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Radevormwald
Konsum-Chefin rettete Jungen das Leben

Radevormwald: Konsum-Chefin rettete Jungen das Leben
Das Haus über dem Obergraben war früher das Meisterhaus von Wülfing. Im Erdgeschoss war neben dem "Konsum" auch eine Poststelle untergebracht. Dort gab es lange Zeit das einzige öffentliche Telefon für Dahlerau. FOTO: Wolfgang Scholl
Radevormwald. Helmut Stoffel hat 33 Jahre im Haus über dem Obergraben gelebt. Der 83-Jährige erinnert sich an gute, aber auch an schlechte Zeiten. Von Wolfgang Scholl

Das Haus über dem Obergraben an der Wülfingstraße hat eine lange Geschichte. Das hat auch Helmut Stoffel dazu veranlasst, über seine Geschichte in dem Haus zu berichten. "Ich habe auch etwa 33 Jahre in diesem Hause gewohnt und Kindheit und Jugend dort verbracht", schreibt Stoffel, der erfreut ist, dass die Wupperorte wieder an Bedeutung für die Stadt gewinnen. In dem ehemaligen Meisterhaus der Firma Wülfing aus dem Jahr 1890 war im Erdgeschoss neben der Poststelle auch ein "Konsum" untergebracht. Das kleine Hinweisschild verweist darauf.

Auf die Poststelle weist nur noch der Briefkasten hin. "Diese wurde von meinem Vater geleitet, ab 1938 bis zur Schließung und Verlagerung an die Kirchstraße in den 1960er-Jahren". Außerdem befand sich im ersten Stock des Hauses noch eine weitere wichtige Institution: der Arzt von Dahlerau, Dr. Braun.

Relikt aus früherer Zeit: Das Hinweisschild an einer der Türen. FOTO: Scholl

"Natürlich verbinden mich unzählige Erinnerungen mit diesem Haus und der gesamten Umgebung, allerdings auch sehr schlechte", schreibt der 83-jährige ehemalige Leiter der Peugeot-Vertretung mit Sitz in den Wupperorten.

Das veröffentlichte Foto ist für Helmut Stoffel aber auch eine Erinnerung an die dunkelsten Stunden. "Als Kind bin ich im Alter von sechs Jahren in den Graben gefallen, die Strömung war sehr stark, die Schwimmkünste noch nicht wirklich ausgeprägt, und so trieb ich über die zur Firma Wülfing führende und noch existierende Brücke hinaus in Richtung Absperrgitter. Hilfeschreie verschiedener Passanten waren in den Konsum gedrungen. Die damalige Leiterin, Erna Kämper, zögerte keinen Augenblick, zur Unfallstelle zu laufen, von dort in den Graben zu springen und mich wieder zu einer zugänglichen Stelle zurückzuziehen. Ohne Frage wurde mir dadurch das Leben gerettet."

FOTO: Moll Jürgen

Das beherzte Eingreifen von Erna Kämper wurde auch von höchsten Stellen anerkannt. "Es liegen mir einige Belobigungen der damaligen Behörden vor, die sie mir vor Ihrem Tod noch zukommen ließ", erklärt Stoffel.

Neben diesen persönlichen Erinnerungen ist das Haus auch aus anderen Gründen erwähnenswert. "Während des Zweiten Weltkrieges war das Haus wegen der massiven Bauweise Luftschutzkeller für die Bewohner umliegender Häuser." Viele Nächte habe auch er dort verbracht.

Neben dem Arzt wohnte im ersten Stock die Gemeindeschwester namens Eulenberg, zuständig für Dahlerau und Umgebung. Außerdem wohnte dort eine Frau Stursberg, die Schwiegermutter des damaligen Direktors von Wülfing. Frau Stursberg ist mit 105 Jahren eine der ältesten Bewohnerinnen geworden.

Eine Kuriosität, die für jüngere Menschen unbegreiflich erscheint, war das öffentlich zugängliche Telefon mit Zelle im Vorraum der Poststelle. Von dort wurde die Verbindung hergestellt. Es war lange Zeit das einzige öffentliche Telefon für Dahlerau. Nur der Arzt und Wülfing verfügten über weitere Anschlüsse.

Wie bereits erwähnt, liegt das Haus über dem Wasser, war und ist aber trocken. Da die Winter wesentlich kälter waren, fror der Obergraben im Winter zu. Deshalb musste vor allem nach Wochenenden das Eis durch Wülfing-Mitarbeiter aufgebrochen werden. Auch mit der Sonne stand nicht unbedingt gut - im Erdgeschoss ging die Sonne im Monat Oktober unter und im Laufe des Monats März wieder auf.

Quelle: RP
 
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