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Ratingen
Milch tanken auf der kleinen Farm

Ratingen. Änderungen des Regionalplans und Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen durch den Bau der A44 - wer als Landwirt Erfolg haben will, muss sich Neues einfallen lassen. So wie zwei Beispielhöfe der Kreisbauernschaft Mettmann. Von Valeska von Dolega

Mit Idylle hat der Alltag eines Landwirts nicht viel zu tun. Morgens um kurz vor 6 Uhr klingelt bei Mechthild und Christoph Maurer der Wecker. An sieben Tagen in der Woche sowie jedem Feiertag. Denn was der Kalender auch anzeigen mag oder wie das Wetter auch ist: ihre Kühe auf Hof Karpenhaus wollen gemolken werden. Alle 27, macht etwa 810 Liter. Etwa 150 Liter davon gehen direkt in die betriebseigene Milchbar. Das ist ein silbrig schimmernder Kasten im XXL-Format. Gegen Münzeinwurf kann Jedermann sich hier seine Milch zapfen, vorausgesetzt, er bringt sein eigenes Gefäß mit. "Wie frisch aus dem Euter", sagt Christoph Maurer, also weder pasteurisiert noch homogenisiert.

Seit Oktober vergangenen Jahres gibt es die Milchtankstelle. "Eine saubere Sache", permanent ist das Produkt auf 4 Grad gekühlt, was am Fuße des Tages übrig bleibt, bekommen die Kälbchen. Eine "große Entlastung" ist die Frischmilchtanke darüber hinaus, den Maurers bleibt Zeit, sich um das Vieh sowie 60 Hektar Grünland zu kümmern. Der einzige im Ortsteil Homberg verblieben Betrieb produziert ökologisch und in rheinsicher Fruchtfolge. Vieles von dem, was vom eigenen Acker kommt, wird im eigenen Hofladen angeboten. "Den hatten wir theoretisch schon immer", erinnert Mechthild Maurer an die vergangenen 20 Jahre, in denen der raum aber zugleich staubige Abstellkammer war. Unter ihrer Ägide hat er sich zu so etwas wie einem schmucken Dorfladen entwickelt. Zum Wochenende gibt es zu den selbst gemachten Marmeladen, Milch, Gemüse und Obst außerdem selbst gebackenes Brot. Milchtanke plus Hofladen bilden zusammen ein ebenso wichtiges Standbein wie Ackerbau und Viehzucht. Nebenbei vermieten die Maurers zwei Gästezimmer.

Lösungen für die Zukunftsfähigkeit des Landlebens überlegen sich auch Bernadette und Lars Weidtmann. Die Eheleute sind gemeinsam auf Groß Ilbeck aktiv. Dessen attraktive Lage als beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Spaziergänger machen sich die findigen Landwirte seit 1998 zu nutze - mit dem hofeigenen Café. Als 2006 die in die Jahre gekommenen Nachbarn ihre Fischräucherei abgeben wollten, übernahm Lars Weidtmann das Geschäft mit Forelle, Lachs, Aal oder Karpfen. Als Investition in die Zukunft folgte 2009 der Aufbau einer Photovoltaikanlage. Alles sind wichtige Einnahmequellen. "Aber übergeordnet über allem steht nach wie vor die Landwirtschaft." 32 Hektar bewirtschaftet er selbst. Gerste, Weizen, Raps und Zuckerrüben wachsen hier. Weitere 35 Hektar lässt er bewirtschaften. "Die Direktvermarktung ist für uns ganz wichtig", was für sämtliche Produkte gilt. Neben allem landwirtschaftlichen Wissen und Kenntnissen moderner Betriebsführung ist Flexibilität im modernen Landleben gefragt. "Sobald es schön ist, brennt die Hütte", beschreibt Bernadette Weidtmann salopp, was auf dem Acker und im Café los ist. Flexibel müssen Landwirte auch in Sachen Ideenfindung sein. "Sich auf Lorbeeren auszuruhen, reicht nicht", sagen die beiden Familien übereinstimmend. "Man muss sich immer wieder Neues einfallen lassen."

Quelle: RP
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