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Moers
Graffiti verschandeln Pulverhäuschen

Moers: Graffiti verschandeln Pulverhäuschen
Das Pulverhäuschen wurde von allen Seiten beschmiert. FOTO: Lipka
Moers. Das historische Gebäude im Stadtpark muss vermutlich schon wieder komplett neu gestrichen werden. Die Polizei rät allen betroffenen Immobilienbesitzern, die Opfer von Sprayern werden, Anzeige zu erstatten. Von Jürgen Stock

Die Täter haben keine halben Sachen gemacht. Vermutlich im Schutze der Dunkelheit haben bereits in der vergangenen Woche Unbekannte das erst wenige Monate zuvor renovierte Pulverhäuschen im Schlosspark mit Graffiti beschmiert.

Die Tat geschah vermutlich in der Nacht vom 11. auf den 12. August. Das Zentale Gebäudemanagement (ZGM)der Stadt erfuhr erst gestern durch einen Anruf unserer Redaktion von dem Vorfall.

"Leider wird das Pulverhäuschen immer wieder zum Ziel solcher Schmiererattacken", sagt Alexander Horsters, Betriebsleiter beim ZGM. Das Pulverhäuschen mit seinen ebenen Flächen abseits der Wohnbenbauung sei besonders anfällig für dergleichen Attacken.

Den Schaden am Pulverhäuschen beziffert er zwar nur auf mehrere hundert Euro. Pro Jahr müsse die Stadt allerings regelmäßig eine fünfstellige Summe für die beseitigung solcher Vandalismusschäden ausgeben.

Der Kampf gegen Graffiti-Sprayer gehört inzwischen zum Alltag der ZGM-Mitarbeiter. Hausmeister an Schulen sind mit einem Anti-Graffiti-Kit ausgerüstet, um kleinere Schäden sofort beseitigen zu können. Vor einiger Zeit hatte sich eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung mit dem Phänomen auseinandergesetzt. Dabei hielten die Experten drei Strategien gegen Sprayer für erfolgversprechend.

Die erste: Die Schäden müssen so schnell wie möglich beseitigt werden, damit der Täter keine Anerkennung durch seine Gesinnungsgenossen erfahren kann. "Erfahrungsgemäß machen die das dann vielleicht noch zwei oder dreimal, aber dann ist meistens Schluss", sagt Horsters. Allerdings habe sich diese Methode beim Pulverhäuschen nicht bewährt, da immer wieder Sprayer zuschlügen.

Die zweite: Man könnte, wie an der Geschwister-Scholl-Schule, gefährdete Fassadenteile mit einer Spezialfarbe streichen, von der sich Graffiti dann leicht entfernen lassen. Nachteil: Diese Methode ist sehr teuer. Horsters: "Meist ist es billiger, einfach drüber zu streichen." Die dritte: Man bittet Künstler die Flächen zu gestalten. In den meisten Fällen hält das Sprayer ab, sich dort zu verewigen. Beispiele dafür sind die Adolf-Reichwein-Schule und die Eisenbahnunterführung an der Homberger Straße.

Doch für historische Gebäude wie das mutmaßlich aus dem 17. Jahrhundert stammende Pulverhäuschen fällt diese Methode wegen des Denkmalschutzes flach.

Doch auch das Überpinseln ist so einfach nicht: Oft verwenden die Täter sehr aggressive Farben, die nicht nur schwer zu übermalen sind, sondern auch die Bausubstanz alter Gebäude angreifen.

Die Polizei empfiehlt, jeden Fall anzuzeigen: "Oft gelingt es unseren Experten, die ,Tags' zuzuordnen, oder wir finden jemanden, der etwas beobachtet hat", sagt eine Sprecherin der Kreispolizeibehörde Wesel. Laut ZGM würden jedoch nur Halkenkreuzschmierereien standardgemäß angezeigt. "In anderen Fällen", so Horsters, "versandet das schon mal."

Für Peter Boschheidgen, Vorsitzender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins, ist die Tat schlichtweg eine "Sauerei". Er verweist auf aktuelle Pläne zur Schlossumfeldgestaltung, die das Pulverhäuschen mit einem befestigten Platz, einem weiteren Zugang und einer neuen Beleuchtung wieder stärker ins Licht rücken sollen. "Vielleicht", so hofft er, "fühlen sich dunke Gestalten dann nicht mehr so angelockt wie jetzt, da das Pulverhäuschen doch etwas abseits im Park liegt."

Quelle: RP
 
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