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Remscheid
Momente der Angst nach Flugzeugabsturz

Remscheid. Veronika Wolf las im Neuen Lindenhof aus ihrem Buch "Schweigende Stadt". Im anschließenden Gespräch kritisierten die Gäste die Verschleierungstaktik der Behörden nach der Katastrophe. Von Stefanie Bona

Der 8. Dezember 1988 war ein trüber, nebeliger Tag. Diese Erinnerung hat sich bei allen eingebrannt, die den Absturz eines amerikanischen Militärflugzeuges und seine verheerenden Folgen mit sieben Toten und 50 Verletzten miterlebten. Zur Mittagszeit hatte der Kampfjet-Pilot der US-Armee die Orientierung verloren und war mit der Maschine auf die Stockder Straße im Ortsteil Hasten gestürzt.

Veronika Wolf, die mit ihrer Familie dort wohnte und sich seither für eine Aufklärung der Umstände engagiert, hat - wie berichtet - über die Geschichte den Tatsachenroman "Schweigende Stadt" mit starken autobiografischen Zügen geschrieben.

Ihre Lesung am Donnerstagabend verfolgten im Neuen Lindenhof über 40 Zuhörer, die im Anschluss Gelegenheit hatten, ihre eigenen Gedanken an die Geschehnisse und ihre bis heute offenen Fragen zu äußern. "Meine Tochter wohnte damals mit zwei kleinen Kindern in der Nähe. Alle Leitungen waren tot, ich konnte sie nicht erreichen. Das war furchtbar", berichtete eine Frau im Publikum. "Ich arbeitete damals am Hasten. Zunächst hieß es, ein Hubschrauber sei abgestürzt. Doch dann erhielten wir per Fernschreiber schon kurze später aus dem Ausland die Nachricht, dass es sich um eine Militärmaschine gehandelt hatte", erzählte eine andere Dame. Zu Fuß habe sie dann den Heimweg angetreten. "Es rieselte kleine braune Flocken. Später hatte ich lauter kleine Knoten auf dem Kopf. Das wurde dann auf eine Dauerwelle geschoben."

Hier sprach die Zuhörerin eine die damaligen Anwohner bis heute drängende Frage an. Was ist mit dem Flugzeug abgestürzt? War Munition und sogar atomares Material an Bord? Veronika Wolfs Protagonistin Laura will ein Päckchen Munition beim Umweltamt abgeben. Als man ihr dafür keine Quittung aushändigen will, nimmt sie den Fund wieder mit. Kurze Zeit später wird ihr Haus von Soldaten und Polizei belagert, die in rüdem Ton die Herausgabe fordern.

Ein Sozialarbeiter, dessen Frau in der Urologie eines Wuppertaler Klinikums arbeitete, berichtete von Krebserkrankungen zahlreicher Patienten, die im Viertel wohnten, als das Flugzeug abstürzte. Dass Behörden, die Stadt, das Land und auch das amerikanische Militär mit Informationen mauerten, viele Vorwürfe zurückwiesen oder überhaupt keine Stellung bezogen, kritisieren die Betroffenen bis heute.

Man müsse Veronika Wolf zutiefst dankbar sein, dass sie - obwohl sie für ihre Beharrlichkeit immer wieder Anfeindungen ausgesetzt worden sei - das Thema bis heute wach halte, lobte Christa Schwandrau, die damals in der Nachbarschaft der Stockder Straße wohnte. Seither hat die Betriebswirtin, Umwelt-Ingeneurin und heutige Unternehmerin sich dem Umweltschutz verschrieben.

Für ihr Engagement wurde Veronika Wolf genau am Donnerstag der Nachhaltigkeitspreis des Rats für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung verliehen. Diese Nachricht erreichte sie kurz vor der Lesung.

Quelle: RP
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