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Radevormwald
Hauptschüler lassen Handy in der Tasche

Radevormwald: Hauptschüler lassen Handy in der Tasche
Das Handy bleibt in der Tasche, auch beim Termin mit dem BM-Fotografen: Die Klasse 10a der Geschwister-Scholl-Schule setzte sich gegen 320 Schulklassen durch und gewann den Wettbewerb der AOK. FOTO: jürgen moll
Radevormwald. Großer Erfolg für die Klasse 10a der Geschwister-Scholl-Schule: Sie hat den AOK-Wettbewerb "Sendepause" gewonnen. Ziel war es, Jugendliche davon zu überzeugen, das Handy mal aus der Hand zu legen und miteinander zu sprechen. Von Marion Gerdel

Jugendliche davon zu überzeugen, dass es sinnvoll sein kann, das Handy auch einmal aus der Hand zu legen, ist ein Anliegen der AOK Rheinland/Hamburg. Bereits zum zweiten Mal hat sie daher den Wettbewerb "Sendepause" ausgeschrieben. 320 Schulklassen haben teilgenommen. Gewonnen hat die 10a der Geschwister-Scholl-Schule in Radevormwald. Die Freude bei den Schülern war entsprechend groß, denn mit diesem Erfolg hatten sie nicht gerechnet.

"Wir gewinnen doch sowieso nicht" - an diese erste Reaktion ihrer Schüler erinnert sich Klassenlehrerin und Schulleiterin Sandra Pahl, als sie den Vorschlag machte, am Wettbewerb teilzunehmen, noch gut. "Es war vor allem ein unglücklicher Termin, den Schülern die Aktion vorzustellen, denn nur wenige Tage zuvor hatten wir in einer Schulkonferenz beschlossen, die Handynutzung während der Pausenzeiten zuzulassen. Und nun sollten die Schüler freiwillig auf dieses gerade erworbene Privileg wieder verzichten", berichtet sie.

Dennoch hat sich die Klasse entschieden, den Versuch zu starten, das ausgeschriebene Preisgeld in Höhe von 1000 Euro und Eintrittskarten für das Konzert des Rappers MC Fitti in Köln zu gewinnen. Die Schüler mussten eine App auf ihr Handy laden und diese immer starten, wenn sie das Handy anmachten. Für jede Minute, in der die App lief, das Handy aber nicht genutzt wurde, gab es Punkte. Der Punktestand konnte, vor allem im Vergleich mit anderen Klassen, immer aktuell eingesehen werden.

"Für unsere Klasse war die Aufgabe, das Handy nicht mehr unnötig zu nutzen, vor allem im ersten Wettbewerbsmonat ein großes Thema", erzählen die Schüler. "Da haben wir uns morgens schon mal gegenseitig daran erinnert, die App einzuschalten, damit uns auch keine Punkte entgingen." Als Ende Mai feststand, dass die 10a unter den ersten drei Teilnehmern war, stieg die Spannung deutlich an. Umso größer die Freude, als sie erfuhren, dass sie die Monatswertung und damit die Eintrittskarten für das Konzert gewonnen hatten. "Dadurch war dann aber die Spannung weg", erinnert sich Sandra Pahl. "Gleichzeitig hatten sich die Schüler aber schon so daran gewöhnt, ihren Handykonsum einzuschränken, dass es überhaupt kein Problem war, dieses Verhalten weiter einzuhalten. Dadurch lagen wir im Juli trotz Schulferien immer noch unter den besten vier Teilnehmern."

Schnell merkten die Schüler der 10a, dass sie, wenn sie ihr Handy in den Pausen nicht dauernd für Spiele, soziale Netzwerke oder anderes nutzten, viel häufiger mit ihren Mitschülern ins Gespräch kamen.

"Aber es war ja nicht so, dass wir das überhaupt nicht kannten", sagt Konstantin Weißheim. "Wir sind ja zivilisierte Menschen und reden auch dann in den Pausen miteinander, wenn wir das Handy rausnehmen." Eine Aussage, die Sandra Pahl durchaus bestätigen kann. "In dieser Klasse gibt es keine Schüler, die vom Handy abhängig wären", sagt sie. "Sie hatten immer schon gute soziale Kontakte. Und wenn im Unterricht das Handy mal klingelte, waren es meistens die Eltern der Schüler!" Dass sie den Wettbewerb nach der endgültigen Schlussauswertung im Oktober tatsächlich gewonnen hatten, konnten die Schüler aber kaum glauben. "Anfang war es ja schon ein komisches Gefühl, das Handy in der Tasche zu lassen. Inzwischen ist es für uns selbstverständlich geworden, wir sprechen mehr miteinander", sagt Elena Masnikova für ihre Mitschüler.

"Und die Tatsache, dass wir laut Schulkonferenz eigentlich in den Pausen das Handy nutzen dürften, ist für uns kein Grund, das jetzt auch zu tun. Der Reiz des Verbotenen, den wir vor dem Beschluss hatten, ist ja auch weg", sagt Laura Römerscheidt - und zieht für sich einen ganz besonderen Schluss.

Quelle: RP
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