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Radevormwald
Gaukler und Hexe im Parc de Châteaubriant

Radevormwald: Gaukler und Hexe im Parc de Châteaubriant
Mittelalterliches Treiben finden die Besucher des Stadtfestes noch bis morgen Abend im Parc de Châteaubriant an der Telegrafenstraße. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Der mittelalterliche Markt an der Telegrafenstraße und der historische Jahrmarkt auf dem Festplatz ziehen seit Donnerstag die Besucher an. Beide sind zum großen Stadtfest noch bis Sonntagabend geöffnet. Von Flora Treiber

Der historische Jahrmarkt an der Uelfestraße und der Mittelaltermarkt im Parc de Châteaubriant starteten bereits am Donnerstag in das lange Festwochenende um das große Stadtjubiläum "700 Jahre Radevormwald". Zu dem seltenen Stadtgeburtstag sind Aussteller aus ganz Deutschland angereist, um ihre Angebote in Radevormwald zu präsentieren.

Wer sich im Mittelalter zu Hause fühlt, kommt an diesem Wochenende auf seine Kosten, denn im Parc de Châteaubriant sorgen etwa 20 Händler für eine Zeitreise in frühere Jahrhunderte. Passend neben dem Rokoko-Gartenhäuschen haben auf dem ehemaligen Friedhofsgelände außerhalb der alten Stadtmauer Schmiede, Zinngießer, Fellhändler (sogar mit Rentier-Fell) und Filzer ihren Platz gefunden. Sie stellen ihr Handwerk zur Schau und verkaufen die zahlreichen Einzelstücke. Für wenige "Taler", so nennen die Gaukler und Händler den heutigen Euro, kann man auf der Grünfläche hochwertige Handarbeiten ergattern. Das taten viele Radevormwald schon seit Donnerstag.

Bei Kindern ist das Mäuseroulette besonders beliebt, das heute und Sonntag noch durch die Innenstadt rollen wird. Die Männer können sich, während Kinder und Frauen auf Mäuse wetten, vielleicht beim Bogenschießen vergnügen. Auch ein Gaukler und eine verwunschene Wahrsagerin sorgen für ein authentisches Rahmenprogramm. Während auf dem historischen Jahrmarkt in erster Linie süße Speisen verkauft werden, gibt es im Bereich der Telegrafen- und Kaiserstraße Gemüsepfannen, Bauernsalate und Ballebäuschen. Getrunken wird auf dem Mittelaltermarkt auch belgisches Bier, Honigbier und Likör.

Das historische Riesenrad von Werner Feldmann war letzte Woche noch in Berlin im Einsatz, am Dienstag kam er mit seinem Schatz von 1902 nach Rade. "Der Aufbau dauert etwa zwölf Stunden", sagt Feldmann. Das Riesenrad ist seit 1927 im Besitz seiner Familie und zieht alle Blicke auf sich. Mit einer Höhe von fast 14 Metern eröffnete sich bereits vielen Fahrgästen ein Blick über weite Teile der Stadt.

Die handbemalten Holzteile des Riesenrads sind Originalteile, andere Bauteile mussten in den vergangenen Jahrzehnten ersetzt werden. "Wir sind den Materialien aber treu geblieben. Es gibt keine Plastikteile, nur Holz und Stahl. Unsere Fahrgeschäfte sehen nicht nur historisch aus, sondern sind es auch."

Bevor der Rummel am Donnerstag öffnete, hatte Werner Feldmann seine Alltagskleidung gegen ein Outfit in Anlehnung an die berühmten Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts getauscht. Mit Hosenträgern und Schirmmütze begrüßte er seine Fahrgäste. Durch die Lautsprecher waren ausschließlich Oldies zu hören. "Wir wollen das Erlebnis so authentisch wie möglich gestalten", sagt er.

Neben einem originalen "Hau den Lukas" von 1920 dreht sich auf dem Jahrmarkt ein nostalgisches Hängekarussell aus den 1940er Jahren. Auf handbemalten Pferden und Schweinen drehten Kinder bereits ihre Runden. Wer in der alten DDR-Schießbude gut trifft, kann für seine Liebste Seidenunterwäsche aus den 1960er Jahren erschießen. "Hier sind auch die Preise nostalgisch. Die habe ich von meinem Opa mit übernommen. Er hat mir den Fundus und die Bude vermacht", sagt Mirco Melcher. Ihm gehört die Schießbude seit vielen Jahren. Sie wird mit viel Liebe zum Detail restauriert. Bevor der Magen mit Waffeln, Zuckerwatte und handgebrannten Mandeln gefüllt wird, sollten die Besucher des Jahrmarktes die Holz-Schiffschaukel austesten.

Die nostalgischen Geschäfte und der Mittelaltermarkt haben den Festmarathon bei schönstem Wetter also bereits erfolgreich eröffnet.

Quelle: RP
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