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Markus Andrae
"Beim Baumschmuck bin ich Purist"

Neuss. Bei "Zimt und Zunder" setzt sich der Leiter des Theaters am Schlachthof satirisch mit Weihnachten auseinander. Ein Gespräch übers Fest.

Herr Andrae, "Zimt und "Zunder" ist auch in diesem Jahr wieder schnell ausverkauft gewesen, erstmals haben Sie sogar einen Zusatztermin organisiert. Warum ist Weihnachten ein Thema für die (satirische) Bühne?

Markus ANdrae Weihnachten gehört zu den Festen, die uns am meisten beschäftigen. Und genau deshalb hat es auch eine Berechtigung auf der Bühne. Bei "Zimt und Zunder" setzen wir uns literarisch mit einem Augenzwinkern mit Weihnachten und den amüsanten Geschichten rund ums Fest auseinander.

Über welche Geschichten lachen Ihre Gäste denn am meisten?

Andrae Ganz klar über die Familiengeschichten, wenn über den Baumschmuck gestritten wird, oder die Geschenke nicht stimmen und das Essen völlig misslungen ist. Es gilt: Je höher der Identifikationsfaktor, desto mehr Spaß hat das Publikum an den Geschichten. Und der Faktor ist allgemein hoch. Denn die einzigen, die in der Weihnachtszeit keinen Stress haben, sind ja Kinder. Jugendliche und junge Erwachsene haben keine Lust auf das Fest mit der Familie, und junge Familien erfreuen sich nur so lange am Fest, bis die Kinder groß sind und dann keine Lust mehr auf Weihnachten haben.

Sie lesen jedes Jahr neue Texte vor, die Sie ab dem Sommer auswählen - haben Sie eine Lieblingsgeschichte?

Andrae In diesem Jahr gefällt mir die Geschichte des Kabarettisten Matthias Reuter besonders gut. Darin möchte eine Großmutter ihrer Familie eine 300 Tonnen schwere Marmorstatue von sich schenken, damit sich diese an sie erinnern kann, sollte sie einmal in ein Pflegeheim kommen. Die Figur ist in einer Kiste aufbewahrt, und weil niemand sie haben möchte, wird die Großmutter niemals im Pflegeheim untergebracht. Am Ende stellt sich heraus, dass die Kiste leer ist.

Wie ist das denn bei Ihnen: Ist Ihr Weihnachten mehr Zimt oder mehr Zunder?

Andrae Keines von beidem. Bei mir zu Hause ist es immer ziemlich ruhig an Weihnachten mit einer Feier im engsten Familienkreis. Den Zunder habe ich hinter mir, und der Zimt liegt noch vor mir, denke ich.

Welchen Zunder?

Andrae Als Kind fand ich Weihnachten ganz schrecklich. Ich komme aus Norddeutschland und habe in einem Jugendchor gesungen und musste immer an Heiligabend in der Kirche auftreten. Das war ein Riesenstress: Zunächst hat der Gottesdienst ewig gedauert. Dann standen wir, weil die Kirche im Stadtzentrum lag, auf dem Rückweg immer im Stau, während der Braten im Backofen vor sich hin brutzelte. Die eine Großmutter aus Lübeck hat sich verspätet, die aus Cuxhaven war aber schon da und wurde ungeduldig. Ich fand es schrecklich.

Klingt ein wenig so wie die Geschichten, die Sie bei "Zimt und Zunder" vorlesen.

Andrae Allerdings. Aber persönliche Weihnachtserlebnisse fließen in unser Programm nicht ein, weil "Zimt und Zunder" ja eine Lesung literarischer Werke ist.

Bei Weihnachtspannen muss man ja auch immer ein bisschen an Familie Hoppenstedt denken. Könnte ihre Geschichte auch einmal in Ihr Programm einfließen?

Andrae Leider nein, denn wir sind ja nur zu zweit und bei Familie Hoppenstedt sind viel mehr Akteure involviert. Aber ich finde "Weihnachten bei den Hoppenstedts" absolut großartig. Das würde aber auch als Lesung nicht funktionieren, das müsste man richtig inszenieren.

War denn früher mehr Lametta?

Andrae Tja, was soll ich sagen: Wie man seinen Baum zu Weihnachten schmückt, das hat ja auch immer ein wenig damit zu tun, wie man aufgewachsen ist. In Norddeutschland ist der Weihnachtsschmuck meist sehr natürlich mit Strohsternen und Holzschmuck aus Skandinavien. Lametta dagegen war bei uns zu Hause regelrecht verpönt. Und das ist bei mir noch immer so: Beim Baumschmuck bin ich Purist.

Würden Sie sagen, dass das Weihnachtsfest das wichtigste Fest des Jahres ist?

Andrae Das denke ich nicht. Aber es ist ein sehr wichtiges Fest für unsere Gesellschaft - und das nicht nur unter religiösen Aspekten. Weihnachten ist eine Zäsur im Jahr und eine Bremse im Wahnsinn unseres Jahresablaufs. Und Weihnachten bringt stets ein wenig Hoffnung in unsere Welt, und die können wir gerade jetzt besonders gut gebrauchen, denke ich.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten am Weihnachtsfest?

Andrae Das klingt jetzt pathetisch, aber ich finde es immer schön, dass Weihnachten die Menschen dazu bringt, etwas für andere zu tun; sei es, ein Geschenk für ein Kind, das sonst keine Geschenke bekommt, zu besorgen, oder Senioren im Altersheim zu besuchen und mit ihnen einfach nur ein paar Lieder zu singen.

LAURA IHME FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
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