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Nettetal
Kinder probieren das Leben im Rollstuhl aus

Nettetal. Kinder in Rollstühlen sind längst keine Ausnahme mehr in Regelschulen. Für viele Kinder ist es normal, dass sie von anderen Kindern mit einer Beeinträchtigung umgeben sind. Etwas anderes aber ist es zu erfahren, wie es so ist, wenn man behindert ist. Von Inge von den Bruck

Kinder der Klasse 4c in der katholischen Grundschule am See haben kürzlich im Sachkundeunterricht ein Experiment gewagt. Morgens um acht Uhr, zu Schulbeginn, kam Physiotherapeut Michael Weber vom Gesundheitszentrum Nette-Vital mit elf Rollstühlen zur Schule und zur Klasse. Lange herumgeredet wurde nicht, vielmehr nahm die eine Hälfte der Kinder in den Rollstühlen Platz, die anderen mimten Fußgänger. Referendarin Andrea van Boom hatte den Begriff Inklusion in den Sachkundeunterricht gesetzt. "Inklusion ist ein Schlagwort für etwas eigentlich Selbstverständliches, nämlich das Wertschätzen jedes einzelnen in seiner Individualität, mit allen Schwächen und Stärken", erklärte sie den Kindern. Sie hat die Inklusion zum Abschluss ihrer Ausbildung gewählt.

Beim "Selbsterfahrungstag" sollte sich die Klasse damit auseinandersetzen. "Ein Schritt zum respektvollen und friedlichen Miteinander ist es, eigene Erfahrungen zu machen", erklärte Andrea van Boom. Es sei wichtig, die Vielfalt der Menschen schätzen zu lernen. Weber leitete, unterstützt von Mitarbeitern des Reha-Team West, die Kinder beim Umgang mit den Rollstühlen an. Er erläuterte ihnen, wie sie eine Hürde auf der Straße im Rollstuhl überwinden könnten.

Später wagten die Kinder sich auch vom Schulhof weg in die Innenstadt. Dabei lernten sie beispielsweise, dass die Annahme einer Eiswaffel an der großen Theke einer Eisdiele gar nicht so nicht einfach ist. Auch das Öffnen einer Aufzugtür klappte ohne fremde Hilfe nur äußerst schlecht. Den Kindern wurde bewusst, wie viele Hindernisse Menschen begegnen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind.

Auch in der Schule gibt es Barrieren. Immerhin hat sie Rampen anbringen lassen, um den Zugang zu erleichtern. Die Kinder lernten besonders viel im Austausch mit einem gelähmten Menschen. Ihre Gesprächspartnerin war durch einen Autounfall plötzlich querschnittsgelähmt. Sie erzählte von ihrem Leben im Rollstuhl und beantwortete viele Fragen. Für die Kinder brachte der Tag eine Menge an neuen Erfahrungen und vor allem Verständnis. Das Experiment habe sich gelohnt, meinten Andrea van Boom und Michael Weber.

Quelle: RP
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