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Nettetal
Wie einst die Armen wohnten

Nettetal: Wie einst die Armen wohnten
Die Miertz-Kate ist von außen fertig, im Inneren gibt es aber noch eine Menge zu tun. FOTO: treffer
Nettetal. Das Niederrheinische Freilichtmuseum in Grefrath hat ein neues Gebäude. Die Miertz-Kate wurde mithilfe des Nettetaler Vereins "Kindertraum" komplett neu aufgebaut. Jetzt hat man mit der Innenausstattung begonnen. Von Bianca Treffer

Wer das Foto auf der Infotafel mit dem Gebäude vergleicht, das direkt daneben steht, der wird feststellen, dass es genauso aussieht. Die Miertz-Kate, an der im Niederrheinischen Freilichtmuseum seit Monaten gearbeitet wurde, ist an ihrem Standort zwischen der Hofanlage Hagen und der Kornbrennerei fertig aufgebaut. Was bislang nur als Foto zu bewundern war, ist Realität geworden.

Viele Museumsbesucher verfolgten die Bauphase mit Spannung, denn das Häuschen, das einst an der Grefrather Landstraße in Wankum stand, wurde nicht einfach aufgebaut. Vielmehr war es ein Prozess, bei dem der Maurermeister und geprüfte Restaurator im Maurerhandwerk, Antonius Kiwall, gemeinsam mit Behinderten mit Hilfe alter historischer Werkzeuge die Kate auferstehen ließ. Der Aufbau der Kate ist ein gemeinsames Projekt des Kreises Viersen, des Nettetaler Vereins "Kindertraum" und des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ). "Kindertraum" fördert die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in Schule, Ausbildung und Beruf. Das HPZ bietet Betreuungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung an. Stück für Stück konnten die Besucher den Aufbau nachvollziehen und alte Handwerkstechniken kennenlernen.

Dabei kamen die ursprünglichen Baustoffe zum Einsatz, nur schadhaftes Material wurde ausgetauscht. Das Fachwerk wurde ausgemauert, außen weiß gekalkt und innen mit einem Lehmputz versehen. Die alten Dachpfannen nahmen ihre Funktion wieder auf. "Lediglich ein Fenster mussten wir komplett erneuern", berichtet Museumspädagoge und stellvertretender Leiter Kevin Gröwig. Von außen kann der Museumszuwachs nun angeschaut werden, aber hinein geht es noch nicht. "Wir gehen aktuell an die Innengestaltung, wobei wir auf viele Dinge aus unserem Fundus zurückgreifen können, die ihren zukünftigen Platz in der Kate finden werden", berichtet Museumsleiterin Anke Wielebski. Wann es zur offiziellen Eröffnung des neuen Gebäudes kommt, ist noch nicht absehbar. Die Kate ist dem Museum sehr wichtig, denn sie füllt eine bislang bestehende geschichtliche Lücke. Mit ihr kann nun verdeutlicht werden, wie die Tagelöhner und Landarbeiter in der Vergangenheit am Niederrhein lebten. "Armut auf dem Lande" ist so der Titel der Ausstellung, die das Haus zukünftig beherbergen wird.

Das Miertz-Häuschen selber taucht erstmalig 1844 im Urkataster auf. Wobei die Vermutung nahe liegt, dass sie zuvor schon an einer anderen Stelle gestanden hat, dort abgetragen und wieder aufgebaut wurde. Das Ständerwerk nahm man in früheren Zeiten mit, besserte es aus und schloss die Ausfachungen wieder. "Wir haben in dem Gebäude einen senkrecht eingebauten Balken gefunden, der einst ein Giebelbalken gewesen sein muss, da die Jahreszahl 1726 darauf steht", informiert die Museumsleiterin.

Das Haus selber ist eine eingeschossige Bauernkate mit einer Küche samt Feuerstelle, einen Wohnraum und zwei kleinen Kammern. Im 19. und 20. Jahrhundert kam es zu Erweiterungen und Anbauten. Darunter sind eine Latrine und ein Schweinestall. An der Grefrather Straße stand sie bis zu ihrem Abbau durch das Freilichtmuseum im Jahr 2011. Das Museum erhielt die Kate als Schenkung. Noch bis 1981 war die Kate bewohnt. Aus alten Standesamtsunterlagen geht hervor, dass die Familie Miertz seit Ende des 19. Jahrhunderts in dem Haus wohnte. Die 1905 geborene Maria Margaretha lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1981 dort. Das Haus besaß keinen Stromanschluss, erst in den 60er-Jahren erfolgte ein Anschluss an die Wasserversorgung. Geheizt wurde mit einem Ofen, Licht brachten Kerzen und Petroleumlampen. 1985 wurde die Kate unter Denkmalschutz gestellt.

Quelle: RP
 
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