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Neuss
Zwei wichtige Helfer beim Start in Neuss

Neuss: Zwei wichtige Helfer beim Start in Neuss
Mahdi Fatahy kam 1999 als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland. Er spricht fließend Deutsch, Arabisch, Persisch und Kurdisch. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)
Neuss. Mahdi Fatahy arbeitet als Dolmetscher in der Zentralen Unterbringungseinrichtung des Landes, Tina Mohammad leitet sie. Von Helga Bittner

Die Flure im ehemaligen Alexianerkrankenhaus, das heute eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes NRW für Flüchtlinge ist, werden vermutlich nie leer in diesen Tagen. An denen manches Mal bis zu vier Busse an einem Nachmittag kommen und neue Flüchtlinge bringen, so dass trotz der gleichzeitigen Weiterfahrt 150 bisheriger Bewohner die Belegungszahl ständig steigt. 1049 sind es in diesem Moment, sagt Einrichtungsleiterin Tina Mohammad (27), eine Stunde später können es schon 150 mehr sein. Oder 50 weniger.

Sie weiß um die Animositäten, die zwischen den einzelnen Nationalitäten herrschen: "Natürlich vermerken wir, wo Eskalationen drohen können", sagt sie und sorgt auch dafür, dass mögliche Streithähne gleich getrennt werden. Aber wenn 50 Menschen auf einmal ankommen, Listen abgeglichen, Männer, Frauen, Familien auf die Zimmer verteilt werden müssen, kann es schon mal zu kleinen Staus kommen. Und wenn dann noch Taschengeldausgabe ist, erst recht. Tina Mohammads Handy wirkt in ihrer Hand wie angeschweißt, ständig klingelt es, muss sie irgendwas regeln, wechselt dabei vom Arabischen ins Deutsche und umgekehrt. "Wir haben zwar feste Sprechzeiten", sagt sie und lächelt, "aber das dauert bei manchen, bis sie sich dran halten."

Ständiger Ansprechpartner ist auch Madhi Fatahy, der als Sozialbetreuer und Dolmetscher im ehemaligen "Alex" arbeitet und selbst nur zu genau weiß, was die Menschen, die dort ankommen, hinter sich gelassen haben. Der 39-Jährige ist 1999 nach Deutschland gekommen. Ebenfalls als Flüchtling, aus dem Iran, wo der Journalist sich politisch für die kurdische Partei engagiert hat: "Ich war Vorsitzender und habe deswegen auch im Gefängnis gesessen", sagt er. Damals sei die Flucht noch viel gefährlicher gewesen, ergänzt er und erzählt dann von einem Neffen, der ein Jahr später auf der Flucht getötet worden sei.

Seit August dieses Jahres arbeitet er für European Homecare (EHC), den Betreiber des Flüchtlingsheims in Neuss, er spricht arabisch, persisch und kurdisch. Und Mahdi Fatahy ist froh darüber, dass er nicht wie die Jahre zuvor 300 Kilometer zu seiner Arbeitsstelle bei den Maltesern im sauerländischen Meschede fahren muss. Mit seiner Frau lebt er in Düsseldorf. Dass das Paar überhaupt zusammenkam, ist wohl dem Kämpfer in Fatahy zu verdanken. Er hat nicht locker gelassen, bis er die Ausreise seiner Frau, die als Iranerin im Irak lebte, bewerkstelligt hatte. Dass ihm Organisationen wie die Caritas sehr geholfen, selbst der Innenminister sich eingeschaltet hat ("den Brief habe ich heute noch"), erfüllt ihn immer noch mit großer Dankbarkeit. Für seine kurdischen Landsleute setzt sich Fatahy jetzt von Düsseldorf aus ein: Freiheit ist ihm ein hohes Gut. "Meine Frau ist gläubig", sagt er, "und so wie ich das respektiere und ruhig bin, wenn sie betet, muss sie akzeptieren, dass ich das für mich nicht brauche." Sein Lebensmotto, sagt er lächelnd, sei 700 Jahre alt. So lange nämlich werde der Satz in seiner Kultur von Generation zu Generation weitergegeben: "Wo Du Recht und Respekt erlebst, ist deine Heimat."

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Quelle: NGZ
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