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Mönchengladbach
Zwei Brüder ziehen um

Mönchengladbach: Zwei Brüder ziehen um
Und los geht´s! Mit einem beherzten Sprung aus der Transportbox eroberte Zwergotter Ernie als erster das Gehege. FOTO: Christian Lingen
Mönchengladbach. Ernie und Bert sind Zwergotter. Seit gestern wohnen sie im Odenkirchener Tierpark in einem neuen Gehege. Vom Affenhaus ging es für die beiden auf eine große Anlage im Freien. Begleitet wurden sie dabei von vielen Kindern. Von Christian Lingen

So eine eigene Wohnung ist doch etwas Feines. Man hat Platz und kann tun und lassen, was man möchte. Aber so ganz alleine wird es irgendwann langweilig. Eine Wohngemeinschaft ist doch da richtig cool. In einer solchen leben auch Ernie und Bert. Nein, nicht die zwei Typen aus der Sesamstraße. Die sind zwar Kult, aber nichts für den Odenkirchener Tierpark. Ernie und Bert sind zwei asiatische Kurzkrallenotter, auch bekannt als Zwergotter. Die beiden Brüder sind gerade einmal ein Jahr alt und waschechte Kölner. In der Domstadt geboren, lebten sie bis Mitte Dezember im Tropenhaus des dortigen Zoos. Dann ging es ab nach Mönchengladbach. Weil die beiden es gerne warm haben und keine frische Luft kannten, zogen sie erst einmal zur Zwischenmiete ins Affenhaus. Doch roter Steinboden und schreiende Primaten als Nachbarn, das ist nicht schön. Deshalb zogen sie gestern um. Im ehemaligen Braunbärgehege, das bislang die Wasch- und Nasenbären nutzten, haben Ernie und Bert ihr neues Zuhause gefunden.

Eigentlich sollte man meinen, die beiden Zwergotter hätten es kaum erwarten können, das Affenhaus zu verlassen. Doch weit gefehlt. So richtig trauten sie dem Braten nicht, als Tierpfleger Stefan Fraundorfer mit dem Frühstück ins Gehege kam. Oder war es doch die Schar Kinder aus dem benachbarten Kindergarten, die schreiend die Morgenruhe störten? Man weiß es nicht. Ernie und Bert jedenfalls versteckten sich unter ihrer Badewanne. Und da blieben sie auch erst einmal eine ganze Weile. Doch was so ein richtiger Tierpfleger ist, der kennt ein paar Tricks. Neben der Badewanne ist nämlich der Eingang zum Keller der Gehege, den die Öffentlichkeit nicht sehen kann. Einmal durch die Türe gegriffen und schon waren Ernie und Bert eingefangen. "Die beiden kann man nicht einfach so auf den Arm nehmen. Deshalb kommen sie in eine Transportbox", sagte Tierparkleiterin Katrin Ernst.

Im Affenhaus wohnte Ernie und Bert nur zur Zwischenmiete. Gestern sind sie umgezogen ins neue Eigenheim. FOTO: Christian Lingen

In der fühlten sich Ernie und Bert plötzlich so richtig wohl und guckten neugierig durch die Gitterstäbe. Denn vom Affenhaus ging es einmal quer durch den Tierpark. Vorbei an Burenziegen, Kaninchen und Wellensittichen zog der Tross, dem sich die Kinder angeschlossen hatten. Das Ziel war das ehemalige Braunbärgehege auf der anderen Parkseite. Weil die Wasch- und Nasenbären nun im Gehege nebenan herumtoben, stand ein großes Gelände mit einem tiefen Wassergraben leer. Perfekt für die beiden Otterbrüder. Einmal quer über den Hinterhof der Anlage ging es für Ernie und Bert ins neue Zuhause. Stefan Fraundorfer stellte die Tarnsportbox auf dem Rasen ab, öffnete die Türe und dann passierte - nichts. Und zwar eine ganze Zeit lang. "Das kann jetzt bis heute Abend so weitergehen", sagte Stefan Fraundorfer etwas resigniert. Ernie und Bert hatten beschlossen, erst einmal in der Box zu bleiben. Wer weiß, was einen da draußen erwartet? Sieht ja eh alles so komisch und unbekannt aus. Nicht, dass nachher wieder so ein komischer Tierpfleger kommt und einen einfängt.

Auf Dauer wird es in einer Plastikbox in der prallen Sonne aber ganz schön heiß. Was tun? Katrin Ernst und Stefan Fraundorfer wussten Rat: Nachhelfen. Gemeinsam redeten sie auf die Brüder ein und siehe da: Mit einem beherzten Sprung schoss Ernie als erster aus der Box und raste einmal quer durch das Gehege. Und was Ernie kann, das kann Bert schon lange. Schwups, war auch der zweite Bruder aus der Box gehüpft. Hinter einem Baumstamm versteckten sie sich erst einmal. Frische Luft, blauer Himmel und ein Wassergraben sind zwar für einen Zwergotter schön, aber doch ungewohnt, wenn man es zum ersten Mal sieht.

Begleitet von Kindergartenkindern ging es per Transportbox einmal quer durch den Tierpark. FOTO: Lingen

Rund eine halbe Stunde dauerte es, bis Ernie und Bert langsam Vertrauen fassten und vorsichtig die Köpfe hinter dem Stamm hervor reckten. Doch dann ging es rund. Die Brüder fassten sich ein Herz und inspizierten jeden Winkel ihres neuen Geheges. Jetzt haben sie viel Platz, einen Sandkasten, Rasen und vor allem jede Menge Wasser. Der Sommer kann kommen.

Quelle: RP
 
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