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Moers
Radfahren gegen die Depression

Moers: Radfahren gegen die Depression
Sebastian Burger, Doris Schulten, Paula Pukka, Dietmar Reinberger, Lisa Meyer, Bettie de Vries machten Stopp am Altmarkt. FOTO: Dieker
Moers. Dietmar Reinberger spricht offen über seine Krankheit - das Ziel der Mut-Tour, die am Sonntag in Moers Halt machte. Von Peter Gottschlich

Dietmar Reinberger hat Mut, über seine Krankheit zu sprechen. "Jeder sechste leidet an einer Depression", sagt er, während er am Samstagnachmittag auf dem Altmarkt steht. "Rund 300 Menschen sitzen hier in Cafés". Nach seiner Rechnung also 50 mit Depression. Wenn jemand herumgehen und fragen würde, würde ihr das wahrscheinlich niemand bestätigen. Dabei ist eine Depression eine ganz normale Krankheit. Gleichzeitig gibt es Vorurteile. So spricht fast niemand darüber."

Aber der 64-Jährige spricht darüber - in der Öffentlichkeit. Er ist in Repelen aufgewachsen, besuchte das Adolfinum in Moers und studierte Sozialpädagogik in Essen, um dann bei der Duisburger Diakonie zu arbeiten. "Mit Mitte 20 habe ich die Depression bemerkt", erzählt der Sozialpädagoge. "Ich wollte bei der Arbeit perfekt sein. Das war manisch. Ich habe gegrübelt und gegrübelt. Ich kam aus meiner Gedankenschleife nicht mehr heraus. Ich war gefangen in mir selbst."

Er litt unter Antriebslosigkeit und Schlafproblemen. "Für meine Frau war das keine einfache Zeit", blickt der Familienvater zurück. Zunächst versuchte er sich selbst zu helfen, wie die meisten Menschen, die an Depressionen leiden, weshalb die Dunkelziffer hoch ist und der Anteil der Depressiven in Statistiken stark zwischen 8,3 und 16,0 Prozent schwankt.

Dann entschied er sich, eine Psychotherapie zu beginnen und Medikamente zu nehmen. Er entwickelte seine eigene Strategie. "Ich gehe gerne spazieren, was ich als Hundehalter sowieso muss", berichtet der heutige Duisburger. "Da komme ich auf andere Gedanken, wie beim Fahrradfahren."

Um die Schattenkrankheit aus dem Dunkeln zu holen, die vor allem durch ein Mix aus Genetik und Umwelteinflüssen verursacht ist, trat er dem Duisburger Bündnis gegen Depression bei, um heute dessen Vorsitzender zu sein. Aus dem gleichen Grund fährt er seit Montag letzter Woche bei der Mut-Tour mit. Er startete mit dem Fahrrad in Bremen, wie seine Mitfahrer Doris Schulten aus Berlin, Paula Pukka aus Oberhausen, Sebastian Burger aus Bremen, Lisa Meyer aus Berlin und Betti de Vries aus Hannover.

"Die Perspektive ist, einmal in einer Gesellschaft zu leben, in der betroffene und nichtbetroffene Personen angst- und schamfrei mit psychischen Erkrankungen umgehen können", sagt Sebastian Burger. Er organisierte diese Tour der Deutschen Rheumaliga mit, die von der Gesundheitskasse Barmer sowie der Deutschen Rentenversicherung unterstützt wird.

Jeden Tag fahren die sieben Radler 50 bis 60 Kilometer. Sie übernachten in Zelten, Klöstern oder anderen Unterkünften. Sie legen täglich mehrere Stationen ein, um mit den örtlichen Medienvertretern zu sprechen. Über Koblenz, Wiesbaden, Stuttgart, Augsburg und Erlangen geht es nach Leipzig. Dort treffen sie mit den Teilnehmern der drei Mut-Touren zusammen, die parallel zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Kajak unterwegs sind.

Sie werden in der Messestadt Teil eines Patientenkongresses sein. "Es kommen 4000 Betroffene und ihre Angehörigen", erzählt Dietmar Reinberger. Schirmherr ist Harald Schmidt. Der Kabarettist ist auch Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Er kennt sich so gut mit der Krankheit aus, wie es ein Außenstehender eigentlich nicht kann.

Quelle: RP
 
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