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Neuss
Bäume auf dem Deich werden gefällt

Neuss. In Lücken in der Kastanienallee werden keine neuen Bäume mehr gepflanzt. Von Christoph Kleinau

Wer unter Bäumen auf einem Deich am Rhein spazieren gehen möchte, kann das fast nur noch in Neuss tun. Denn die Kastanien, die zwischen Hammer Eisenbahnbrücke und Sporthafen eine Allee bilden, genießen Bestandsschutz, während sonst ein generelles Pflanzverbot auf solchen Schutzanlagen besteht. Doch auch die Neusser Idylle ist bedroht.

Bei einer allgemeinen Baumkontrolle wurden jetzt nicht weniger als neun Bäume als unrettbar krank ausgemacht. "Die Bäume sind so krank, dass eine Fällung unumgänglich ist", heißt es aus dem Rathaus. Die entsprechenden Baumgutachten lägen vor, eine Fällgenehmigung werde derzeit beim Rhein-Kreis eingeholt. Sobald diese vorliegt, kreist die Axt.

Während bei anderen derartigen Eingriffen von Nachpflanzungen die Rede ist, scheidet das auf dem Deich aus. Grund dafür ist nach Angaben von Michael Kloppenburg, dem Leiter des Presseamtes der Stadt, die Standfestigkeit des Deiches. Gerade die großen Bäume auf der Deichkrone würden in besonderer Weise das Landschaftsbild prägen, sagt er, aber die Anweisungen zum Hochwasserschutz seien eindeutig. Nicht zuletzt weil Pfingststurm "Ela" vor zwei Jahren auf Düsseldorfer Seite einige Bäume auf solchen Schutzanlagen umgeworfen hatte, gelte nun ein Nachpflanzverbot. "Es müssen sogar die Wurzelstubben ausgefräst werden", sagt Kloppenburg. Danach muss der Deich mit einem Lehmgemisch neu abgedichtet werden.

Schon vor Jahren hatte die Stadt die Frage untersuchen lassen, ob und wie umstürzende Bäume den Deichkörper schwächen können. Bei einem mechanischen "Zugversuch" zur Standfestigkeit war damals festgestellt worden, dass gerade die Kastanien einen Wurzelfilz bilden, der sich in besonderer Weise im Deich verankert. Für die alten Bäume konnte daher ein Bestandsschutz ausgesprochen werden. Werden sie aber krank, sterben sie sozusagen ohne Nachkommen.

Dass aus herabfallenden Kastanien neue Bäume wachsen, ist schon jetzt ausgeschlossen. Werden bei den Deichschauen, die zweimal jährlich mit Vertretern der Bezirksregierung unternommen werden, solche Sämlinge angetroffen, müssen sie sofort ausgerodet werden. Die Allee wird es also irgendwann nicht mehr geben.

Quelle: NGZ
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