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Neuss
Flüchtlingsheim: Bürgermeinung gefragt

Neuss. In einer Informationsveranstaltung stellten Stadt und Land gestern die Pläne für den Neubau an der Stresemannallee vor. Die Vorarbeiten haben schon begonnen, einen Architektenwettbewerb wird es nicht geben. Denn die Zeit drängt. Von Christoph Kleinau

An der Rennbahn hat der Abbruch der Pferdeställe begonnen, die zugunsten einer neuen Unterkunft für bis zu 800 Flüchtlinge versetzt werden müssen. Der Rat hatte den Bau dieser sogenannten Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) an der Stresemannallee im März einstimmig beschlossen, Ende 2016 soll sie bezugsfertig sein. Aber auch wenn der Zeitplan eng ist: Jetzt haben die Bürger das Wort. Bis zum 24. April können sie im städtischen Planungsamt ihre Anregungen zu aber auch ihre Bedenken gegen das Projekt vorbringen.

Den Sachstand für das ambitionierte Vorhaben stellte die Stadt gestern Abend im Zeughaus vor. Nicht einmal 50 Bürger - dafür aber etliche Politiker und Verwaltungsangehörige - fanden den Weg dorthin. Doch das Podium war ungewöhnlich prominent besetzt. Ungewöhnlich, weil zum ersten Mal Düsseldorfs Regierungspräsidentin Annemarie Lütkes zu einer Veranstaltung kam, die schlicht als Bürgerinformationsveranstaltung für ein Bebauungsplanverfahren angekündigt war. Dass es bei diesem Thema um mehr geht, machte schlaglichtartig die gestrige Nachricht von Morddrohungen gegen den thüringischen Ministerpräsidenten deutlich- ausgestoßen wegen der auch dort geführten Flüchtlingsdebatte. Es geht um Akzeptanz.

Lütkes lobte die Stadt Neuss deshalb dafür, freiwillig eine Unterkunft anzubieten, die dauerhaft Bestand haben soll. Von 25 Jahren ist bei dem Mietvertrag, den das Land für die vom Bauverein zu errichtende Unterkunft unterschreiben will, die Rede. "Ad hoc Unterkünfte zu suchen, kann auf Dauer nicht richtig sein", sagte Lütkes. Sie spricht zwar von einem Zweckbau, wünscht sich aber, dass dieser auf die(Betreuungs)-Bedürfnisse der Flüchtlinge zugeschnitten ist und auch Angeboten wie Frauencafé, Jugendtreff oder einem Spielplatz Raum gibt. "Ein Kind, das traumatisiert ist, muss schaukeln können", nannte Lütkes ein Beispiel.

Vorbehalte gegen das Vorhaben blieben gestern Einzelmeinung - und ihnen wurde aus der Versammlung heraus sofort widersprochen. Zumal Bürgermeister Herbert Napp und Sozialdezernent Stefan Hahn darlegten, dass die Alternative nur heißen könne: Bau einer ZUE, in der die Flüchtlinge inzwischen maximal drei Wochen leben - oder dauerhafte Zuweisung von der gleichen Anzahl in kommunale Unterkünfte.

Zweimal wurde gefragt, ob für das Projekt ein Architektenwettbewerb geplant ist, zweimal verneinte Planungsdezernent Christoph Hölters die Frage. Ein solcher Zwischenschritt würde ein halbes Jahr Zeit kosten. Die Pläne würden im Zusammenspiel zwischen Stadt und Land entwickelt, sagte er. "Wir sind nicht frei in dem, was wir gerne hätten", stellte Lütkes fest. Raumprogramm, Zeitplan und nicht zuletzt die Kosten geben den Rahmen vor.

Quelle: NGZ
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