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Nettetal
Höfe konnten die Besucher kaum fassen

Nettetal: Höfe konnten die Besucher kaum fassen
Die Tomaten von Karl Brunen (links) lockten ganz besonders viele Besucher an. Sie staunten über den Maschinenpark von Lothar Dellen in Hinsbeck und streiften durchs Rosenhaus von Hans-Willi Heinen. FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)
Nettetal. Fünf landwirtschaftliche Betriebe öffneten am Sonntag ihre Hoftore für Besucher. Einige Tausend Menschen radelten von Tomaten- und Rosengärtnereien zu Milchbauern und weiter zum Maschinenpark eines Lohnunternehmers. Von Inge von den Bruck

Einen ungeahnten Erfolg hatte das Experiment "Höfetour", das die Kreisbauernschaft am Sonntag in Nettetal wagte. Mehrere Tausend (!) Besucher kamen vorwiegend auf Fahrrädern, es standen aber auch sehr viele Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen an den Höfen. Fünf Betriebe öffneten ihre Türen, damit Verbraucher die heutige Landwirtschaft kennenlernten.

Welche Technik gibt es, wie werden Arbeiten verrichtet, wie werden Kühe gehalten? Vom Ausmisten des Stalls mit der Gabel ist Vergangenheit, und der Spaltboden, durch den Mist und Gülle in ein Silo fallen, ist bei Hermann-Josef Thönes in Schlibeck auch bald Historie. "Die Decke im Stall ist so isoliert, dass die Hitze draußen bleibt", erklärte Thönes. Seitenwände sucht man vergebens. Kühe fühlen sich bei sieben bis 15 Grad ganz wohl. In den neuen Ställen gibt es einen planbefestigten Boden, durch ein Schiebesystem wird er gereinigt. In Funktionsbereichen finden Kühen optimale Liege-, Auslauf- und Fressbereiche.

Auch Jung-Landwirt Jan Wolfers aus Lobberich-Bocholt zeigt gerne, wie gut es Kühe bei ihm haben. Nach jedem Melken werden die Zitzen desinfiziert, ebenso der Stall. An Bürsten befreien sich die Tiere selbst von Parasiten, die Liegeboxen sind mit einer regelmäßig desinfizierten Matratze ausgestattet. "Das ist ja wie in einem First-Class Hotel", sagt ein Gast. Er hat sich den Kuhstall und die Haltung der Milchkühe ganz anders vorgestellt. Genau darauf kommt es den Landwirten an. Die Betriebe wollen zeigen, wie Landwirtschaft heute betrieben wird.

Rosenproduzent Hans-Willi Heinen öffnet seinen Betrieb in Leuth. "Ich bin mehr Techniker als Gärtner", sagt er den vielen Besuchern und demonstriert die Sortier- und Bündelmaschine. Mitarbeiter stellen die Rosen einzeln in eine Halterung, die Maschine bündelt und sortiert sie automatisch. "Die sieht aber gut aus, ist die Anlage neu", stellt ein Besucher fest. Irrtum. 15 Jahre alt ist sie schon, erläutert Heinen. Die Maschine wird einmal im Jahr von vier Mitarbeitern gereinigt. Zwei große Wassertanks sorgen dafür, dass die Rosen automatisch getränkt werden. Vorher wird dem Wasser ein abgewogener Mineraldünger zugefügt, "Chemie gibt es bei uns nicht", betont Heinen. Er verrät den Besuchern auch, wie hoch die Lizenz-Gebühr für jede einzelne Rosen-Sorte ist, wo der Einkaufspreis liegt und wie viele Rosen aus einem Trieb gewonnen werden können. Auf 13 200 Quadratmetern stehen Schnittrosen in acht verschieden Sorten, sowie auf weiteren 1000 Quadratmetern zusätzlich Schnitthortensien in drei verschiedenen Sorten unter Glas.

Den Betrieb führen Hans-Willi Heinen und Sohn Marco in dritter Generation als GbR. Er war anfangs ein reiner Gemüsebetrieb, der sich ab 1971 auf Rosen spezialisierte. Die gesamte Familie packt an, außerdem gibt es einen fest angestellten sowie vier Saisonarbeiter. Stolz präsentiert Hans-Willy Heinen die "Soraya-Rose", die erst seit Anfang Mai in seinen Treibhäusern blüht. Absätzmärkte sind Herongen, Naaldwijk und Rijnsburg. Die Direktvermarktung findet im Hofladen, den überwiegend Käthe Heinen und Schwiegertochter Michaela führen.

Einen ganz anderen landwirtschaftlichen Betrieb lernen die Besucher bei Lohnunternehmer Dellen in Hinsbeck kennen. Er hält von der Aussaat bis zur Ernte alle landwirtschaftlichen Geräte bereit. Die Treckerfreunde Hinsbeck präsentieren bei ihm alte Zugmaschinen, die viel Anklang finden. Viel Aufsehen erregen die GPS-gesteuerten Maschinen, die wie Kolosse auf dem Gelände in Haak stehen.

"Unsere Maschinen müssen optimal eingesetzt werden, für die Ernte bleibt wegen der Wetterbedingungen manchmal nicht viel Zeit", erläutert Fachargrarwirt Lothar Dellen. "Wir sparen durch den Einsatz von GPS-gesteuerten Maschinen keine Menschen ein, sondern wir optimieren Arbeit, indem wir keine Zeit verschwenden", sagt er.

Bei Tomatenanbauer Brunen in Leuth ist der Andrang kaum zu fassen. Dass im Treibhaus mehr als 60 000 Tomatenpflanzen stehen, können manche Gäste kaum glauben. Sie testen, welche Tomaten am besten schmecken. Angeboten werden auch Pizzen mit unterschiedlichen Tomaten. Die Interessenten erfahren mehr über das Substrat, in dem die Tomaten in verschieden Becken wachsen. Darüber, dass Schädlinge ausschließlich über den Einsatz biologischer "Helfer" bekämpft werden, klärt der Tomatenbauer auch auf.

Für die Landwirte und viele Mitarbeiter war die Höfetour eine große Herausforderung. Neben dem Rahmenprogramm, das mit Hüpfburgen und Trampolinen auch kleine Gäste ansprach, verwöhnten sie Gäste mit ihren Produkten.

Quelle: RP
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