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Neustart
Das Moers Festival ist quicklebendig

Starke Klänge beim Moers-Festival 2017
Starke Klänge beim Moers-Festival 2017 FOTO: Klaus Dieker
Moers. Mit einer Deutschland-Premiere und einer Welturaufführung ist  Montagabend die 46. Ausgabe des Moers Festivals zu Ende gegangen. Saxofonistin Ingrid Laubrock präsentierte ihre Kompositionen in der Festivalhalle. Von Anja Katzke

Fast 60 Konzerte in der City, im Schlosspark und im neu gestalteten Festivaldorf, zwölf an weiteren Spielorten wie Röhre und Bollwerk 107 und dazu 24 in der Festivalhalle am Solimare. Tim Isfort, der neue künstlerische Leiter des Moers Festivals, ging beim Neustart des Musikfestes aufs Ganze. Nie war die Grafenstadt so voller Musik wie am Pfingstwochenende.

Mehrere tausend Menschen besuchten das Festivaldorf am Solimare mit seinem bunt-heiteren Marktleben, erlebten in der immer voll besetzten Halle die Konzerte mit Musikern aus aller Welt. Saxofonistin Ingrid Laubrock bescherte dem Festival mit ihren beiden Kompositionen "Vogelfrei" und "Contemporary Chaos Practices" für Orchesterbesetzung Montag ein großes und furioses Finale. Das Engagement des neuen Festivalteams wusste auch Christoph Fleischhauer beim Bürgermeister-Empfang zu würdigen. "Vor einem Jahr waren wir in Sorge, ob das Moers Festival stattfinden könnte", erinnerte er in seiner Rede an die drohende Insolvenz der Moers Kultur GmbH und das Ringen um den Festival-Fortbestand. Beim Empfang konnte er das Gegenteil konstatieren: "Das Festival existiert nicht nur, nein: Es erstrahlt geradezu in neuem Glanz." Fleischhauer dankte den Sponsoren und Förderern dafür, dass sie "in schwierigen Zeiten zum Moers Festival standen. "Viele haben dazu beigetragen, dass es weiter bestehen kann."

Altmeister Anthony Braxton kehrte zum Moers Festival zurück, an dessen Geschichte er mitgeschrieben hatte. FOTO: Dieker Klaus

In seiner Rede sprach er dem Festival einen Marktwert zu, "der uns als Stadt auch Geld kosten darf". Man werde es mit Augenmaß begleiten, auch wenn darüber diskutiert und gestritten werde, wie viel es denn kosten dürfe. Denn die wirtschaftliche Situation wird ein Thema bleiben, erklärt der Bürgermeister: "Ich glaube, dass sie an Perspektive gewinnt." Fleischhauer lobte das große Engagement der Organisatoren, das bis zum Punkt der Selbstausbeutung und bis in die letzte Verwandtschaftsspitze gegangen sei. So habe Tim Isforts Mutter dienstags das ganze Team bekocht. In Anbetracht der Vielfalt der Musikveranstaltungen bemerkte er: "Das Festival hat sich die Stadt erneut zurückerobert."

Tim Isfort zeigte sich auf dem Empfang gerührt: "Für mich ist es ein großer Moment", erklärte er und erinnerte sich an die 1980er Jahre zurück, als er seine ersten Moers Festival-Erfahrungen in der Eishalle machte. "Wir haben hier John Zorn gesehen und haben vor Begeisterung geschrien." Mit seinem Team habe er ein komplett neues Festival aufgebaut. "Wir mussten uns viele Fragen selbst beantworten", berichtete er. Und das betraf nicht nur die verschärften Sicherheitsmaßnahmen, die das Team zusammen mit Polizei, Feuerwehr und Ordnungsbehörden umgesetzt hatte. Isfort bedankte sich auch bei vielen Moerser Firmen, die das Moers Festival unterstützt hätten, weil ihnen die Kultur am Herzen liegt. Dass die Kartenvorverkäufe bereits vor Festivalstart vergleichbar mit denen der vergangenen Jahre waren, dürften Tim Isfort erleichtert haben. 32,78 Prozent der Tickets gingen laut Veranstalter übrigens an Musikfans aus Moers und Umgebung. Exakte Zahlen über die Ticketverkäufe konnte Geschäftsführer Claus Arndt Montag nicht vorlegen, schätzte jedoch, dass bis zu 8000 Besucher an den vier Tagen in der Halle waren.

Die Swans wurden Samstagabend zum Konzert aus Barcelona eingeflogen. Die Musiker sind gerade auf Abschiedstournee. FOTO: K. Dieker
Quelle: RP
 
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