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Remscheid
Bretonin schätzt die wachsende Toleranz

Remscheid: Bretonin schätzt die wachsende Toleranz
Als Au Pair kam Odile Voß nach Remscheid, um ihr Deutsch zu verbessern. Sie blieb und lehrt nun Französisch an der VHS. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Remscheid. Die BM stellt in einer Serie "Mein Europa" EU-Bürger vor, die in Remscheid Fuß gefasst haben. Heute: Odile Voss. Von Anna Mazzalupi

Weil sie ihr Deutsch verbessern wollte, kam sie mit 19 Jahren für ein Jahr als Au Pair nach Remscheid. Geblieben ist die Französin Odile Voß dann bis heute - 41 Jahre. Nach all der Zeit fühle sie sich eigentlich schon eingedeutscht, sagt Voß mit einem Lachen. Typisch deutsch sei es, nur eine warme Mahlzeit am Tag zu essen, und im Vergleich zu den Franzosen nutzen die Deutschen ihre Freizeit besser. Der Rest fiel ihr schon gar nicht mehr auf.

Die französische Staatsbürgerschaft hat sie aber trotzdem noch. "Das kann ich vom Herzen her nicht", erklärt sie. Remscheid hat sie zum ersten Mal durch die Städtepartnerschaft Remscheid-Quimper kennengelernt. In der Bretagne ist Voß groß geworden.

Davon, dass sie Deutsch in der Schule lernen wollte, seien ihre Eltern nicht so begeistert gewesen, erinnert sich die Wahl-Remscheiderin. Doch durch Besuche in Deutschland habe sich auch ihre Sicht auf den Osten Europas geändert. Ihre Mutter gehörte zwei Jahrzehnte dem Vorstand des Vereins zur Städtepartnerschaft an. Das mache auch die Idee von Europa für sie aus. "Die Leute haben sich kennen und schätzen gelernt. Durch die Freundschaft sind die Menschen toleranter geworden", fasst Voß ihren Eindruck zusammen.

Seit fast 40 Jahren lehrt sie an der Volkshochschule Bürger verschiedener Nationen aus Europa ihre Heimatsprache. Voß hat eine Freundin aus England, ihr Sohn hat eine griechische Freundin, ihr anderer Sohn arbeitet und lebt in Frankreich. Durch die Grenzöffnung wachse Europa viel mehr zusammen. In einem anderen Land Europas zu arbeiten und zu leben, sei viel unkomplizierter als früher, hebt Voß einen Vorteil der Europäischen Union hervor. Anders als bei ihrem ersten Aufenthalt in Deutschland, gebe es heute nicht mehr dieses Fremdheitsgefühl. "Das ist ein großer Verdienst", ist sie sich sicher.

Der Kontakt zu ihrer alten Heimat ist immer geblieben. Regelmäßig verbringt sie ihre freie Zeit auf einem Campingplatz in der Bretagne. Wenn ihre Wahlheimat Deutschland dort einmal Thema ist, dann oft als Beispiel dafür, wie es anders geht. "Das ist eine Art Bewunderung, weil das, was in Frankreich nicht klappt, in Deutschland funktioniert", erzählt sie.

Dass Europa weiter zusammenwächst, sieht sie auch in Frankreich. Vermehrt kommen auch Urlauber aus Skandinavien oder Osteuropa, was vor ein paar Jahren noch nicht der Fall war. Das freundschaftliche Miteinander ist auch der Grund für die Deutsch-Französin, am 25. Mai in ihrer Wahlheimat wählen zu gehen.

Quelle: RP
 
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