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Remscheid
Feuerwehr und Handwerk kooperieren

Remscheid: Feuerwehr und Handwerk kooperieren
Das Remscheider Handwerk und die Jugendfeuerwehr vereinbarten gestern in der Wache eine Kooperation: Lutz Kotthaus, Christian Breitenborn, Burkhard Mast-Weisz, Armin Hoppmann, Guido Eul-Jordan, Fred Schulz und Jens Clever (v.l.). FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Handwerksbetriebe hoffen, in Jugendfeuerwehren technisch versierten, zuverlässigen Nachwuchs zu finden. Von Henning Röser

Remscheid läuft vorneweg. Die Seestadt auf dem Berge ist die erste Stadt im Kammerbezirk Düsseldorf, wo eine Kooperation zwischen Handwerk und Jugend-Feuerwehr abgeschlossen wurde. Gestern unterzeichneten beide Seiten in der Feuerwache auf dem Knapp einen Kooperationsvertrag.

Beide Seiten sollen langfristig von dieser Zusammenarbeit profitieren. Das Handwerk hofft bei der Jugendfeuerwehr technisch affinen und praktisch veranlagten Nachwuchs für die rund 180 bis 200 Ausbildungsplätze zu finden, die in Remscheid pro Jahr in den verschiedenen Innungen vom Friseur bis zum Anlagenelektroniker angeboten werden, sagte Kreisgeschäftsführer Fred Schulz.

Die Feuerwehr wiederum setzt für ihre Jugend auf Hilfe bei der Berufsorientierung während der Schulzeit, etwa durch Praktika und Betriebserkundungen, später auch durch Ausbildungsplätze. Es sei der "richtige Zeitpunkt" für eine Zusammenarbeit, sagte Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan gestern vor der Presse. Zwischen Handwerk und Feuerwehr gebe es "Synergien ohne Ende". Tugenden wie Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit spielten in der Jugendfeuerwehr eine ebenso große Rolle wie im Handwerk.

Die mittlerweile fünf Jugendfeuerwehren in Remscheid seien auch eine Antwort auf den demographischen Wandel, sagte Eul-Jordan. Die Feuerwehr bemüht sich intensiv um ihren Nachwuchs, hofft, dass der eine oder andere aus der Gruppe der 10- bis 17-Jährigen später den Sprung in die Berufsfeuerwehr macht. Bei den derzeit 125 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr beobachtet Stadtjugendfeuerwehrwart Christian Breitenborn zuletzt einen zunehmenden Drang zur Universität. Nur wenige junge Leute berichten ihm, dass sie eine Lehre im Handwerk anpeilen. Dieser "Akademisierungswahn" macht auch dem Handwerk große Sorgen, sagte Fred Schulz. Wenn von den 1000 Schulabgängern pro Jahr in Remscheid 600 ein Studium anpeilen, verblieben für die heimische Wirtschaft nur 400 Nachwuchskräfte. Davon bräuchte alleine das Handwerk fast 200. Das komme nicht hin.

Die Kooperation soll hier helfen, Interesse für eine Laufbahn im Handwerk zu wecken, die zu einem späteren Zeitpunkt immer noch an die Uni führen könnte, sagte Schulz. Kreishandwerksmeister Armin Hoppmann hofft, hartnäckige Vorurteile ausräumen zu können.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz sprach gestern von einer "tollen Idee", die eine Win-Win-Situation für beide Seiten bedeute. Er rechnete vor, dass eine Handwerksausbildung auch finanziell mit dem Studium mithalten könne. Was ein Lehrling bereits in der Ausbildung verdiene, hole ein Bachelor-Absolvent, der erst viele Jahre später in den Job einsteige, längst nicht immer wieder auf.

Quelle: RP
 
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