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Rheurdt
Teures Abwasser

Rheurdt. Der Wechsel vom Niers-Verband zur Lineg kann die Rheurdter Bürger viel Geld kosten. Aufgrund unterschiedlicher Berechnungen kann die Abwassergebühr um 30 Prozent steigen. Die Politik vertagte die Entscheidung. Von Timo Steppat

Am Ende zeichnete sich in den Gesichtern der Ausschussmitglieder eine gewisse Ratlosigkeit ab. Was auch ohne Beschluss klar war: Rheurdt braucht eine neue Abwasserlösung – und die könnte für die Bürger ganz schön teuer werden. Bisher wird das Abwasser aus der Gemeinde zu den Kläranlagen in den Ortsteilen Rheurdt und Schaephuysen gepumpt. Diese wurden vom Niersverband betrieben. "Eigentlich ist aber die Lineg für uns zuständig", erklärte Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen bei seiner Einführung in das Thema.

Bisher von Gladbach profitiert

Der große Unterschied zwischen der Lineg und dem Niersverband: Die Lineg rechnet die Abwasserkosten "spitz" ab, das bedeutet, der Kommune werden der Wasserqualität und dem Reinigungsaufwand entsprechend die Kosten in Rechnung gestellt. Der Niersverband dagegen legt diese nach dem Genossenschaftsprinzip auf die kommunalen Mitglieder des Verbands um.

Rheurdt profitiert derzeit noch von großen Kläranlagen wie in Mönchengladbach, die deutlich günstiger arbeiten und die die bereits jetzt bestehenden Mehrkosten des Ökodorfs mittragen. Derzeit bezahlt man in Rheurdt 90 Cent pro Kubikmeter Abwasser. Ein Fortbestand der Kläranlagen in ihrem derzeitigen Zustand ist nicht möglich, so das Urteil von Lineg-Mitarbeiter Peter Birken. "Die Wasserqualität im angrenzenden Fluss ist ausgesprochen schlecht", so Birken. Die Rheurdter Kläranlagen seien in diesem Zusammenhang "auffällig".

Die Lineg präsentierte dem Ausschuss vier mögliche Konzepte für Rheurdts Abwasserproblem. Würden beide Kläranlagen auf den neusten Stand gebracht, würde dies zu Kosten von drei bis vier Euro pro Kubikmeter Abwasser führen. Konzept zwei sieht vor, nur eines der Klärwerke auszubauen, was Kosten von knapp drei Euro mit sich bringt. Die Empfehlung der Lineg: Rheurdt sollte wie bereits Neukirchen-Vluyn das Wasser mithilfe von Pumpanlagen nach Rheinhausen transportieren. Die eigentliche Reinigung des Wassers würde in diesem Fall etwa 57 Cent kosten, allerdings entfielen bei diesem Modell 65 Cent auf den Transport.

"Wie sollen wir dem Bürger verständlich machen, dass der Preis für das Abwasser um 30 Prozent steigt?", fragte ein Ausschussmitglied. "Volkswirtschaftlich betrachtet ist diese Lösung die beste", erklärte Dr. Wolfgang Kühn, ebenfalls von der Lineg. Profitieren würde auch Neukirchen-Vluyn: Die bereits bestehenden Pumpanlagen würden von den Rheurdtern mitgenutzt und der Preis für den Kubikmeter Abwasser würde sinken. "Dass Rheurdt sich weiter von Mönchengladbach subventionieren lässt, ist keine Option", so Kühn.

Was im Unklaren blieb: Wieso will die Lineg Rheurdt ausgerechnet jetzt "übernehmen"? Jahrzehntelang sei schließlich der Niersverband für Rheurdt zuständig gewesen, merkte Ausschussvorsitzender Hans-Rainer Tabke (CDU) an. Eine Entscheidung fiel nicht. Zur nächsten Ausschusssitzung will man einen Vertreter des Niersverbandes einladen.

Quelle: RP
 
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