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Neuss
Hohe Haftstrafe für Pfefferspray-Räuber

Neuss: Hohe Haftstrafe für Pfefferspray-Räuber
Tatort Neuss: Der Real-Markt an der Bataverstraße. FOTO: woi
Neuss. Gericht bleibt knapp unter der Höchststrafe für den Banden-Boss. Der will sich in der Haft ändern und Koch lernen. Von Marc Pesch

Mit einer langen Gefängnisstrafe ist am Landgericht Düsseldorf der Prozess gegen den Anführer der sogenannten "Pfefferspray-Bande" zu Ende gegangen. Der Belgier mit marokkanischen Wurzeln muss für vierzehneinhalb Jahre hinter Gitter. Er hatte im Prozess gestanden, an mindestens 20 Raubüberfällen beteiligt gewesen zu sein. Zwei Tatorte lagen im Rhein-Kreis. Die Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre Haft gefordert - die Höchststrafe. Auf eine anschließende Sicherungsverwahrung des 41-Jährigen, der gerade erst in Trier wegen versuchten Mordes verurteilt worden war, verzichtete die Kammer.

Gestern verfolgte der an den Händen gefesselte Angeklagte mit Tränen in den Augen die Urteilsverkündung. Ob wegen der Höhe der Strafe oder weil ihm das Gericht vorgehalten hatte, wie schwer die Opfer zum Teil durch diese Taten traumatisiert sind, bleibt sein Geheimnis. Brutal waren er und seine Komplizen vorgegangen, "rücksichtslos und mit einem großen Gewaltpotenzial versehen" beschrieb ihn Richterin Bettina Reucher-Hodges.

Bestätigt hatten das im Prozess unter anderem die Opfer der beiden Überfälle in Neuss und Dormagen. Betroffen waren der Real-Markt an der Bataverstraße in Neuss und der Roller-Möbelmarkt in Dormagen im Gewerbegebiet Top-West, wo die Bande im Jahr 2009 zuschlug. In beiden Fällen musste sie ohne Beute flüchten, bei den Opfern allerdings lösten sie ein wahres Trauma aus. Denn die Räuber gingen die Markt-Angestellten brutal an, traktierten sie mit Elektroschockern oder Pfefferspray und drohten damit, sie zu erschießen. In Neuss gaben die Täter sogar einen Schuss mit einer Maschinenpistole ab, das Projektil schlug jedoch neben den Opfern in der Wand des Tresorraums ein. "Die Zeugen waren in verzweifelten Situationen, wurden teilweise durch die Einkaufsmärkte gejagt", so die Richterin. "Sie stehen nach wie vor unter dem Eindruck der Taten."

Insgesamt 700.000 Euro fielen ihnen bei ihren Raubzügen in ganz Nordrhein-Westfalen in die Hände, von dem Geld ist nach Angaben des Angeklagten nichts mehr übrig. Ausgeraubt wurden Möbel- und Supermärkte, aber auch Banken und Sparkassen wurden überfallen. Zur Masche der Bande gehörte, dass sie meist kurz nach Geschäftsschluss zuschlug. Immer schwer bewaffnet.

Der 41-Jährige zeigte sich zum Ende des Verfahrens nach Angaben seines Anwaltes Simon Groß geläutert. "Die Zeugenaussagen haben ihn tief beeindruckt", erklärte der Verteidiger. "Er will sich ändern, hat Zukunftspläne." Unter anderem wolle der Räuber in der Haft eine Ausbildung zum Koch machen, um eine Perspektive für die Zeit nach dem Gefängnis zu haben. Zumindest beim Gericht machte das Eindruck. Die Richterin verzichtete nicht nur auf Sicherungsverwahrung, sondern blieb mit vierzehneinhalb Jahren auch ein halbes Jahr unter der möglichen Höchststrafe. "Wir denken, dass er erkannt hat, dass der eingeschlagene Weg nicht der richtige ist", so die Richterin.

Staatsanwalt Stefan Willkomm stimmte dem Urteil zwar zu, blieb aber im Hinblick auf die Person des Angeklagten skeptisch. "Ich habe erhebliche Zweifel an einer positiven Entwicklung", sagte der Ankläger, den das "hemmungslose Vorgehen des Angeklagten" bei den Taten beeindruckt. Selbst bei seiner Festnahme in der Eifel hatte er sich noch eine heftige Schießerei mit der Polizei geliefert.

Quelle: NGZ
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