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Radevormwald
Geheimnisse um alte Dampflok gelüftet

Radevormwald: Geheimnisse um alte Dampflok gelüftet
Radevormwald. Die Güterzuglok mit der Bezeichnung 52 8086, die auf dem Gleis im Bahnhof Dahlhausen steht, ist im September 1994 übergeben worden. Jetzt hat Ulrich Grotstollen Unterlagen über die Lok in Kopien aus dem Betriebsbuch erhalten. Von Wolfgang Scholl

Seit Sommer 1994 steht die inzwischen denkmalgeschützte Güterzug-Dampflok der Baureihe 52 mit der Nummer 52 8086 in Dahlhausen. Im Sommer dieses Jahres wollte der Förderverein sie verkaufen. Der potenzielle Käufer zog aber zwei andere Loks vor, die er jetzt als Ersatzteillager für eine Museums-Eisenbahnlok gleicher Baureihe nutzen kann.

Lange Jahre gab es keine Unterlagen zu dem 140 Tonnen schweren Stahlkoloss von Dahlhausen. Jetzt hat Ulrich Grotstollen, der Vorsitzende des Fördervereins Wupperschiene, einige Unterlagen in Kopie erhalten. Die Kopien stammen aus dem alten Betriebsbuch mit der Bezeichnung 52 8086. Von der Baureihe existieren noch etwa 100, größtenteils in ziemlich erbärmlichen Zustand. Vor kurzem ist ein Buch über die Baureihe 52 entstanden.

Die in Rade stehende Lok ist noch gut erhalten, weil alle wichtigen Aggregate wie Fahrwerk, Tender, Kanzel und Pumpen noch vorhanden sind. Sie aber wieder fahrbereit zu machen, dafür hat der Verein kein Geld. "Und wird es wohl auch nie haben", sagt Grotstollen. Um den Aufwand für den Wagenpark zu reduzieren, hat der Verein zuletzt ein paar Güterwagen abgegeben, weitere sollen folgen. "Wichtiger ist das Instandsetzen unserer Strecke", sagt der Fördervereins-Vorsitzende.

Ulrich Grotstollen von der Wupperschiene (rechts) und Jochen Kersting vom Vorstand des Vereins Wuppertrail vor der Dampflok in Dahlhausen. FOTO: wos

Trotzdem war er froh, dass ihm die Unterlagen in Kopie zugespielt worden sind. Aus den Unterlagen geht hervor, dass die Dampflok im Mai 1943 zugelassen worden ist. Wo sie danach gelaufen ist, konnte Grotstollen nicht erfahren. Er weiß nur, dass sie 1945 nach Kriegsende bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR gelandet ist und dort eingesetzt wurde. Zum 31. Dezember 1986 gibt es einen Eintrag über eine Hauptuntersuchung durch das Bahnbetriebswerk Wustermark als Güterzuglok. Bekannt ist, dass sie 1963 einen neuen Kessel erhalten hat und die Leistung auf 2000 PS gesteigert worden ist.

Bereits am 12. Januar 1987 ist ein Schaden an der Feuerbuchse vermerkt, mit dem Hinweis, dass die Lok für Januar 1988 als Reparaturfall für das Ausbesserungswerk in Meinigen vorgesehen ist. Dort werden heute noch Dampfloks wieder instandgesetzt. Die spätere Rader Lok ist dann dort vorzeitig abgestellt worden. Vermutet wird, dass sie als "Heizlok" genutzt worden ist. "Diese Loks sind in der DDR oft bei der Überholung und Reparatur von größeren Heizanlagen als Ersatzheizungen eingesetzt worden. Sie haben eine Heizleitung erhalten und sind dann weiter gefeuert worden", sagt Grotstollen. Wohl aus Meiningen ist die Lok schließlich nach Radevormwald gebracht worden.

Der Transport und die Übergabe der alten Dampflok sorgten schon in den Jahren 1994/95 für Gesprächsstoff. Zuerst sollte es als Geschenk der Deutsche Bahn AG eine Schmalspurlok sein. Diese blieb auf Intervention auch der Öffentlichkeit später in Pritzwalk für eine Museumseisenbahn stehen.

Ulrich Grotstollen hat alte Unterlagen in Kopie erhalten.

Es wurde eine 52-er Lok ausgewählt, weil Loks dieser Baureihe in den 1950er Jahren Personenzüge von Wuppertal-Vohwinkel nach Rade gezogen hatten. Zuerst sollte sie auf dem alten Bahnhofsgelände an der Poststraße (heute Busbahnhof) auf einem Podest ausgestellt werden. Dies wurde aber aus Sicherheitsgründen verworfen. Da die Stadt eine Schenkung, auch nur für eine juristische Sekunde abgelehnt hat, ging sie an den Förderverein Wupperschiene.

Ob als Geschenk, ist unbekannt. In einem Schreiben der Deutschen Bahn war von einem Kaufpreis von 20 000 Mark die Rede. Ob Geld geflossen ist, ist nicht bekannt. Der Förderverein bekam später eine Eigentumsurkunde. Bei der Übergabe erklärte der damalige Staatssekretär im Bundes-Innenministerium, Manfred Carstens (CDU), dass die Bahn die Bereitschaft erklärt habe, die Lok im Ausbesserungswerk in Halle "aufzupolieren". Dabei blieb es. Zuletzt erteilte die Deutsche Bahn AG Edmund Biekowski, der bei der Überstellung der Lok dabei war, eine Absage. Nur unter der Regie des damaligen Stadtjugendpflegers Jochen Kersting erhielt die Lok als Projekt der Geschwister-Scholl-Schule einmal neue Farbe.

Quelle: RP
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