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Neusser Kirmes 2016
Raupe, Entchen, Lukas - Nostalgie pur

Neuss Kirmes 2016: Nostalgie: Raupe, Entchen und der Lukas
Sabine und Jürgen Leipertz vermissten auf der Raupe "das Verdeck zum Knutschen". FOTO: WOI
Neuss. Neben dem "höher, schneller, weiter" moderner Attraktionen bewahren echte Klassiker ihren Charme. Wir haben uns auf der Neusser Kirmes umgeschaut. Von Jascha Huschauer

Der Fahrtwind flattert durch ihr Haar. Sanft hat Jürgen Leipertz den Arm um seine Sabine gelegt. Sie rutscht durch die Geschwindkeit auf dem roten Leder näher zu ihm hin. "Schneller, schneller! Whooop, Whoop", schallt es aus den Boxen. Als die Fahrt zu Ende ist, hilft Jürgen Leipertz seiner Frau beim Aussteigen.

Selbstversuch als Losverkäufer auf der Kirmes

Für sie bedeutet die Fahrt mit der Raupe auch eine Erinnerung an alte Zeiten. "Da sind wir vor 40 Jahren schon drauf gefahren", sagt Jürgen Leipertz. Etwas schneller komme ihm die heutige Raupe auf der Neusser Kirmes vor. "Aber das Verdeck zum Knutschen habe ich vermisst", sagt er.

Die Raupe ist nur eine der klassischen Kirmes-Attraktionen. Leipertz kennt sie noch aus seiner Kindheit und vom Besuch auf dem "Jahrmarkt anno dazumal" im Freilichtmuseum Kommern. Dort können Besucher in der Osterwoche eine ganz traditionelle Kirmes erleben.

Joschua (4) ist leidenschaftlicher Enten-Angler. Er testet immer alle Buden auf der Kirmes aus. FOTO: Woitschützke Andreas

Doch auch in Neuss finden sich noch haufenweise Attraktionen mit langer Tradition. "In unserer Kindheit sah die Kirmes noch ganz anders aus", sagt Herbert Nowka. Der 69-Jährige ist Mitarbeiter beim Pfeilwerfen - auch einer der Klassiker. Schiffschaukel, Pony-Reiten und Kegelbahn sind inzwischen aussterbende Kirmes-Attraktionen, sagt er. Das Interesse der Besucher verändere sich. "Heute ist alles High-Tech. Es muss immer ,höher, schneller, weiter' sein", sagt Nowka. Er finde das nicht gut. "Das macht die Kirmes kaputt", schimpft er.

Nichtsdestotrotz erfreuen sich einige Geschäfte nach wie vor großer Beliebtheit. Wer das erleben will, muss mit dem vierjährigen Joschua über den Festplatz gehen. An jeder "Entchen angeln"-Bude macht er halt, um seine Magnet-Angel auszuwerfen, und einige der gelben Plastik-Enten für ein paar Sekunden von ihrer schaukelnden Fahrt über die runde Wasserbahn zu erlösen.

Zdzislaw Ojdowski testet seine Stärke beim "Hau den Lucas" von Betreiber Ulrich Schmidt. FOTO: Woitschützke Andreas

"Es ist wichtig, wie viele Punkte da drunter sind", erklärt Joschua dem Beobachter. Als der Vierjährige fertig ist, bläst er fest in eine schrille Pfeiffe und schaut danach durch ein Plastik-Fernglas. Beides hat er sich an diesem Kirmestag schon geangelt. Auch eine kleine Lego-Packung hat er erstanden. Die trägt Papa Ben Schulte inzwischen im Rucksack. "Er freut sich immer sehr. Und durch die kleinen Geschenke hat er ja auch nach Schützenfest noch was davon", sagt Schulte, der zusammen mit Joschuas Großeltern über den Platz schlendert. "Die Neusser Kirmes ist das Größte", schwärmt Oma Bruni Zupke. Neben den nostalgischen Gefühlen für Attraktionen aus der Kindheit lockt sie das Feuerwerk. "Da geht bei uns immer die ganze Familie zusammen hin", erklärt sie.

Familientradition und Kirmes-Nostalgie hat auch der Stand von Ulrich Schmidt. Der 65-Jährige bittet zum "Hau den Lucas". Nostalgischer geht es fast nicht. "Seit über 600 Jahren gibt es das", sagt er. Seine Bude führe er inzwischen in vierter Generation. Nach wie vor schwingen dort viele Besucher den zwölf Kilogramm schweren Hammer. "Männer wollen halt zeigen, wie stark sie sind", sagt Schmidt.

Unser Autor Simon Janssen hat den Selbstversuch als Losverkäufer auf der Kirmes gewagt. Wie viele Lose er mit seinen Sprüchen an den Mann gebracht hat, sehen Sie im Video.

Wir verfolgen einen Schützen beim Fest mit Fitness-Armband, GPS-Tracker und Co. Wie es ihm ergeht, lesen Sie hier.

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Quelle: NGZ
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