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Remscheid
Flüchtlinge - alle Räder greifen ineinander

Remscheid: Flüchtlinge - alle Räder greifen ineinander
Viele Helfer packen mit an, damit die Flüchtlinge gut versorgt sind. FOTO: HN-
Remscheid. Gestern traf der dritte Bus mit Asylbewerbern vor der Pestalozzi-Schule ein. Die Stadt schaltet Hotline für Helfer. Von Christian Peiseler

Daniela Krein gehörte gestern zu den Frauen, die am meisten gefragt waren als Ansprechpartner in der Pestalozzi-Schule. Innerhalb von 24 Stunden hat sich das leerstehende Gebäude in ein flexibles Versorgungszentrum verwandelt, in der vorerst 150 Menschen aus den Krisengebieten der Welt leben. "Es ist unglaublich, wie gut das alles hier funktioniert", sagt Krein, Geschäftsführerin des Vereins BAF, der in Remscheid Flüchtlinge betreut.

Am Eingang der von Sicherheitsleuten mit schwarzen T-Shits bewachten Schule sitzt Krein mit einem großen Dina-A-4 Block und einen Handy, sie koordiniert die Angebote und Aktionen für die Flüchtlinge. Gerade hat sich Alexandra Bleidt gemeldet, die für die 30 Kinder unter 15 Jahren eine Spielecke einrichten will. Kreins Liste von Bürgern, die bei der Essenausgabe helfen wollen, füllt sich und füllt sich. Die "Dienstpläne" für die drei Mahlzeiten pro Tag weisen keine weißen Flecken mehr auf. Die Johanniter fahren die Flüchtlinge mit ihren Transportern ins Sana-Klinikum zum Röntgen. Vier Ärzte des Gesundheitsamtes übernehmen die Erstbegutachtung. Mitarbeiter der Stadt registrieren die persönlichen Daten. Das Klettergerüst auf dem Schulhof haben Fachleute der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) noch schnell auf seine Standfestigkeit hin überprüft, damit sich kein Kind beim Spielen verletzt. Es sind die vielen kleinen Schritte, die bei dieser außerordentlichen Hilfsaktion ineinandergreifen. Waschmaschinen und Trockner brauchen einen Raum mit Abfluss. Elektriker haben in der Nacht zu Mittwoch noch Starkstromleitungen gelegt. Die abgeschlossenen Fenster in den Schulräumen entriegelte die Feuerwehr, um Fluchtwege zu sichern. Der Vorrat an Stahlbetten ist erschöpft, so dass Feldbetten aufgestellt werden für einen Teil der Flüchtlinge, die gestern mit dem dritten Bus eingetroffen sind. Sie sollen aber nach und nach gegen Kinderbetten ausgetauscht werden.

Flüchtlinge, die seit längerer Zeit in Remscheid leben, haben noch schnell den Hof gekehrt, damit ihre Schicksalsgenossen es schön haben, wenn sie nach Remscheid kommen. Gestern Morgen montierten Handwerker eine Satellitenschüssel an die Hauswand, damit im Gemeinschaftsraum ein Fernseher angeschlossen werden kann. In den Gemeinschafts-Duschen an der Turnhalle, die bisher nur nach Mädchen und Jungen getrennt waren, sollen Zwischenwände eingebaut werden", berichtet Friedhelm Selbach vom Gebäudemanagement. Außerdem wird der Schulparkplatz gesperrt, damit die Feuerwehr im Notfall anleitern kann. Fakt sei aber, dass das Gebäude nicht ein Heim bleiben kann, weil es ab 2016 für die Katholische Grundschule Am Stadion umgebaut werden soll, wenn diese ihr Areal fürs DOC räumt. "Am nötigsten brauchen die Flüchtlinge Hygieneartikel", sagt Daniela Krein. Angefangen vom Duschgel, Zahnpasta und Zahnbürste bis hin zu Rasierer, Babywindeln und Trinkflaschen. Für die Kinder sucht Alexandra Bleibt Dreiräder, Spiele und Teppiche. (Kontakt: 02191 5655130). Die Stadt hat eine Hotline geschaltet mit der Rufnummer 02191 92 35 34 freigeschaltet. Helfer können sich dort täglich von 8 bis 21 Uhr melden. Sachspenden nimmt auch die "Arbeit Remscheid" als gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft in ihrem Kaufhaus (Markt 17, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr) und im Möbellager (Königstraße 27-35, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9.30 bis 17 Uhr) entgegen.

Quelle: RP
 
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