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Getöteter Säugling in Mönchengladbach
Top-Kriminalist sagt als Zeuge zu totem Baby Leo aus

Getöteter Säugling in Mönchengladbach: Top-Kriminalist sagt als Zeuge zu totem Baby Leo aus
Vor dem Haus in Eicken, in dem der kleine Leo starb, legten Menschen Kerzen und Stofftiere nieder (Archiv). FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Noch immer muss sich Leos Mutter für den qualvollen Tod ihres Säuglings vor Gericht verantworten. Laut Anklage soll die 27-Jährige nicht reagiert haben, als ihr Ehemann im Schlafzimmer nebenan das erst 19 Tage alte Kind misshandelte und tötete. Am Mittwoch wurde Kommissar Ingo Thiel befragt. Von Ingrid Krüger

Zu Prozessbeginn hatte Staatsanwalt Stefan Lingens gesagt: "Und obwohl sie das Kind schreien hörte, blieb sie im Schlafzimmer liegen und stellte sich schlafend." Deshalb waren auch in diesem Prozess Zeugenaussagen wichtig. Denn die Angeklagte war im ersten Prozess im Frühjahr 2016 wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon gekommen. Leos Vater, Pascal W., war wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Doch gegen die Mutter des ermordeten Kindes hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil aufgehoben und das Verfahren zur neuen Verhandlung ans Landgericht zurückverwiesen.

Deshalb mussten am Mittwoch erneut, diesmal vor der 5. Großen Strafkammer, Zeugen auftreten. Doch Pascal W., dessen Revision ohne Erfolg geblieben war, hatte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Er hatte sich zudem geweigert, den Gerichtssaal zu betreten. Gleichwohl hatte Leos Vater dem Gericht gestattet, sein Vernehmungsprotokoll zu verlesen. Auch dann, wenn das seiner Frau, die ihren Mädchennamen wieder angenommen hatte, schaden würde? "Ja", hatte Leos Vater geantwortet. Aus den Erklärungen des Obduzenten wurde noch einmal erkennbar, wie grausam Pascal W. den Säugling misshandelt und getötet hatte. In einer Oktobernacht 2015 soll der Vater den Kopf des schreienden Kindes auf eine harte Tischkante geschlagen und es sexuell missbraucht haben.

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Eine bedeutsame Aussage machte der Kriminalbeamte Ingo Thiel, der mit einem Kollegen an dem Oktobermorgen zum Tatort gerufen worden war. Der Zeuge stellte fest, dass die Türen zum Wohnzimmer und zum Schlafzimmer verschlossen waren. Gleichzeitig hörte er aus dem Schlafzimmer ein Gespräch des Ehepaares, das in normaler Zimmerlautstärke geführt wurde. Der Beamte erinnerte sich, alles verstanden zu haben. Bei dieser Schilderung fiel die Angeklagte im Gerichtssaal mit noch einmal gesteigerten Tränenausbrüchen auf. Bei der Polizei soll sie zugegeben haben, die Schreie des Säuglings ignoriert zu haben. Der Prozess wird am 11. Dezember fortgesetzt.

Quelle: RP