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Moers
Flüchtlinge sollen Friedhöfe pflegen

Moers: Flüchtlinge sollen Friedhöfe pflegen
Gräber auf dem Friedhof in Moers-Hülsdonk. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Die Enni muss bei der Pflege von Grabstätten neue Wege gehen: Bald sollen in Lohmannsheide auch Tierbestattungen möglich sein. Von Jürgen Stock

Die Moerser hadern mit dem Zustand ihrer Friedhöfe, und die Enni bekommt das zu spüren. Mal sind es Beschwerden über nicht geschnittene Hecken oder verunkrautete Wege. Dann wieder stören sich Friedhofsbesucher an überquellenden Abfallbehältern und maroden Trauerhallen. Enni-Geschäftsführer Lutz Hormes kennt die Beschwerden, und er weiß: Die meisten sind berechtigt. Deshalb holt er jetzt zum großen Befreiungsschlag aus. Gestern legte er dem Enni-Verwaltungsrat ein Konzept zur Sanierung und Umgestaltung der zehn Moerser Friedhöfe vor, dass möglichst bis Mitte nächsten Jahres diskutiert und beschlossen werden soll.

Kernstück der Vorschläge ist ein Sanierungspaket mit einem Volumen von sechs Millionen Euro. Damit sollen Trauerhallen und sanitäre Anlagen, die von der Stadt Moers über Jahrzehnte vernachlässigt worden waren, modernisiert und, wo erforderlich, zurückgebaut werden. In Utfort etwa soll die Trauerhalle abgerissen und die Trauerfeiern nach Möglichkeit in den Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde verlegt werden. Sollte das nicht möglich sein, steht auch der Neubau einer kleineren Trauerhalle zur Diskussion. In Repelen soll die Trauerhalle an den Hohen Weg verlegt werden.

Sparpotenzial sieht die Enni auch im Rückbau von Hecken und Wegen oder in der Konzentration von Grabflächen.

Da in Moers nur 61,6 Prozent der Grabflächen belegt sind, wird auch kein Sinn mehr gesehen, Erweiterungsflächen vorzuhalten. In Kapellen soll daher ein neues Wohngebiet erschlossen werden.

Gleichzeitig will die Enni auch die Chance nutzen, sich geänderten Formen der Bestattungskultur anzupassen. So soll es künftig besonders hochwertig gestaltete Urnen-Gemeinschaftsgräber geben. In Lohmannsheide soll die Möglichkeit eröffnet werden, auf 200 Grabstellen Herrchen und Frauchen gemeinsam mit dem geliebten Vierbeiner zu bestatten.

Da Hormes zudem langfristig die Lücke zwischen Gebühreneinnahmen und Kosten in Höhe von fast 300 000 Euro schließen muss, dürfte es für die Zukunft kaum ohne Gebührenerhöhungen abgehen. Deshalb denkt die Enni auch über unkonventionelle Schritte nach: "Aufgrund der positiven Erfahrungen, die wir bei dem Flüchtlingsprojekt (unter anderem mit SCI und Rotary) bei der Säuberung des Grafschafter Rad- und Wanderweges gemacht haben, werden wir prüfen, ob wir Flüchtlinge auch für die Pflege der Moerser Friedhöfe einsetzen können." Die Enni will nun das Gespräch mit Kirchen, Steinmetzen, Friedhofsgärtnern und Bestattern suchen.

www.enni.de

Quelle: RP
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