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Moers
Ehrenmal-Namen bleiben erhalten

Moers: Ehrenmal-Namen bleiben erhalten
In den grauen Nischen wurden nach Entfernung des Putzes die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Asberger sichtbar. FOTO: Stadt
Moers. Nach der Wiederentdecken von Tafeln mit den Namen von Gefallenen des Ersten Weltkrieges stellt sich die Frage, wie es jetzt mit dem geplanten Projekt eines "Platzes des Friedens" weitergehen soll. Von Jürgen Stock

Vermutlich hat Hans Reuter ein 40 Jahre altes Rätsel gelüftet. Der Inhaber des Brüggener Restaurierungsbetriebs "Die Bauwerkstatt" hatte gerade seinen Hochdruck-Wasserstrahler angeworfen, als unter der Farbe des Ehrenmals an der Römerstraße die ersten Namen zutage traten. "Überrascht hat mich das nicht wirklich", sagt er. Schon beim Abklopfen hatte ich vorher festgestellt, dass hinter der äußeren Schicht Hohlräume waren, so dass da nicht nur die reine Fassade sein konnte."

Offensichtlich war in Moers in Vergessenheit geraten, dass die in den 1920er Jahren angebrachten Namenstafeln vermutlich wegen Witterungsschäden überputzt worden waren. Lange Zeit war angenommen worden, dass die Platten in den 1970er Jahren demontiert worden und später dann bei der Einlagerung abhanden gekommen seien. Frank Eichholz ist Vorsitzender des TV Asberg und Vorstandsmitglied der Bürgergemeinschaft Asberg, die unter anderem den Erlös aus dem Oktoberfest für die Restaurierung des Ehrenmals zur Verfügung stellt.

Er glaubt nach wie vor an die Geschichte von den verschwundenen Tafeln, die als Ersatz für die jetzt entdeckten im Nachhinein angebracht worden seien. Fachmann Reuter hält es jedoch für extrem unwahrscheinlich, dass sich jemals über den jetzt entdecken Tafeln andere befunden haben. "Dann hätten wir irgendwo Klebespuren oder Bohrlöcher finden müssen."

Die Wiederentdeckung wirft nun Fragen für ein Projekt auf, das Asberger Vereine gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde vorangetrieben haben. Die Bürger hatten sich bei der Stadt erfolgreich für eine Renovierung des Denkmals und der umgebenden Grünanlage eingesetzt und zudem Geld gesammelt. Die fehlenden Namenstafeln hätten durch großformatige Fotos ersetzt werden sollen, die an Krieg und Vertreibung erinnern. Was soll jetzt aus diesem Projekt werden?

Pfarrerin Martje Mechels, eine der emsigsten Befürworterinnen des Friedensmal-Projekts will gegenwärtig nicht über eine mögliche Neubewertung der Pläne sprechen, da man sich "mitten in Gesprächen" befände. Auch die Stadt Moers verweist auf noch ausstehende Gespräche. Allerdings müssten die Tafeln wohl aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten bleiben. Offenbar ist den Verantwortlichen der Stadt nicht ganz wohl in ihrer Haut. Nach den Informationen unserer Redaktion ist der Fund dort bereits seit drei Wochen bekannt.

Frank Eichholz hat dagegen schon klare Vorstellungen. "Die Firma Reuter hat einen Teil der Namen abgepaust. Selbst an der am meisten beschädigten Tafel waren noch 95 Prozent der Namen zu lesen." Daher solle als nächstes ermittelt werden, wie viel eine Wiederherstellung der aus belgischem Schiefer gefertigten Platten kosten würde.

Die Friedensmal-Idee lässt sich aus seiner Sicht auch realisieren, wenn die Tafeln in den Nischen bleiben. So könnte man die geplanten Bilder entweder in den Boden vor dem Denkmal einlassen oder eigene Säulen oder Hinweistafeln für sie aufstellen.

Wahrscheinlich müssen nun aufgrund der neuen Sachlage auch noch einmal die Kosten neu berechnet werden. Diese wurden bislang auf 86 000 Euro veranschlagt, von denen die Stadt 81 000 Euro übernimmt. 5000 Euro sollen von den Bürgern im Stadtteil kommen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, "Namen von Gefangenen". Tatsächlich handelte es sich um Namen von Gefallenen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen. 

Quelle: RP
 
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