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Neuss
Ein schwingender Klangteppich

Neuss. Das Duo Recital mit Klarinettist Sebastian Lambertz und Pianist Nenad Lecic spielte im Romaneum.

Sebastian Lambertz (34), einst Klarinettenschüler der Musikschule der Stadt Neuss, 2013 Kunstförderpreisträger der Quirinusstadt, beendete nun die ihm gewidmete - und erste überhaupt - Residency im Romaneum mit seinem "Duo Recital". Der längst international gefragte Profi hat dieses Ehrenamt mit beispielhaftem Engagement ausgefüllt, etwa beim revolutionären Eröffnungskonzert 2015, wo er Messiaens "Quartett für das Ende der Zeit" mit Videokunst visualisierte, und mit dem interaktiven Kinderprojekt "Die kleine Ameise ist krank" an gleich sieben Neusser Grundschulen.

Da musste es überraschen, dass unter den gut 50 Zuhörern jetzt beim Abschlusskonzert im Pauline-Sels-Saal außer Ralf Beckers, dem Fachleiter der Bläserklassen, keine Vertreter der Musikschule waren.

Im "Duo Recital" spielt Sebastian Lambertz zusammen mit dem Pianisten Nenad Lecic, der mit Lehraufträgen an den Musikhochschulen Köln und Detmold zu den herausragenden Klavierbegleitern gehört. Das Zusammenspiel beider ist von bestechendem Verständnis, wie die "Sonate für Klarinette und Pianoforte in As-Dur" von Max Reger (1900) zeigte. Die Klarinette setzte sich auch in tiefen Lagen mühelos auch gegen vollgriffiges, aber fein abgestimmtes Klavierspiel durch.

In der klassisch klar gegliederten "Sonate für Klarinette und Klavier in B" von Paul Hindemith (1939) erinnert nach einem lebhaften "Scherzo" vor allem das ruhige "Larghetto" an die expressive Polyphonie Bachs. Harmonienreich und rhythmisch vital schrieb Carl Maria von Weber 1815 das "Grand Duo für Klavier und Klarinette Es-Dur".

Nicht umsonst steht im Titel das Klavier an erster Stelle, es wird zum gleichberechtigten konzertanten Instrument, bei Nenad Lecic in besten Händen. Im Final-Rondo darf aber auch Lambertz seine virtuose Kunst ausspielen. Spektakulär war in diesem Konzert die 1985 von Steve Reich (80) geschaffene Komposition "New York Counterpoint" für Soloklarinette und Tape, ein faszinierendes dreisätziges (fast - slow - fast) Stück des Vaters des Minimalismus. Zehn Klarinettenstimmen werden vom Solisten auf Band eingespielt und übereinandergeschichtet. In dreitägiger Arbeit haben Jannike Münstedt, Jonas Salamon und Marius Bornfleth (Tonmeister) von der Studienvorbereitenden Ausbildung der Musikschule mit dem Klarinettisten das Band glänzend eingespielt. In der Performance mit Live-Klarinette wurde aus dem metrischen Gleichlauf kleinster Teile in vielfältigen minimalen Variationen ein mitreißend schwingender Klangteppich.

(Nima)
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