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Radevormwald
Frostperiode war für den Wald zu kurz

Radevormwald: Frostperiode war für den Wald zu kurz
Im Bereich "Platter Kopp" im Wiebachtal gibt es in diesen Wochen umfangreiche Abholzungsarbeiten. Zuletzt hatte der Eigentümer der Wälder, der sie vom Land erworben hatte, 2009 Bäume gefällt. FOTO: Fuchs/IG Wiebachtal
Radevormwald. Durch längeren Frost hätten sich auch die Waldgebiete der Region ein wenig erholen können, denn durch den bislang milden Winter können sich insbesondere Schädlinge ungehindert ausbreiten. Förster befürchten Probleme im Frühjahr. Von Markus Plüm

Der bisherige Winter hatte mit Schnee und Eis bislang nur wenig zu tun. Gerade einmal eine Woche lang im Januar bedeckte die weiße Pracht Felder, Wiesen und Wälder. Während viele Autofahrer erleichtert sein dürften, dass das Schneetreiben nun wieder der Vergangenheit angehört, hätten die Wälder der Region durchaus eine längere Frostperiode vertragen, um sich von den für sie strapaziösen milden Temperaturen erholen zu können.

Wie Günter Dieck, der Leiter des Regionalforstamtes Bergisches Land, erklärt, kämen Waldbäume zwar auch mit einem späten Winter gut zurecht. "Was sie aber nicht vertragen, ist ein ständiger Wechsel zwischen Wärme und Kälte." Die derzeitigen Bedingungen sind also Gift für die Gesundheit der Wälder.

Grundsätzlich seien Waldbäume nicht empfindlich. "Sie treiben nicht beim ersten warmen Sonnenstrahl aus, und gegen Frost haben sie eine Art Frostschutzmittel eingelagert, das durch Zuckerverbindungen, die den Gefrierpunkt der Zellen senken, entsteht. Allerding können die milden Temperaturen den Bäumen auf anderem Wege schaden", erklärt Dieck. Denn durch fehlenden Frost könnten sich Pilze ungehindert vermehren. Diese könnten das ökologische Gleichgewicht im Wald durcheinander wirbeln. Insbesondere Buchen und Eschen seien von diesem Problem betroffen.

Eine längere Kälteperiode hätte auch die Arbeit von Diecks Kollegen, in Radevormwald Revierförster Bernhard Priggel, erleichtert. "Wir müssen in den Wald und dort arbeiten. Aber wenn der Boden nicht gefroren ist, ist er zu matschig für unsere schweren Maschinen, da kann man einfach nicht optimal arbeiten.", betont Dieck.

Daher sei die winterliche Holzernte bislang deutlich geringer ausgefallen als geplant. "Eine wirkliche Frostperiode wäre passend gewesen, da die Waldpflege und Holzernte dann bodenschonend fortgesetzt hätte werden können", sagt Dieck.

Zudem seien einige Pflanzen auf Frostperioden angewiesen, um sich im Winter vermehren zu können, wie beispielsweise der Bärlauch. Der Samen der Pflanze braucht mehrere Wochen Temperaturen um den Gefrierpunkt, um keimen zu können. Dieck befürchtet Folgeschäden für das Frühjahr: "Die Natur ist zwar flexibel und man muss ihr auch zutrauen, dass sie das aushält. Aber wenn es mit den milden Temperaturen so weitergeht, kann das schon Auswirkungen auf den Zustand des Waldes haben." Dennoch sei dem fehlenden Frost auch etwas Positives abzugewinnen. Das derzeitige Wetter sei tödlich für Schädlinge: "Nasskaltes Schmuddelwetter ist in diesem Fall besser als Minusgrade. Denn bei Plustemperaturen und Regen drohen den Schädlingen Pilzkrankheiten, die sie nicht überleben." Dazu bräuchte es allerdings im Gegenzug ein warmes und feuchtes Frühjahr. "Da bleibt abzuwarten, wie sich die Situation noch entwickelt", sagt Dieck.

Quelle: RP
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