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Breitscheid
Mit Ende 50 noch einmal durchgestartet

Breitscheid. Dagmar Oberbauer ist das, was man eine toughe Frau nennt, mit vielen Ideen und Projekten und einer noch ganz frischen Profession: Sie hilft Menschen, die aus beruflichen Gründen nach Deutschland müssen, eine Wohnung zu finden und hier Fuß zu fassen. Von Gabriele Hannen

Wenn Dagmar Oberbauer von Pünktlichkeit spricht - und sie meint dann auch Pünktlichkeit - dann braucht man im eigenen Hirn keine Girlanden zu flechten, die sich um den Begriff "rechtzeitig" ranken. Diese Frau hat Grundsätze, und die machen sie in der Welt des Ungefähren so liebenswert verlässlich. Und was die rechte Zeit am rechten Ort mit der rechten Vorbereitung betrifft, so werden diese Grundsätze ein unverzichtbarer Teil ihres Erfolgs sein: Die Frau betreibt als freie Unternehmerin einen Relocation Service.

Unter den zahlreichen Übersetzungen für Relocation trifft "Umzug" die Erklärung ihrer Dienstleistungstätigkeit noch am besten. Dagmar Oberbauer kümmert sich nämlich darum, dass zum Beispiel ein Ehepaar mit Kindern, das, zum Beispiel, aus beruflichen Gründen des Vaters nun in Deutschland ansässig werden soll und will, so schnell wie möglich ein Haus oder eine Wohnung bekommt und noch ein paar Anlaufstellen erfährt, die das neue Leben hier leichter und vielleicht auch schön machen. Der Job war natürlich nicht das Ziel ihrer Träume, als die junge Duisburgerin - 1952 geboren und in einem Geschäftshaushalt aufgewachsen - in die Berufswelt startete. Es gab ihn damals ja nicht einmal in Deutschland.

Sie strebte quasi als Einzelkind durchs Angebot einer Mittelschule und hatte schon eine überaus wackere Mutter als gutes Vorbild. Dagmar Oberbauer machte eine solide Ausbildung zur Speditionskauffrau, wurde mit 15 Jahren dann die große Schwester einer kleinen Schwester und entschloss sich nach angemessener Zeit, das Abitur nachzuholen und Betriebswirtschaft zu studieren. Irgendwie nebenbei.

Ein Studium, ein guter Abschluss - da geht doch immer was in der Karriere. Auch bei Dagmar Oberbauer, die für ihre Firma im In- und Ausland Gutes tat, die mal Marketing betrieb, mal im Vertrieb war. Dann stieg sie aus und machte mal was ganz anderes - sie stieg ins Mentoring-Projekt in Ratingen ein, erfuhr, wie Grundschüler ticken, kümmerte sich ehrenamtlich um Kinder, die in ihrer Lesekompetenz individuell zu fördern waren.

Mit dieser Begleitung durch den Buchstaben-Dschungel erfuhren die Jungen und Mädchen nicht nur persönliche Zuwendung, sondern auch Anerkennung ihrer wachsenden Kompetenz und letztlich Selbstsicherheit. Da lagen dann die Erschaffung und Organisation der Vorlese-Patenschaften in der Ratinger Stadtbücherei auch nicht wirklich weit - es fanden sich bald zuverlässige Ratinger, die jetzt regelmäßig in der Kinder- und Jugendbuchabteilung des Medienzentrums vorlesen und auf diese Weise Kindern den Spaß am Lesen beibringen.

Auch in der Dumeklemmer-Stiftung machte Dagmar Oberbauer aktiv mit. Eberhard Raßloff, ehemaliger Amtsleiter, erinnert sich gern: "Sie war zuverlässig und äußerst innovativ". Das fügte sie zu jeder Beschäftigung hinzu, und letztlich fügten sich alle Aktivitäten zu einem stabilen Netzwerk, das sich vor dreieinhalb Jahren in ein größeres knüpfen ließ - in die neu ausgedachte Selbstständigkeit. Auch ganz schön tough, sich mit Ende 50 noch einmal beruflich selbstständig zu machen. Allerdings hatte ein fleißiges und zielgerichtetes Berufsvorleben dafür gesorgt, dass diese Frau nicht wirklich am Hungertuch nagte. Doch sie entwickelte fraglos berufliche Aktivitäten zu einem Zeitpunkt, da andere Frauen oft schon in den Warteschleifen-Modus gleiten. In der Freizeit schlägt sie schmetternde Bälle über den Tennisplatz und treibt 45 Gramm schwere Bälle mit 400 Dellen und einem Durchmesser von 4,2 Zentimeter übers Grün.

Dass sie in diesem Jahr heiratete, hat nun nichts mit einem verrückten zweiten Frühling zu tun, sondern mit langjährig erprobter, tiefer Zuneigung zu Bodo Waterbör.

Quelle: RP
 
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