas entsteht. Wir sind zudem auf dem Weg dahin, dass etwas entsteht, was in den Jahren zuvor ein Fremdwort beim RSV war: Kontinuität.

Ist der Verein wirklich bereit? Die Ansprüche sind hoch, und Spieler wie Ferdi Berberoglu wollen sicher nicht Jahre lang in der A-Liga spielen wollen. Und auch nicht zu den A-Liga-Konditionen.

Schnitzler Sicher nicht. Aber Fakt ist: Ferdi hätte auch zu einem anderen Verein gehen können, bei dem er viel mehr bekommen hätte. Aber er ist ein Ur-Rheydter, der letzte, der den Sprung in die legendäre "Spö"-Mannschaft geschafft hat. Für Ferdi ist klar: Er will bei uns helfen, etwas aufbauen. Er will mit Christian Pöstges und mir vorangehen. Was Schöneres gibt es doch gar nicht, oder?

Ihr Vertrag als Spielertrainer endet am Saisonende. Gab es erste Gespräche?

Schnitzler Wir sind ständig im Kontakt, der Vorstand und ich. Aktuell habe ich aber tatsächlich nur einen Vertrag bis zum Ende der Saison. Wir sollten schon zusehen, dass wir uns schnell an den Tisch setzen, um Klarheit zu schaffen, damit die Spieler wissen, woran sie sind. Je schneller, desto besser. Wir müssen frühzeitig die Basis schaffen. Es ist Anfang März, da sollte man anfangen, die neue Saison zu planen und die nötigen Gespräche mit Spielern zu führen.

Es gibt beim RSV den Plan, 2020 wieder in der Landesliga spielen soll. Spätestens in der übernächsten Saison müsste daher der Wechsel in die Bezirksliga klappen.

Schnitzler Der Plan bleibt weiter bestehen. Und ich glaube fest daran, dass wir den Plan einhalten können.

Kann man sogar höher denken? Derzeit spielt der FC in der Oberliga - da wo früher der RSV das Amateur-Aushängeschild der Stadt Mönchengladbach war.

Schnitzler Erst mal muss ich sagen, dass ich mich für den FC riesig freue, dass er den Aufstieg geschafft hat. Es ist für den Fußball in unserer Stadt wichtig, in dieser Liga vertreten zu sein. Aber: Wenn man die Rahmenbedingungen beim RSV sieht, mit dem altehrwürdigen Stadion zum Beispiel, ist es fast eine Schande, dass der Klub so weit vom FC entfernt ist. Der RSV müsste meines Erachtens irgendwann tatsächlich wieder höher spielen als Landesliga.

Wie viel Träumerei steckt in diesen Aussagen? Und wie viel Realismus?

Schnitzler Ich glaube, wenn man die tägliche Arbeit bei uns genau kennt, weiß man, dass es etwas weniger Träumerei ist, als man vermuten würde.

Wie weit ist die Mannschaft denn?

Schnitzler Ich glaube fest daran, dass, wenn die Mannschaft so zusammenbliebt und sich weiter einspielt, dass in der nächsten Saison kein Weg daran vorbeiführt, dass wir aufsteigen.

Was fehlt noch?

Schnitzler Wichtig wäre ein Kunstrasen. Auch bei dem Thema sind wir aber dran.

Das sind viele Baustellen. Droht da nicht die Gefahr, sich zu verzetteln?

Schnitzler Ich habe ein Trainerteam mit Lawrence Aidoo und Salvatore di Santo beisammen, das zwar noch in der Lernphase ist, aber mich trotzdem gut unterstützen kann. Auch sie können nun im Rest der Saison weiter lernen. Außerdem habe ich in Ferdi Berberoglu einen, der im Team alles zusammenhält. Daher habe ich die Möglichkeit, mich auch um andere Baustellen zu kümmern. Es muss alles geregelt werden. Es ist nicht möglich, in acht Monaten alles umzusetzen, aber: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Dass gerade Rene Schnitzler, der selbst viele Probleme hatte in seiner Karriere als Profi-Fußballer, der Baumeister des neuen RSV ist, mutet für den einen oder anderen vielleicht etwas skurril an.

Schnitzler (grinst) Das ist wohl so. Ich hatte die Phase, auf die ich nicht stolz bin, die aber trotzdem zu meinem Leben gehört. Ich habe da Mist gebaut, habe dafür aber auch meine gerechte Strafe bekommen, weil ich meine Profikarriere aufgeben musste. Ich glaube, jeder, der mich kennt, weiß, was für eine Strafe das für mich ist. Aber ich bleibe derselbe Mensch. Es war schon immer so, dass ich gern mitangepackt habe. Wie es beim RSV Früchte trägt - das zu sehen, ist das Schönste, was es gibt.

Quelle: RP
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