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Ratingen
Punktlandung am Persischen Golf

Ratingen: Punktlandung am Persischen Golf
Die Besatzung der LSG Breitscheid-Haiger stand auf dem Siegertreppchen der World Air Games ganz oben. FOTO: Deutscher Navigationsflug
Ratingen. Marcus und Astrid Ciesielski aus Ratingen gehen einem seltenen Hobby nach: Sie sind Präzisionsflieger. Von Valeska von Dolega

Nein, ein Luftikus ist Marcus Ciesielski nicht. Auch wenn er Pilot ist und deshalb hoch hinaus muss. "Wagemut gehört überhaupt nicht zu diesem Sport", sagt der 53-Jährige über sein mit Leidenschaft betriebenes Hobby namens Präzisionsflug. "Eine Randsportart", nennt er sie. Eine, die er meisterlich beherrscht. Zuletzt holten Marcus Ciesielski und seine Co-Pilotin, Ehefrau Astrid, bei den Weltluftspielen in Dubai Medaillen in Gold und Silber.

"Eine Riesenauszeichnung", freuen sich die beiden. Die zwei Wahl-Ratinger - Marcus Ciesielski ist gebürtiger Kölner, seine Frau Astrid stammt ursprünglich aus Gummersbach - sind als Könige der Lüfte natürlich Aushängeschilder ihres Vereins. Zumal, da sie seit 2003 gemeinsam am Start sind und auf nationaler wie europäischer Ebene nahezu alle wichtigen Titel und Pokale gewonnen haben.

Lieber als über Auszeichnungen zu sprechen, plaudern beide über das Fliegen an und für sich und ihr Hobby im Besonderen. "Das Schönste ist für mich, die Welt von oben kennenzulernen. Und das aus einer Höhe, in der man wirklich etwas sieht", sagt Marcus Ciesielski. "Ich erkenne auch durch kartographische Hilfe ganz viel auf einem Flug wieder."

Der Berufspilot und die Flugbereiterin, die bei der selben Fluggesellschaft angestellt sind, stimmen Dienstpläne, freie Tage und Urlaube miteinander ab, um gemeinsam trainieren zu können. "Das lernt man nur durchs Tun." Denn Präzisionsflug ist mehr als akkurat von A nach B zu kommen. Die Maschine punktgenau an einer markierten Stelle auf der Landebahn kontrolliert aufzusetzen, gehört zur Kunst dazu. Außer dem fliegerischen Können bestimmen Thermik und Wind das Ergebnis. Bei manchen Rallys müssen dann Waldwege, Schlösser oder andere markante Bodenzeichen identifiziert werden. "Er hält den Kurs und fliegt, ich achte auf alles drumherum", beschreibt Astrid Cieslieski lachend die Aufgabenverteilung. "Ohne einander wären wir nichts", sagen beide über die perfekte Kommunikation und Zusammenarbeit im Cockpit. "Wir sind ein eingespieltes Team", lautet das Fazit. Das sich übrigens - romantischer Nebenaspekt - auf einem Flug zum ersten Mal begegnete. Allerdings war Marcus Ciesielki damals Passagier und auf dem Weg zum Bewerbungstraining in Miami.

"Früher war es mein Traum, mit der Cessna zum Nordkap zu fliegen", erinnert sich der Präzisionsflieger. 1993 kaufte er einen Flieger, um sich diesen Traum zu erfüllen. Über einen Segelflug-Wettbewerb in Berlin-Tempelhof kam dann aber alles ganz anders. "Das war ein Traditionsflug. An dem auch Rallyeflieger teilnahmen." So entstand der erste Kontakt zu Präzisionsfliegern, und diese Gruppe ist wie eine Familie. Man kennt und schätzt einander, schaut anerkennend auf Kollegen aus Polen, Tschechien und Frankreich, "sehr gute Piloten mit exzellenter Nachwuchsarbeit". Klar sind die Ciesielskis in ihrem Bekannten- und Freundeskreis auch deshalb gern gesehene Leute, weil sie von ihren Ausflügen oft spektakuläre Geschichten mitbringen.

Die neue Saison begann für die Könige der Lüfte mit einem Auftakt-Meeting in Braunschweig, im Mai stehen die deutschen Meisterschaften in Husum an, und im September soll es zur Rallye-Weltmeisterschaft an die portugiesische Ostküste nach Santa Cruz gehen. Natürlich sind sie ambitioniert und wollen sich wieder gut platzieren.

Quelle: RP
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