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Neuss
"Raum der Kulturen" setzt auf Profis

Neuss: "Raum der Kulturen" setzt auf Profis
Vom amtierenden Vorstand des Vereins "Raum der Kulturen" setzt nur Sükür Polat (r.) seine Arbeit fort. Ghalia el Boustami (2.v.l.) hat als Vorsitzende die Weichen für eine Fortsetzung der Arbeit gestellt. FOTO: lber
Neuss. Der Bundesverband "Nemo" finanziert dem jungen Verein eine Vollzeitstelle für die Flüchtlings- und Migrationsarbeit. Ihren Einsatz muss ein neuer Vorstand steuern. Mitinitiatorin Ghalia el Boustami ist nicht die einzige, die geht. Von Christoph Kleinau

Was der "Raum der Kulturen" sein und wie er in der Gesellschaft wirken kann, ist nach Überzeugung von Ghalia el Boustami noch nicht im Ansatz ausgelotet. Während sie in dem eher kleinen Büro sitzt, das der Verein an der Oberstraße nutzen kann, spricht die 47-Jährige von einem "unglaublichen Potenzial". Um das auszuschöpfen, professionalisiert sich der erst im Vorjahr etablierte Verein gerade - und stellt sich auch in der Spitze neu auf.

Die Mitgliederversammlung am Donnerstag, 16. Juni, wird dazu entscheidende Weichen stellen müssen. Denn bis auf Schriftführer Sükür Polat muss der gesamte geschäftsführende Vorstand neu gewählt werden. Wer dahinter Krach vermutet, liege falsch, sagt el Boustami. Es gehe um Lebensentwürfe.

Sie selbst wird nach Wolfenbüttel ziehen und auch ihr Ratsmandat der Fraktion "Die Grünen" mit Wirkung zum 4. Juli niederlegen. Schatzmeisterin Bouchra el Maazi hatte dem "Raum der Kulturen" in der Startphase helfen wollen, nun aber will sich die Kaarsterin wieder ihren zentralen Aufgaben zuwenden. Das ist ihre Tätigkeit als Vorsitzende des Integrationsrates in Kaarst und Sprecherin der Integrationslotsen. Und dass die zweite Vorsitzende Despina Kosmidou aus dem Vorstand ausscheidet, hat mit der erwähnten Professionalisierung zu tun: Gemeinsam mit Hamdi Berdid vom Verein "Kubid" teilt sie sich eine Vollzeitstelle, die der "Raum der Kulturen" - über die erste nebenamtliche Koordinatorin hinaus - mit finanzieller Unterstützung des Bundesverbandes "Nemo" (Netzwerk für Migrantenorganisationen) einrichten kann. Es ist eine von nur 30 Stellen bundesweit, betont el Boustami, die vom Einsatz der "Profis" eine klare Vorstellung hat: "Gemeinsam mit der Stadt Lücken in der Flüchtlings- und Migrantenarbeit aufspüren - und füllen."

Im "Raum der Kulturen" sind neun Initiativen und Vereine verschiedener Kulturen, aber auch Privatleute Mitglied. Zu den Mitinitiatoren gehört von Anfang an Ghalia el Boustami. Sie hörte bei einer Veranstaltung der Grünen Ümüt Kogan vom Verband der Migranten-Organisationen Deutschlands darüber reden und war Feuer und Flamme. Eine Sternstunde für sie war dann, dass genau dieses Thema nach der Kommunalwahl 2014 in den Koalitionsvertrag von CDU und Grünen aufgenommen wurde.

Ein neuer Flyer, mit dem sich das Netzwerk öffentlich bekannter machen will, ist einer ihrer letzten Beiträge zum "Raum der Kulturen". Von dem neuen Vorstand, zu dem sie einige Vorschläge gemacht hat, erwartet sie, dass sich jedes einzelne Mitglied als Multiplikator versteht. Denn Ideen gibt es in Fülle, es fehlen aber Menschen, so el Boustami, die diese aufgreifen und umsetzen. So gäbe es Gesprächspartner genug, um Podiumsdiskussionen und Vorträge zu machen, die nach ihrer Überzeugung für eine breitere Öffentlichkeit interessant wären - aber niemanden, der diese ganz praktisch organisiert.

Unter dem neuen Vorstand will der "Raum der Kulturen" auch anerkannter Träger in der Kinder- und Jugendhilfe werden. "Weil wir so mehr Projekte begleiten können", sagt el Boustami - die auch nicht ausschließen möchte, dass der Verein mal Kindergartenträger wird.

Quelle: NGZ
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