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Rp-Serie Die Zukunft Der Flüchtlinge
"Es ist unsere Pflicht zu helfen"

Rp-Serie Die Zukunft Der Flüchtlinge: "Es ist unsere Pflicht zu helfen"
Die Ehrenamtler tauschen sich regelmäßig über ihre Arbeit in der Flüchtlingshilfe aus: (v.l.): Clemens Hillebrand, Ursula und Roland Mocek. FOTO: Dieker
Moers. Die Bürgergemeinschaft Filder Straße bemüht sich, den Flüchtlingen Perspektiven aufzuzeigen. Das ist oft schwierig. Von Josef Pogorzalek

moers Die Wahrheit ist: Flüchtlingen ehrenamtlich zu helfen, das ist nicht nur pure Freude. Clemens Hillebrand kann davon ein Lied singen. Der 77-Jährige engagiert sich seit einigen Monaten bei der Bürgergemeinschaft Filder Straße. Rund 20 Männer und Frauen gehören dem Kreis an, der versucht, den Flüchtlinge in der Containerunterkunft an der Filder Straße zu gut wie möglich zu helfen. Vor allem junge Männer leben dort. "Sie stehen voll im Saft, viele gammeln aber vor sich hin. Andere sind frustriert und hängen auf der Bude rum", sagt Hillebrand.

Die Mitglieder der Bürgergemeinschaft engagieren sich in vielfältiger Weise. Sie geben Sprachunterricht, haben eine Fahrradwerkstatt eingerichtet, kümmern sich um Betriebspraktika, haben dafür gesorgt, dass Flüchtlinge regelmäßig auf der Anlage des GSV und des TV Kapellen Fußballspielen können. Die Bürgergemeinschaft betreut das "Café Mittendrin" in den Räumen der evangelischen Kirche Kapellen, in dem Flüchtlinge und Deutsche sich jeden Donnerstag zum Beispiel bei Spielen begegnen und kennenlernen können. "Man muss sehr viele Kontakte bemühen", sagt Roland Mocek (57), der die Bürgergemeinschaft gegründet hat. Und manchmal ist Hartnäckigkeit gefordert. Mocek erinnert sich an einen jungen Syrer mit "zerschossener" Hand, die inzwischen mehrmals operiert wurde. Bis es soweit war, sei viel Bohren beim Gesundheitsamt notwendig gewesen.

Roland Mocek fühlt sich Holderberg und Kapellen verbunden. "Ich bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen", sagt er. "Als ich hörte, dass Flüchtlinge an die Filder Straße kommen, habe ich mich gefreut." Im November 2015 gehörte Mocek zu jenen, die die ersten Ankömmlinge in der neu errichteten Containerunterkunft begrüßt haben. Und an seinem Stand für Delikatessen auf dem Moerser Markt warb er für das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe. Auch seine Frau Ursula macht mit. "Uns geht es hier so gut. Es ist unsere verdammte Pflicht, diesen Menschen zu helfen", sagt sie.

Als "besonders sozialen Menschen" sieht sich auch Clemens Hillebrand nicht. Er ist ehemaliger Berufsschullehrer und im Vorstand in der katholischen Gemeinde Kapellen engagiert. Er erinnert sich an die Containerbehausungen für Russlanddeutsche, die vor Jahren in Kapellen standen. "Die meisten Kapellener haben einen Bogen darum gemacht." Er aber nicht. Später halfen er und seine Frau Flüchtlingsfamilien aus dem Kosovo. Jetzt versucht er halt, Syrern, Afghanen oder wem auch immer, ein bisschen Deutsch beizubringen. Aber: "Sich die Sorgen der Menschen anzuhören, ist oft wichtiger als ein paar Vokabeln." Viele Flüchtlinge kommen auch mit Behördenschreiben, die sie nicht verstehen. "Viele sind hoffnungslos überfordert." Die Dankbarkeit der Menschen sei für ihn ein Geschenk.

Die Bürgergemeinschaft hatte ihre Reibereien mit dem Bunten Tisch und der Stadt. Doch heute lobt Mocek: "Wir sind den Mitarbeitern des Sozialamts dankbar für die Art und Weise, wie sie mit uns zusammenarbeiten." Die Ehrenamtler haben bei der Stadt erwirkt, dass ein Container, der an inzwischen aufgegebenen Landes-Notunterkunft in Kapellen stand, an die Filder Straße verlegt wird. "Er soll als Gemeinschaftsraum und Lernraum dienen", sagt Mocek. In den einzelnen, mehrfach belegten Zimmern, gebe es kaum Ruhe. "In diesem Umfeld ist es sehr schwer, die deutsche Sprache zu erlernen."

Vor allem aber mangle es an sozialer Betreuung für die Flüchtlinge - und zwar durch Deutsche, denn nur so könne Integration klappen. "Wir brauchen Leute für den Schulungscontainer, die mit Flüchtlingen zum Beispiel Schriftstücke lesen. Wir brauchen weitere für das ,Café Mittendrin'. Und wir brauchen Leute, die mit Flüchtlingen Fußballspielen oder joggen." Mocek würde sich auch wünschen, dass mehr Schulen Projekte mit Flüchtlingen durchführten. "Es gibt einen Wust von Arbeit und Aufgaben." Kontakt: Roland Mocek, Telefon 02841 659655

Quelle: RP
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