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Rheurdt
Kintopp wie vor hundert Jahren - ein ganz besonderer Abend

Rheurdt. Auf dem Gelände des Rheurdter Hallenbades erlebten die Zuschauer ein nostalgisches Kino-Vergnügen unter offenen Himmel. Von Ulrike Rauhut

Ein besonderes Kinoerlebnis lockt am diesem Freitagabend Menschen zwischen 8 und 88 auf die Wiese hinter dem Hallenbad. Unter den Bäumen steht dort ein Magirus Deutz Feuerwehrauto von 1969, daran befestigt eine große Leinwand. Der Kinosaal unter dem immer dunkler werdenden Himmel, über den ab und zu eine Fledermaus huscht, ist voll besetzt. In den ersten Reihen sitzen die Kinder und haben eine Tüte mit Popcorn vor sich.

Alle schauen gebannt auf das, was da von dem alten Filmprojektor auf die Leinwand geworfen wird. Doch es ist kein 3D-Actionfilm, dem die Zuschauer so konzentriert, amüsiert, fasziniert folgen. Es sind fast hundert Jahre alte Stummfilme in Schwarz-Weiß, die an die Anfänge des Kinos erinnern: Buster Keaton, Charlie Chaplin, "Dick und Doof" und die "Kleinen Strolche".

Wie vor hundert Jahren wird auch hier live Musik gemacht. Tobias Rank mit seinem Piano und Gunthart Stephan auf der Violine begleiten die Filme stimmungsvoll. Bei Liebesszenen singt die Geige romantisch. Wenn es dramatisch wird, hämmert das Klavier oder klimpert fröhlich bei lustigen Szenen. Ohne Noten, sondern improvisiert. "Immer ein bisschen anders", erklärt Stephan, der Geiger.

Ein geniales Projekt, das die beiden Leipziger Musiker da mit ihrem nostalgischen Wanderkino anbieten. Bereits seit 1999 reisen sie mit ihrem Oldtimer quer durch Deutschland und ins benachbarte Ausland. Wie sie auf die Idee kamen? "Aus Leidenschaft zu alten Dingen", erzählt Rank, der Pianist. "in Kombination mit unserer Liebe zur Musik." Am Freitag sind sie aus Kufstein in Österreich gekommen. Deshalb mussten die Rheurdter Gastgeber auch etwas bangen, ob sie es rechtzeitig bis zum Einbruch der Dunkelheit schaffen würden.

Doch Herbert Thielmann vom Vorstand der Pfadfinder und Thomas Goetzens von den Rheurdter Schwimmfreunden können erleichtert aufatmen, als der "Laster der Nacht" gegen 21 Uhr am Schwimmbad eintrifft. Viele Familien aus beiden Vereinen, die sich für diese Veranstaltung zusammengetan haben, genießen schon den Abend bei Würstchen und kalten Getränken.

Vor zwei Jahren hatten die Pfadfinder das Wanderkino zu Gast, damals im Burgerpark neben der Kirche. Thielmann ist froh, dass es diesmal in Kooperation mit den Schwimmfreunden auf dem heimeligen Gelände geklappt hat. Er war dem Wanderkino bei einem Ostseeurlaub begegnet und sofort hellauf begeistert.

Auch die anderen Gäste erliegen dem Charme der Veranstaltung an diesem Sommerabend. Petra Meyer-Wetzels meint: "Klassische Filme in besonderer Atmosphäre, dazu noch an diesem schönen Ort - das wollten wir uns nicht entgehen lassen!"

Quelle: RP
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