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Radevormwald
Mit dem Echolot auf der Suche nach Vermissten

Radevormwald: Mit dem Echolot auf der Suche nach Vermissten
FOTO: Moll Jürgen
Radevormwald. Die DLRG kann mit einem mobilen Echolot vom Ertrinken Bedrohte schneller finden. Beim Einsatz auf der Wupper-Talsperre vorige Woche sollte das Gerät zum Einsatz kommen, doch Taucher hatten den Angler bereits gefunden. Die BM fuhr auf einer Testfahrt mit. Von Wolfgang Weitzdörfer

Leise tuckert das Motorboot der DLRG-Ortsgruppe Hückeswagen über die ruhige Bever-Talsperre, etwa sechs km/h schnell. Am Bug sitzen Martin Rimroth, Einsatzleiter der DLRG Wermelskirchen, und Matthias Schopphoff, ebenfalls von der DLRG Wermelskirchen und Referatsleiter Bootswesen bei der DLRG Rhein-Berg. Sie schauen konzentriert auf das Display eines schwarzen Geräts, etwa so groß wie ein Laptop, auf dem sich schwarze, graue und weiße Linien und Formen zeigen: die Welt unter Wasser, wie sie das neue mobile Echolot an die Oberfläche sendet. Seit dem Frühjahr haben die DLRG-Verbände des Oberbergischen und des Rheinisch-Bergischen Kreises jeweils ein solches Gerät, das bei der Suche nach Vermissten unter Wasser unter Umständen lebensrettend sein kann.

Die Nachricht von dem 85-jährigen Angler, der am vorigen Mittwoch in der Wupper-Talsperre ertrunken war, ist noch frisch im Kopf: "Beim Einsatz am Haus Hammerstein hätte das Echolot seinen ersten Einsatz gehabt. Aber als wir angekommen waren, hatten Taucher den Verunglückten bereits gefunden", sagt der 51-jährige Rimroth von der Berufsfeuerwehr in Wuppertal.

Der 45-jährige, der im Hauptberuf Referendare im kaufmännischen Bereich ausbildet, fügt hinzu: "Mit dem Echolot können wir den Grund deutlich sehen. Bislang mussten unsere Taucher auf Fühlung arbeiten." Sie können durch Sedimentaufwirbelung teilweise nur zehn Zentimeter weit sehen. Ganz anders ist da ein Echolot, das hauptsächlich im Fischfang und Angelsport eingesetzt wird.

Allerdings braucht man Übung, um zu verstehen, was auf dem Display zu sehen ist. Das Prinzip aber ist einfach: An der Seite des Boots ist eine Vorrichtung angebracht, an deren Ende der Sensor sitzt, der Schallwellen auf den Gewässerboden sendet. Das etwa smartphonegroße Gerät sieht unscheinbar aus, ist aber das Herz des Echolots, denn es sendet die Schallwellen aus, die dann den Untergrund abbilden. "In der Praxis muss man zunächst die Darstellung verstehen. Es gibt verschiedene Ansichten, von denen aber viele für den Rettungseinsatz nicht nötig sind", erläutert Schopphoff.

Auf dem Display ist in der Mitte etwa ein schmales dunkles Band zu sehen: "Das ist die Wassertiefe", sagt der 45-Jährige. Links und rechts davon erstrecken sich bizarr geformte Flächen, gezackt, rundlich, gerade. "Der Grund", kommentiert Schopphoff und ergänzt: "Wir sehen ein Fahrtbild, das Echolot scannt blitzschnell den Boden nach links und rechts ab und berechnet so die Fläche." Würde man also auf dem Wasser stehen, wäre nichts zu sehen? "Genau, dann wären undefinierbare Streifen auf dem Display zu sehen", bestätigt der 45-Jährige.

Die Schulung am Echolot ist mittlerweile Teil der regulären DLRG-Übungen, sagt Schopphoff: "Wir haben uns von einem Profi für einen Tag schulen lassen, jetzt können wir dieses Wissen an die Kollegen weitergeben. Es ist vor allem Übung, die einen im Umgang mit dem Echolot sicher werden lässt." Einen Tag dauert die theoretische Unterweisung in die technische Handhabung des Geräts, danach kommt die Praxis: "Wenn die Theorie sitzt, kann man nach etwa zweieinhalb Stunden auf dem Wasser schon die ersten Gegenstände erkennen und unterscheiden", versichert Schoppfhoff.

Geübt wird natürlich auch auf dem Wasser, wie der 45-Jährige weiter erklärt: "Auch wenn ein Taucher wegen des dicken Neoprenanzugs nicht so leicht zu erkennen ist, üben wir natürlich auch mit ihnen. Ich hatte neulich etwa die Situation, dass zwei Taucher unter dem Boot waren und ich mir nicht sicher war, ob sie - wie es über das Echolot wirkte - tatsächlich auf unterschiedlicher Höhe im Wasser waren." Da zahlt es sich aus, dass per Tauchtelefon mit den Kollegen unter Wasser kommuniziert werden kann: "Das wurde mir dann umgehend bestätigt. Und so schult man sich durch Übung in der Live-Situation", ergänzt Schopphoff.

Und auch den Nachwuchs inter-essiert die Technik an Bord des DLRG-Boots bereits: So ist Schopphoffs Sohn Paul, der mit seinen zwölf Jahren beim DLRG-JET, dem Jugend Einsatz Team, bereits aktiv dabei ist, auf der Übungsfahrt auch an Bord und betrachtet ganz genau das Geschehen auf dem Display. "Da ist gerade ein Fischschwarm gewesen", sagt er und deutet auf einen Wirbel. Für den Laien hätte es auch ein Stein oder einfach nur eine Unregelmäßigkeit auf dem Boden der Bever sein können.

Die DLRG im Bergischen Land kann künftig im Ernstfall mit Hilfe der Technik sehr viel schneller und effektiver bei der Vermisstensuche arbeiten. Denn dann zählt jede Minute, wie Schopphoff ernst sagt: "Unterhalb der sogenannten Sprungschicht, wo es auf etwa sechs Grad Wassertemperatur abkühlt, kann ein Mensch noch nach zehn bis 15 Minuten reanimiert werden, ohne dass das Gehirn nachhaltig geschädigt wird. Da ist es natürlich von größter Wichtigkeit, wenn wir schnellstmöglich fündig werden." Daher legt der 45-Jährige auch auf etwas besonderen Wert: "Wir rücken lieber fünfmal umsonst aus, als einmal zu spät gerufen zu werden."

Quelle: RP
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