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Mönchengladbach
Tanz-Reise durch die Jahrhunderte

Mönchengladbach. Munter ging es zu, als "Spark" die Bühne der Kaiser-Friedrich-Halle betrat. Spark ist das englische Wort für Funke. Der soll überspringen, zwischen den Mitgliedern des Quintetts und natürlich zwischen ihnen und dem Publikum. Genau das passierte im 4. Meisterkonzert. Von Gert Holtmeyer

Das lag natürlich zunächst einmal am unkonventionellen, dabei höchst engagierten Auftreten der Musiker. Sie kommen fast ganz ohne Notenvorlagen aus, bewegen sich frei auf der Bühne und hören genau aufeinander. Es wird keine Show abgezogen. Aber es ist eine maximale Bühnenpräsenz mit ausgeklügelten Standortwechseln im Spiel.

Spark baut seine Programme nicht nach Richtungen oder Stilen auf, sondern nach Themen. Zurzeit steht Tanzmusik im Mittelpunkt, "On the dancefloor" lautet die Überschrift. Die Genres werden bunt gemischt. Dagegen spricht ja nichts. Getanzt wurde im Barock wie im Rokoko, im 19. wie im 20. Jahrhundert, in Europa wie in Nord- und Südamerika, bei Sonnen- wie bei Rotlicht, in Schlössern wie in Kaschemmen.

So waren der Klassiker Mozart und der Romantiker Reger attacca zusammengefügt. Herrlich spritzig erklangen Bachs "Badinerie" und das lateinamerikanische "Tico-Tico no Fubá". Rasant ging es zu mit "Budget Bulgar", lasziv erotisch mit Cole Porters "Begin the Beguine". Couperin und Cassadó kamen ebenso zum Zuge wiee Ravel und Minimal-Musik (Michael Nyman).

Entstand nun bei diesem bunten Mix ein willkürlich wirkendes Sammelsurium? Eben nicht. Geschickte Arrangements, mehrere davon aus der Feder der Ensemblemitglieder, schufen ebenso wie die unkonventionelle Besetzung mit zwei Blockflöten, Geige, Cello und Klavier einen charakteristischen Sound. Zu hören war ein typischer Ensemble-Stil, bei aller Abwechslung gab es eine durchgehende Linie. Dass Daniel Koschitzki, der Primus inter Pares, gelegentlich die Blockflöte mit der Melodica vertauschte, sorgte zusätzlich für Abwechslung.

Alle fünf Musiker bringen beachtliche Virtuosität mit. Das kam auch indiversen Solostücken zur Geltung, zum Beispiel in Nikolai Kapustins Konzertetüde für Klavier oder einem Intermezzo für Cello von Gaspar Cassadó.

Spark, "die klassische Band", bedankte sich für den begeisterten Beifall mit zwei stimmungssicheren Zugaben, einer osteuropäisch temperamentvollen ("Csillagok, csillagok") und einer lyrisch-melodiösen ("Kumru" von Fazil Say).

Quelle: RP
 
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