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Ratingen
Lärm: Felderhof-Plan bleibt in der Kritik

Ratingen: Lärm: Felderhof-Plan bleibt in der Kritik
Hans Jörgens vom Verkehrsclub Deutschland weist auf den Lärm an der Westbahn hin. Eine hohe Lärmschutzwand ohne Öffnung für Einsatzkräfte könnte Rettungsarbeiten auf der Strecke behindern, fürchtet er. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Das Konzept für die umstrittene Wohnbebauung liegt jetzt im Ratinger Rathaus aus. Von Joachim Preuss

West Noch bis zum 19. August ist der viele Jahre umstrittene Bebauungsplan zum neuen Wohnprojekt Felderhof II bei der Stadtverwaltung ausgelegt. Kritik kommt von den Grünen, vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und vom ehemaligen Planungsamtschef Siegfried Aring.

Die Grünen lehnen eine Umwandlung des Gewerbegebietes weiter strikt ab. "Wir halten die Fläche für absolut ungeeignet für eine Wohnbebauung", sagt Hermann Pöhling, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Und: "Ich sehe nach wie vor große Probleme bei den Altlasten, bei Lärm und Erschütterungen durch die Bahnlinie, der Bebauungsdichte, dem Verkehr und nicht ausreichenden energetischen Festsetzungen."

Man werde sich "für substanzielle Verbesserungen" einsetzen, falls sich der Rat fürs Projekt ausspreche. Dies beziehe sich auf die zu erwartenden Lärmbelästigungen der Westbahn, die gerade mal wieder in der Diskussion steht. Nach dem zu erwartenden Ausbau mit einem dritten Gleis und der Wiederaufnahme des S-Bahnbetriebes auf der Weststrecke entstehe eine intensive Verkehrszunahme und entsprechend höhere Lärmbelastung, so Pöhling. Er hofft auf eine baldige Reaktivierung der Westbahn.

Auch Dr. Hans Jörgens, Sprecher im Vorstand des VCD-Kreisverbands Düsseldorf/Mettmann/Neuss, haut in Sachen Lärm in dieselbe Kerbe: "Ich habe mir einen Teil der ausgelegten Unterlagen durchgelesen. Mein erster Eindruck: Was den Bahnlärm angeht, hat sich nicht viel geändert. Die Erhöhung der Lärmschutzwand um bis zu 80 Zentimeter bringt eine Verbesserung." In der Begründung werde als Alternative jetzt eine gleisnahe Wand von zwei Metern Höhe betrachtet. Ihre Wirkung bestehe in einer Lärmminderung von zwei bis drei dB(A). Jörgens: "Der Mensch empfindet das schon als deutliche Minderung. Warum wurden hier nur zwei Meter angesetzt, wenn die geplante Wand 6,80 Meter hoch werden soll? Dann könnte man die Halsstarrigkeit der Deutschen Bahn quantitativ in dB bewerten."

Die Bewertung der Lärmminderungsmaßnahmen in der "Begründung" sei allerdings "sehr verwoben", die müsse er sich noch genauer ansehen. Jörgens zum Thema Sicherheit: "Wir hatten in unserer alten Stellungnahme angeregt, etwas zu einer möglichen Katastrophe auf der Bahnstrecke zu sagen. Ich finde in der Felderhof-Lärmschutzwand keine Durchgänge für Helfer. Mich würde interessieren, wie lange die Lärmschutzwand im Falle eines Brandes auf den Schienen hält und welche Gefährdung durch den ausbrennenden Zug dann für die nächste Häuserzeile besteht?" Einen ernstzunehmenden Unfall habe es vor drei Jahren auf dem Güterbahnhof Derendorf gegeben. Dort hätten die Rettungskräfte aber ausreichenden Platz gehabt.

Aring geht mit den Plänen hart ins Gericht: "Der Eindruck entsteht, als würde hier alles getan, um dem dringenden Problem der Wohnungsversorgung nachzukommen, dabei wird die wichtigste Frage nach der Eignung des Standorts und Geländes nicht ausreichend gewürdigt und beantwortet." Die zentralen Probleme Altlast, Lärm und Erschütterungen würden nicht bewältigt, das Baugebiet sei in Teilen für Wohnbebauung ungeeignet: "Die in den Vorlagen dargestellte - vom Bauträger formulierte - Abwägung ist völlig unzureichend und fehlerhaft." Er fragt: "So hohe Lärmschutzeinrichtungen in Privathand, wer soll die denn langfristig unterhalten? Wohnungen mit doppelten Estrichen und festgelegten Nichtwohnbereichen, Zwangslüftungen, Ghettofenstern, das ist keine Planung, die gesundes Wohnen zulässt. Die grundsätzliche Eignungsprüfung des Areals hat versagt, da ist die Korrektur nötig."

Quelle: RP
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