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Remscheid
Drohnen scheuchen seltene Vögel im Naturschutzgebiet auf

Remscheid: Drohnen scheuchen seltene Vögel im Naturschutzgebiet auf
Blick von der Napoleonsbrücke auf die Wupperhänge bei Müngsten. Im Hintergrund ist der Diederichtstempel zu sehen. Hier steht die Natur unter einem besonderen Schutz. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Die ferngesteuerten Flugobjekte stören unter anderen den scheuen Uhu, der an den Wupperhängen brütet. Doch klare Regeln zum Thema fehlen. Von Henning Röser

Das Panorama ist so beeindruckend, dass es viele Besucher des Brückenparks Müngsten kurz innehalten lässt. Von der Napoleonsbrücke aus fällt der Blick auf den Diederichstempel, der sich einige hundert Meter entfernt weiter oben aus dichtem Wald erhebt. Als fließende Stadtgrenze teilt die Wupper in der Mitte des Bildes Remscheid und Solingen und sorgt je nach Lichteinfall für reizvolle Spiegelungen.

Doch an diesem Morgen wird die Idylle erst durch ein tiefes Brummen gestört, dann saust eine ferngesteuerte Drohne dröhnend und nur knapp über dem Wasserspiegel Richtung Haus Müngsten. Am Rande des Blickfelds nimmt ein Exemplar des seltenen Eisvogels schnell reißaus.

"Absolut unerfreulich" findet Dr. Jan Boomers, Leiter der biologischen Station Mittlere Wupper, diese Freizeit-Aktivitäten. Seine Mitarbeiter versuchen seit Jahren mit vielen Ideen den Spagat, sanften Tourismus innerhalb einer besonders schützenswerten Umgebung zu ermöglichen. Durch Besucherlenkung werden sensible Zonen bewusst geschont. Dieser neue Freizeitspaß passt dort nicht hinein.

Doch die aktuellen rechtlichen Regeln sind unscharf. "Als die Landschaftspläne für diesen Bereich erstellt wurden, gab es noch keine Drohnen", sagt auch Thomas Friese von der Unteren Landschaftsbehörde Remscheid. Zwar sieht der Landschaftsplan West, der auch die Wupperhänge in Müngsten umfasst, ein Verbot für Modellflieger vor, aber eben keines ausdrücklich für Drohnen. Es fehlt also die Handhabe. So setzt die Behörde auf Ansprache der Menschen und hofft auf Einsehen der Drohnenpiloten, wenn sie diese in Aktion antrifft.

Ähnliches gelte auch für die Fliegenfischer, die es immer wieder mal in diesen Teil der Wupper zieht. Teilweise kämen die Angler noch im Dunkeln nach Müngsten und leuchteten sich den Weg durchs Wasser mit Helmlampen frei. Auch das störe massiv die Ruhe der Vögel in diesem Schutzgebiet, sagt Friese.

Denn nicht nur der seltene und geschützte Eisvogel hat im Brückenpark ein ruhiges Fleckchen gefunden. Auch einige scheue, lärmempfindliche Uhus haben sich die Wupperhänge bei Müngsten als Revier für die Brut ausgesucht. Die lauten und sehr schnellen Drohnen werden auch sie als bedrohliche Eindringlinge empfinden.

Quelle: RP
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