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Mönchengladbach
Symptome lindern und Alternativen finden

Mönchengladbach. Immer mehr Menschen sind von Allergien geplagt. Ob Pollen, Fructose oder Duftstoffe, die Liste der Allergene wird länger. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund berät Betroffene und versucht, den Geplagten das Leben zu erleichtern. Von Sigrid Blomen-Radermacher

"Nein", antwortet Andrea Wallrafen lachend auf die nicht bierernst gemeinte Frage, "ich habe keine Allergien und man muss auch keine haben, um hier zu arbeiten!" Nach einem langen, höchst informativen Gespräch mit Wallrafen, der Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB), der seine Geschäftsstelle in Mönchengladbach an der Eickesmühle hat, könnte man allerdings zu diesem Schluss kommen, geht es doch ausschließlich um Allergien: gegen Duftstoffe, Milch, Fructose, Pollen, Waschmittel - es scheint, als ließe sich diese Liste seitenweise fortsetzen.

Und sie wird unaufhörlich länger, wie Andrea Wallrafen zu berichten weiß: Da werden, um dem sich verändernden Klima Rechnung zu tragen, neue Straßenbaumarten gepflanzt, deren Allergene noch gar nicht erfasst sind, die Betroffenen aber bereits leiden lassen. Oder plötzlich tauchen Allergien gegen Olivenbäume auf. Olivenbäume mitten in Deutschland? Ja, im Berliner Stadtteil Kreuzberg beispielsweise gebe es, so Wallrafen, eine auffallende Dichte an Olivenbäume - jede Menge Stoff für neue Allergien.

In Mönchengladbach tragen 20 festangestellte Mitarbeiterinnen aus den Bereichen Ernährungswissenschaft, Chemie, Biologie und Pädagogik all diese Erkenntnisse zusammen. Sie verknüpfen sich innerhalb eines umfassenden Netzwerks, das über Deutschland hinaus geht, auch noch mit weiteren Fachleuten. Durch diese Vernetzung ist der DAAB in der Lage, in kürzester Zeit eine Antwort für Betroffene zu finden, die sich Rat suchend an den DAAB wenden. Das kann übrigens jeder über die Telefon-Hotline 02166 6478888 tun.

Mitglieder, die einen Betrag von jährlich 36 Euro zahlen, können auf vertiefende Informationen zurückgreifen.

Die Aufgaben des DAAB sind ausgesprochen vielfältig: Die Geschäftsstelle arbeitet mit Autofirmen zusammen, die eine Innenausstattung schaffen möchten, die auch für Allergiker tragbar ist. Sie beraten Hebammen, Kindertagesstätten, Bäckereien. Sie bewerten Kosmetika und verleihen, wenn die Produkte den Standards des DAAB entsprechen, ihr Label. Der Verbraucher kann dann sicher sein, dass die Rezeptur frei von bestimmten Duft-, Konservierungs-, Farbstoffen und weiteren Kontaktallergenen ist.

Und nicht zuletzt testen die Mitarbeiterinnen, manchmal auch mit angehenden Oecotrophologen von der Hochschule Niederrhein, im oft leidvollen Selbstversuch Rezepturen. Da wird am geräumigen Tisch in der gut ausgestatteten Küche gerührt, geschüttelt, gekocht und gekostet, was das Zeug hält - manchmal allerdings muss auch gespuckt werden. Es ist wirklich eine Kunst, eine wohlschmeckende Mayonnaise ohne Ei, also mit einem Ei-Ersatz herzustellen. Die kann schon mal schnell nach Kaugummi, Essig oder wie ein Heringsstipp schmecken. Oder es wird getestet, wie man ein Brot mit Hafer-, Mandel-, Sojamilch backt. Und welche Geschmacksrichtungen haben denn überhaupt Hafer-, Mandel-, Sojamilch? Antwort: nach vielem zwischen Erbse, Erde und Zucker. Und dann die Schokolade ohne Milch oder ohne Nussbestandteile. Es hört sich an wie ein spannender - und manchmal, aber auf keinen Fall immer, ungenießbarer - Arbeitsplatz. Mit dem Ziel, einer immer größer werdenden Menge von Allergie geplagten Menschen das Leben zu erleichtert. Der DAAB arbeitet unabhängig von der Industrie, daher ist er auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen. Im kommenden Jahr wird der DAAB 120 Jahre alt. Damals hieß er noch "Heufieberbund". Andrea Wallrafen ist schon mitten in den Geburtstagspartyvorbereitungen - man darf gespannt sein.

Quelle: RP
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