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Remscheid
Projekt "Klagemauer" soll das Turboabitur für Schüler verbessern

Remscheid. Anna Marie Faßbender, Vorsitzende des Jugendrates, will Erfahrungen von Schülern, Lehrern und Eltern bündeln - und dann der Politik zuleiten. Von Cristina Segovia-Buendía

Das Turbo-Abitur nach zwölf Jahren - Anne Marie Faßbender hat es als Schülerin selbst durchlebt. Überzeugt hat sie das G 8-System, trotz erfolgreich bestandenem Abitur in diesem Jahr am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, nicht. Ständiger Leistungsdruck und wenig Freizeit waren Alltag für sie. Dass sich das System nicht einfach abschaffen lässt, ist ihr bewusst. "Doch wenn wir schon weiter bei G 8 bleiben müssen", sagt die 17-Jährige entschlossen, "dann sollten wir es schon angenehmer gestalten und Dinge verbessern."

Eigentlich könnte es ihr egal sein, wie sich das Schulsystem fortan entwickelt, schließlich hat die 17-Jährige in diesem Jahr, mit ihrem erfolgreich bestandenen Abitur, ihre Schullaufbahn beendet. Doch der amtierenden Vorsitzenden des Jugendrates ist es ein persönliches Anliegen, sich auch über ihre Schulzeit hinaus und unabhängig von ihrem Amt im Jugendrat, mit dem Thema Schulpolitik im Allgemeinen und speziell mit dem verkürzten Abitur zu beschäftigen. Sie möchte ihre eigenen Erfahrungen in dieses System einbringen, um es für künftige Generationen zu verbessern.

Geschehen soll dies in einer Arbeitsgruppe mit dem Arbeitstitel "Klagemauer" bestehend aus betroffenen Schülern, Lehrern und Eltern. "Entstanden ist die Idee während eines Gespräches beim Jugendlandtag mit unserer Landtagsabgeordneten Jutta Velte", erklärt Faßbender. "Wir waren uns einig, dass viele Dinge von G8 gut sind, einiges aber auch verbessert werden müsste." Es allein den Politikern zu überlassen, findet die 17-Jährige nicht gut. "Diejenigen die G8 durchgedrückt haben, wissen ja teilweise nicht, was für Schwierigkeiten Schüler damit haben."

Daher möchte sie in einer Arbeitsgruppe Meinungen der Schüler, sowie die Erfahrungen der Eltern in Bezug auf das Familienleben einsammeln, ebenso wie den pädagogische Standpunkt der Lehrer. Nach einer Auswertung sollen daraus neue Konzepte entwickelt werden, um den Schulalltag für die Schüler angenehmer zu gestalten. Diese sollen dann dem Schulministerium vorgelegt werden.

"Ich musste beispielsweise meinen Vereinssport aufgeben, in dem ich gut war, weil ich durch die Schule keine Zeit mehr dafür hatte." Statt im Verein zu trainieren, musste sich Faßbender mit zwei Stunden Sportunterricht pro Woche abfinden. Dort wurde sie beispielsweise für ihre Leistungen im Werfen bewertet, was sie nicht so gut kann, ihr sportliches Talent im Kampfsport wurde allerdings nicht beachtet. "Auf meinem Zeugnis sieht es dann so aus, als wäre ich total unsportlich, was aber nicht die Realität widerspiegelt", sagt die 17-Jährige.

Ihr Vorschlag für dieses Problem: "Es wäre gut, im Nachmittagsunterricht beispielsweise mehr AGs anzubieten, in denen Schüler die Möglichkeit bekommen, ihre Talente zu fördern." Das Hausaufgabenpensum sollte dafür weniger sein und auch der Leistungsdruck verringert werden.

Mit ihrem Konzept stieß Anna Marie Faßbender sowohl bei Sozialdezernent Thomas Neuhaus, als auch bei den Remscheider Landtagsabgeordneten bereits auf positive Resonanz. Mitglieder des Jugendrats haben ebenfalls ihre Teilnahme an der Arbeitsgruppe zugesagt. Nach den Sommerferien soll es losgehen. Faßbender: "Wir leben zwar in einer Leistungsgesellschaft, aber wir sollten nicht vergessen, dass Schüler eigenständige Individuen sind und keine Arbeitsmaschinen."

Quelle: RP
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