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Serie "Erben und Vererben"
Das lukrative Jahrzehnt der Erben

Serie "Erben und Vererben": Das lukrative Jahrzehnt der Erben
Beim Vererben eines Hauses an den Ehepartner oder an die Kinder hält der Staat die Hand nur selten auf. Die Freibeträge liegen zwischen 400. 000 und 500. 000 Euro. FOTO: dpa
Remscheid. In der Region werden die höchsten Erbschaftsteuern bezahlt. Sie erfassen von den Vermögen aber nur einen geringen Teil. Von Michael Bosse

In den kommenden Jahren werden in Deutschland Vermögenswerte in Milliardenhöhe vererbt. Wirtschaftsforscher schätzen, dass derzeit pro Jahr zwischen 200 und 300 Milliarden Euro von Erblassern an Hinterbliebene weitergereicht werden. Die Generation der Eltern oder Großeltern, die in der Zeit der jungen Bundesrepublik zu Wohlstand gekommen ist, vermacht ihr Vermögen. Bis 2025 steht nach Angaben von Fachleuten eine Übertragung von Vermögen in einer Höhe an, wie sie Deutschland noch nicht erlebt hat.

In einer neunteiligen Serie widmet sich die "Bergische Morgenpost" in Kooperation mit der Volksbank Remscheid-Solingen dem Thema "Erben und Vererben". Experten geben unter anderem Tipps zur Vorgehensweise im Todesfall und klären etwa die Frage, wie die Erbfolge aussieht oder was Unternehmen tun müssen, um die Nachfolge zu regeln.

Mit der Frage, wie Vermögen an die Hinterbliebenen weitergereicht wird, befassen sich von Amts wegen vor allem Notare, Anwälte und Amtsgerichte. So können etwa im Nachlassgericht am Amtsgericht Remscheid privatschriftliche oder notarielle Testamente hinterlegt und auch eröffnet werden.

Die Zahl der Testamentsangelegenheiten blieb zwischen 2013 und 2015 in etwa auf konstantem Niveau, wie die Rechtspflegerin am Amtsgericht, Katharine Quambusch, sagt. Die Zahl der Testamentsangelegenheiten läge pro Jahr "im oberen mittleren dreistelligen Bereich". Konkrete Zahlen darf das Gericht nicht bekannt geben.

Bei den Verfahren für Erbscheine, Ausschlagungen und Nachlasspflegschaften hat es seit 2013 einen leichten Anstieg gegeben - die Zahl der Fälle bewegt sich im oberen dreistelligen Bereich. Vor allem die Ausschlagungsverfahren hätten in letzter Zeit zugenommen, berichtet Quambusch. Viele potentielle Erben verzichteten auf die Erbschaft, wenn der Erblasser verschuldet ist oder die Annahme des Erbes mit zu hohem Aufwand verbunden ist.

Die Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer selbst müssen dagegen die wenigsten fürchten: In Deutschland gelten hohe Freibeträge, die nur einen kleinen Teil des zu vererbenden Vermögens erfassen.

Nach Schätzungen von Experten dürfte die Steuerquote im einstelligen Prozentbereich liegen. So gilt für Ehegatten in der Steuerklasse I ein Freibetrag von 500 000 Euro, für Kinder liegt der Freibetrag bei 400 000 Euro. Wie hoch der Anteil des vererbten Vermögens ist, das von der Erbschaftsteuer überhaupt erfasst wird, ist nach Angaben des NRW-Finanzministeriums nicht einzuschätzen.

Die Erbschaft-/Schenkungsteuer ist eine Steuer des Landes und belief sich im vergangenen Jahr in NRW auf 1,31 Milliarden Euro. Im Bereich des Finanzamts Velbert, das auch für die Erhebung der Erbschaft- beziehungsweise Schenkungsteuer in Remscheid zuständig ist, waren es über 243 Millionen Euro, die eingenommen wurden. Unter den neun Finanzämtern, die in NRW mit der Festsetzung von Erbschaft- oder Schenkungsteuer betreut sind, wurde damit in Velbert die höchste Summe eingenommen.

Derzeit berät die große Koalition in Berlin über eine Reform der Erbschaftsteuer, mit der Steuervergünstigungen bei den Übertragungen von großen Unternehmen eingeschränkt werden sollen.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) sollten die Steuervergünstigungen weitgehend abgebaut werden.

Die niedrigen Steuersätze auf Erbschaften und Schenkungen, die einen hohen persönlichen Freibetrag übersteigen, sollten dagegen erhalten bleiben.

Durch diese Maßnahmen könnte das Aufkommen der Erbschaftsteuer, das sich derzeit bundesweit zwischen fünf und sechs Milliarden Euro pro Jahr bewegt, nach Einschätzung der Experten bald ansteigen.

Quelle: RP
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