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Moers
Knatsch im Vorfeld des Moerser Frühlings

Moers: Knatsch im Vorfeld des Moerser Frühlings
Philippe Tenhaeff und Maurizio Straccia (r.) sind mit der Aufstellung der Pavillons an der Neustraße alles andere als zufrieden. Dabei biete die Straße genug Platz, die Stände anders zu postieren. FOTO: klaus Dieker
Moers. Geschäftsinhaber werfen dem Werbering vor, ihre Läden durch fremde Stände zu "blockieren". Wer das nicht wolle, müsse sich "freikaufen". Werberingchef Thorsten Fischer will die Stadtfeste demnächst grundsätzlich zur Diskussion stellen. Von Josef Pogorzalek

Man kann verstehen, dass Phillippe Tenhaeff sein Geschäft einer "Blockade" ausgesetzt sieht: Unmittelbar vor den Schaufenstern seines Betten-Fachgeschäfts an der Neustraße stehen während des "Moerser Frühlings" drei große Pagodenzelte. Wenig mehr als der Eingang des Geschäfts bleibt frei. Die Auslagen in den Schaufenstern werden wohl am morgigen verkaufsoffenen Sonntag wohl keine Kunden anziehen - die Auslagen sind nämlich kaum zu sehen.

Statt den Einzelhandel zu unterstützen, schade der Werbering als Organisator des Moerser Frühlings auf diese Weise den Geschäftsleuten, bedauert Tenhaeff. Das sei umso schlimmer, als die Sonntagsöffnung für ihn mit zusätzlichen Personalkosten verbunden sei. Dabei seien der Moerser Frühling und der Moerser Herbst eigentlich schöne Feste mit gutem Zulauf. "Trotz der Blockade machen wir mit", sagt Tenhaeff entschlossen.

Auch Maurizio Straccia, Chef im italienischen Restaurant "Culinario" ist nicht glücklich darüber, dass direkt an einem seiner Fenster ein Pagodenzelt steht. Was aber noch schlimmer ist: "Gegenüber wird es einen Weinausschank und eine Pasta-Küche geben." Ausgerechnet vor seinem Restaurant! Dass schon seit Donnerstagabend dicke Kabelstränge für Stolperfallen in der Fußgängerzone sorgen, sei auch keine organisatorische Meisterleistung, findet Straccia. Auch in anderen Städten ist Straccia geschäftlich unterwegs. Auch dort gebe es Feste. "Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt."

Tenhaeff und Straccia fühlen sich "bestraft": Geschäftsleute, die keine Stände vor ihren Läden haben wollen, müssen Geld an den Werbering überweisen (7,50 Euro pro laufenden Meter für Mitglieder, sonst 17,50 Euro, plus jeweils ein "Werbekostenzuschuss" von 50 Euro, alle Abgaben zuzüglich Mehrwertsteuer). Wer nicht zahlt oder eigene Aktionen vor dem Geschäft auf die Beine bringt, riskiert "zugebaut" zu werden.

Ärger scheint zum Bestandteil der Moerser Stadtfeste zu werden. Schon im vergangenen Jahr waren die Wogen hochgeschlagen. Damals hatte der Werbering erstmals die Düsseldorfer Agentur Orion für die Organisation des Moerser Frühlings an Bord geholt. Schausteller beschwerten sich über drastisch gestiegene Standgelder. Zudem wurde behauptet, dass Orion lieber "eigene Leute" von außerhalb mitbringe, statt hiesigen Unternehmern eine Chance zu geben.

Mit Orion habe der erneute Knatsch nicht zu tun, versichert der Werbering-Vorsitzende Thorsten Fischer. Es sei seit Jahren üblich, dass sich Geschäfte "freikaufen" können. Hintergrund sei, dass über die Vermietung von Standflächen die Nebenkosten für die Organisation gedeckt werden. "Das sind rund 20.000 Euro", sagt Fischer. Geschäftsinhaber würden frühzeitig angeschrieben und gefragt, ob sie sich am Moerser Frühling beteiligen, am Sonntag öffen und eigene Aktionen vor dem Geschäft planten. Gut drei Viertel der Geschäfte wollen morgen öffnen, sagt Fischer. Eigene Aktionen planten leider die wenigsten. "Dabei macht das eigentlich das Flair eines Stadtfests aus: dass Geschäfte selbst etwas machen."

Dass die kritisierten Stände teils so nah an den Schaufenstern stehen, habe brandschutztechnische Gründe, erklärt Fischer. Zwischen den Ständen müsse soviel Platz bleiben, dass Retter im Notfall mit dem Löschwagen anrücken können. Die Feuerwehr prüfe die Aufstellung. "Wenn die Stände nur zehn Zentimeter über der vorgeschriebenen Linie stehen, müssen wir sie zurücksetzen."

Thorsten Fischer will im Oktober als Chef des Werberings aus beruflichen Gründen abtreten. Vorher möchte er die Stadtfeste und verkaufsoffenen Sonntage grundsätzlich zur Diskussion stellen. Für Anfang Mai sei eine Versammlung anberaumt, bei der die Werbering-Mitglieder sagen sollen, was ihnen nicht passt und wie es künftig weitergehen soll.

Quelle: RP
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