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Radevormwald
Essen, Trinken und Murmeln wie bei Luther

Radevormwald: Essen, Trinken und Murmeln wie bei Luther
Für Pastor Peter Bernshausen (l.) und Diakon Burkhard Wittwer gab es Lutherwein von Pastor Dieter Jeschke. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Die reformierte Gemeinde lud zu einem Glaubensforum ein. Es gab Tischreden, Diskussionen, Denkanstöße und ein warmes Mittagessen. Von Flora Treiber

Flötentänze, wie man sie zu Luthers Zeiten gehört hat, begrüßten die Teilnehmer des Glaubensforums in der reformierten Kirche. Unter der Leitung von Inga Kuhnert entführte das Blockflötenensemble seine Zuhörer in eine andere Zeit. Es ging 500 Jahre zurück zu dem Zeitpunkt in der Geschichte, in der Luther seine Thesen angeschlagen und Tischreden modern gemacht hat. "Wir stimmen unsere Gäste heute ein und sorgen für die richtige Atmosphäre. Dafür haben wir uns für Stücke entschieden, die Luther selber gerne gehört hat", erklärte Inga Kuhnert.

Die Kirche war für das Glaubensforum umgeräumt und eingedeckt worden. Die Gäste saßen an langen Tafeln, um sich zwischen den Programmpunkten zu unterhalten und das warme Mittagessen zu genießen. Pfarrer Dieter Jeschke, der die Idee zu der Veranstaltung entwickelt hat, wollte die Stimmung des "Schwarzen Klosters" so gut wie möglich nachempfinden. "Dort hat Luther seine Tischreden gehalten. Da gab es nichts, worüber man nicht reden durfte. Es wurde viel diskutiert", sagte er. Diskussion war auch das Ziel des Glaubensforums, denn die Tischreden betrachteten das Wirken Martin Luthers aus verschiedenen Perspektiven und ließen keine Kritik aus. "Heute soll es nicht um eine Verherrlichung von Luther gehen. Wir üben auch Kritik und analysieren ihn."

Pfarrer Jeschke übergab das Wort schnell an Diakon Burkhard Wittwer. Als Katholik hat er eine ganz besondere Beziehung zu Martin Luther. "Der Kerl wurde mir, je mehr ich mich mit ihm beschäftigt habe, immer sympathischer. Er hat zu seiner Zeit die richtigen Fragen gestellt und erinnert uns daran heute, die richtigen Fragen zu stellen", sagte Wittwer. Durch Luther inspiriert, voller Mut und Kritik, führte er die Mitglieder der Gemeinden am Samstag zu den wesentlichen Fragen der Kirche zurück. "Die Kirche beschäftigt sich zu viel mit strukturellen Fragen. Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren, wie ,Gibt es einen Gott?' und ,Wie komme ich mit ihm in Kontakt?'" Er formulierte Thesen, die Luther heute auch aufstellen würde - beispielsweise "Mut statt Mainstream", "Gebet statt Großveranstaltung" und "Freiheit statt Fortschritt". Seinem Publikum übergab der Diakon viele neue Gedanken und Anregungen, für die sich auch Pastor Peter Bernshausen bedankte. Der Pastor der freien evangelischen Gemeinde am Grafweg hielt die zweite Tischrede, bevor das Mittagessen aufgetischt wurde. "In meiner Gemeinde gibt es viele Verbindungen zu Luther, für die ich dankbar bin. Er war eine große Inspiration für unseren Glauben", sagte Bernshausen.

Nach seinen Impulsen hoffte Dieter Jeschke auf viel Gemurmel an den Tischen. "Die Murmelgruppen müssen sich jetzt selber bilden und aus eigener Initiative angeregt werden. Viele Gäste werden ihre Gedanken aber auch still mit nach Hause nehmen." Das Glaubensforum regte viele intime Diskussionen über den eigenen Glauben und den Bezug zur Kirche an.

Quelle: RP
 
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