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Moers
Bürgerradweg muss Umleitung nehmen

Moers: Bürgerradweg muss Umleitung nehmen
Am 10. Dezember 2014 starb eine 15-jährige Radfahrerin an der Holderberger Straße. Viele Menschen drückten an der Unfallstelle ihr Mitgefühl aus. Es bildete sich eine Initiative, die den zügigen Bau eines Radwegs forderte. FOTO: crei (archiv)
Moers. Das von Initiativen aus Vennikel und Holderberg angestoßene Projekt läuft gut. Allerdings sperrt sich einer der Grundeigentümer an der Holderberger Straße dagegen, Land für den Bau des Radwegs zu verkaufen. Von Josef Pogorzalek

Alles deutet darauf, dass Moers an der Holderberger Straße seinen ersten Bürgerradweg bekommt. Die Verhandlungen mit den Grundeigentümern entlang der Straße sind größtenteils gut verlaufen. Von den meisten liegen mündliche Zusagen vor. Nur ein Landbesitzer sperrt sich. Er wohnt außerhalb von Moers, seine Mutter lebt aber an der Holderberger Straße.

"Sie möchte keinen Radweg an ihrem Vorgarten", schilderte gestern Heinz-Hermann Schulte zu Sodingen das Problem. Der Ehrenvorsitzende des TV Vennikel hatte die Gespräche mit den Grundeigentümern - in der Regel Landwirte - geführt. "Er ist selbst Landwirt und kennt die Leute", sagte Ariane Muhm-Kritzen, die zusammen mit ihrem Mann Jörg Kritzen im Dezember vergangenen Jahres eine Unterschriftensammlung für den Bürgerradweg initiiert hatte.

Anlass war ein Unfall an der Holderberger Straße, bei dem eine 15 Jahre alte Radfahrerin getötet worden war. Auch in einer Online-Petition hatten Moerser den Bau des Radwegs gefordert. Insgesamt waren fast 6000 Unterschriften gesammelt und im Januar an NRW-Verkehrsminister Michael Groschek übergeben worden.

Dass an der vielbefahrenen Holderberger Straße, einer Landesstraße, ein Radweg nötig ist, haben Verkehrsplaner schon länger erkannt. Allerdings hat das Land (beziehungsweise der in diesem Punkt zuständige Regionalverband Ruhr) anderen Projekten Vorrang eingeräumt. So steht der Radweg auf der sogenannten Prioritätenliste erst auf Rang 14, was bedeutet, dass locker über zehn Jahre bis zum Bau vergehen könnten. Als "Bürgerradweg" kann er dagegen ziemlich flott realisiert werden. Hans-Gerd Decker, Niederlassungsleiter des Landesbetriebs Straßen NRW, stellte im Februar eine Fertigstellung 2017 und eine komplette Kostenübernahme in Aussicht. Das Land hält für Bürgerradwege einen eigenen Topf parat. Voraussetzung für die Förderung ist aber ein Engagement seitens der Bürger und der Stadt.

Beide arbeiten in Moers nun vorbildlich Hand in Hand. Die Bürgerinitiative hat mit den Grundstücksverhandlungen ihren Part inzwischen erfüllt. "Ab jetzt übernehmen wir" sagte gestern Thorsten Schröder, Pressesprecher der Stadt, der die Leistung der Initiative rund um Ariane Muhm-Kritzen ausdrücklich lobte. Die mündlichen Zusagen der Eigentümer müssten schriftlich fixiert werden. Zudem muss die Stadt einiges an Planungsarbeit leisten.

Nächste Woche werden an der Holderberger Straße Vermessungen stattfinden. Der Radweg soll östlich der Holderberger Straße verlaufen, und zwar von der Kaldenhausener Straße bis zur Lauersforter Straße. Die gewünschte Weiterführung bis Holderberg scheitert zunächst an der erwähnten Absage eines Landbesitzers. Wie Schröder erläuterte, wird deshalb eine "Querspange" zum nahen Grafschafter Rad- und Wanderweg erwogen, der im weiteren Verlauf Holderberg kreuzt. Ein Kompromiss, der sein muss: Aus Sicht von Straßen NRW würde ein im Nichts endender (beziehungsweise beginnender) Radweg keinen Sinn machen. Allerdings seien die Fachleute im Rathaus dabei, auch andere Varianten der Trassenführung zu prüfen.

Die Stadt habe Straßen NRW den Stand der Planung vor zwei Wochen vorgelegt und von dort positive Signale erhalten. Viele Dinge müssen aber noch abgestimmt werden, unter anderem auch, wie die Bauarbeiten organisiert werden. "Wahrscheinlich übernehmen wir komplett den Bau und Straßen NRW zahlt", sagte Schröder. Wie teuer der Bürgerradweg wird, wisse man noch nicht. Im normalen Radwegebau-Programm hatte das Land für die Holderberger Straße 527 000 Euro angesetzt.

Quelle: RP
 
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