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Klingelbeutel
Glauben heißt Suchen

Moers. Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn", so formulierte es der Schriftsteller Martin Walser. Dieser Satz korrespondiert mit einem Ausspruch von Albert Camus: "Ich glaube nicht an Gott, aber ich bin kein Atheist." Mir gefallen diese Sätze. Ich spüre eine große Verwandtschaft zu meinem eigenen Glaubensverständnis. Sie sagen sich los von einem Glauben, der zugreifend ist, der in bloßer Behauptung steckenbleibt. Dieser Glaube dagegen ist noch hoffnungsgetränkt.

"Gott, du mein Gott, dich suche ich", heißt es in Psalm 63. Suchen, nicht haben und besitzen, ist das Wesen christlichen Glaubens. Am ehrlichsten geschieht das in der Form des Vermissens. Da spüre ich etwas von der Verlierbarkeit und zugleich von der großen Sehnsucht nach gelingendem Leben. Diese Verlierbarkeit setzt das Fest "Christi Himmelfahrt" in eine bildliche Erfahrung um. "Eine Wolke entzog ihn ihren Blicken" berichtet die Apostelgeschichte. Damit müssen wir bis heute leben. Nicht Haben und Besitzen, Entzug ist angesagt. Vielleicht haben die Schriftsteller diesen Punkt deutlicher in den Blick genommen, als wir in unserer geistlichen Selbstsicherheit.

Der Schriftsteller Christian Bobin wagt einen anderen Zugang zum Glauben: "Ich male auf eine dunkle Mauer einen Bogen - und gehe hindurch". Gaubenssprache ist Poesie. "Mit meinem Gott überspringe ich Mauern", beten wir. Kein Wunder, dass das Ereignis nur in Kunst und Musik sich ahnen lässt. "Singet dem Herrn ein neues Lied!" Neue Lieder braucht der Mensch, neue Sicht, Zuversicht. Die alten Worte sind verbraucht. Wir erwarten etwas Neues.

Verfestigte Strukturen sind nicht Sache des Heiligen Geistes. Er kann kommen, wenn wir ihn lassen, gewähren lassen. Ob mit Sturm und Brausen, oder aber still "im Hauch eines verschwebenden Schweigens" (Martin Buber). Wir sind nicht die Macher des Geistes. Wir müssen neu lernen: Geist können wir nur empfangen.

B. LAUER, PFARRER VON ST. BARBARA IN MEERBECK UND VON ST. LUCIA IN BAERL

Quelle: RP
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