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Neuss
Neusser erfindet Heizungsreiniger

Neuss: Neusser erfindet Heizungsreiniger
Michael Tischler hat sich ein Gerät zur umweltfreundlichen Reinigung von Heizkörpern patentieren lassen. Viel davon zeigen möchte er nicht - denn die Konkurrenz schläft nicht. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Michael Tischler hat ein Gerät entwickelt, das ohne Chemie, aber auf Wunsch mit Zitronen-Duftöl arbeitet. Von Julia Rommelfanger

Das Unterdruck-Gerät dröhnt wie ein überdimensionierter Staubsauger. Mit einem zweiten Apparat jagt Michael Tischler 180 Grad heißen Wasserdampf durch eine Art Zapfpistole zwischen die Lamellen des Heizkörpers - 30 Minuten lang. Dann sind auch das kleinste Staubkorn, der letzte Fett-Rest und das hartnäckigste Bakterium verschwunden. "Besonders angenehm ist der Job nicht", gibt der 49-jährige Neusser zu. "Zumal die Reinigung stark verschmutzter Heizkörper - etwa in Tierarztpraxen oder Großküchen - gut eineinhalb Stunden braucht. Trotzdem macht er diese Arbeit jetzt regelmäßig. Denn 2015 hat er das Start-up "HKR- Heizkoerperreinigung" gegründet und ein Patent für seine Unterdruck- und Wasserdampf-Geräte erhalten.

Eigentlich ist Tischler Industriekaufmann, führt aber seit zehn Jahren die Reinigungsfirma Graffitoex, die Graffiti von Fassaden entfernt. "Ich brauchte wieder eine Veränderung - ein Buch über Schadstoffe in Heizkörpern, brachte mich auf die neue Idee", erklärt er.

Da er keine Firma finden konnte, die seine eigenen Heizkörper von Katzen- und Hundehaaren, Fetten, Schadstoffen und Milben befreit, entschloss er sich, selbst an einem Gerät hierfür zu tüfteln. "Scheinbar hat noch niemand über das ernste Thema Schadstoffe in der Raumluft nachgedacht." Die einzige Möglichkeit, die Heizkörper gründlich zu säubern, bestand seinen Recherchen zufolge darin, sie auszubauen und zu einem Heizungsunternehmen zu schaffen. "Viel zu umständlich und teuer", so Tischlers Fazit.

Das Ergebnis seiner Tüftelei: Eine Kombination aus Unterdruck und Heißdampf. Mit dem Wasserdampf ohne Chemikalien, aber auf Wunsch mit Zitronen-, Orangen- oder Lavendel-Öl, reinigt er von oben die Lamellen des Heizkörpers. Das Unterdruckgerät, das durch eine Bodenplatte mit dem Heizkörper verbunden wird, saugt den Schmutz ab und verhindert so, dass er durch die Luft wirbelt.

Die Geräte lässt sich Tischler von einem Anlagenbauer aus vorgefertigten Einzelteilen bauen und mit Metallgehäusen ummanteln. "Damit sie schicker aussehen", sagt er.

Zu seinen Kunden zählen Wohnungsbaugesellschaften, die ihre Heizkörper nach Renovierungen reinigen lassen, und Tierarztpraxen, aber auch Privathaushalte, vor allem solche, in denen Allergiker leben. Rund 20 Termine hat Tischler momentan, die er ohne Angestellte schafft. Seine Ziele sind ambitionierter: "Werden es hundert, brauche ich Mitarbeiter und bei vielen Tausend sogar ein Franchise-System." Für eine Heizkörperreinigung müssen Tischlers Kunden rund 25 Euro, plus Anfahrtskosten, auf den Tisch legen, sparen aber bis zu 30% Prozent der Heizkosten, behauptet der Unternehmer.

Quelle: NGZ
 
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